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FÜNF! Zerhacker für die Festtage

Es ist vierter Advent. Der in drei Tagen anstehende Heiligabend bedeutet nicht nur eine Geschenkeflut und teilweise erzwungene Besinnlichkeit, er verheißt auch umfangreiches Schmausen. Da kommt es während der Feiertage gerne mal dazu, dass man am Ende eine Happen zuviel hatte. Dagegen braucht es dann einen unserer FÜNF! Zerhacker. Prost!
Der Autor dieser Zeilen muss ganz offen einräumen, dass das ausgiebige Tafeln ja für ihn an sich das Schönste am ganzen Weihnachtsfest ist. Ohne viel und gutes Essen auf dem Tisch kann der Christbaum noch so sehr duften, Bing Crosby sich die Seele noch so sehr aus dem Leib schmalzen oder die Kinderaugen noch so sehr funkeln. Ohne Völlerei kein Christfest, so!
Dabei soll es gar nicht darum gehen, was auf den Tisch kommt. Das kann der berüchtigte, grätenreiche Karpfen ebenso sein wie der preußisch-protestantische, bescheidene Kartoffelsalat mit Würstchen. Oder aber man greift zu opulentem Wildgeflügel. Unter Gänsen und Enten ist Weihnachten ja gemeinhin eher kein Familienfest. Jedenfalls haben die engagierten vielerorts Köche bereits angefangen: in so mancher Speisekammer dürfte schon der eingekochte Rotkohl schlummern. Und wer seiner Gans mehr Aroma einhauchen möchte, der mariniert sie spätestens morgen früh und lässt sie dann zwei Tage ziehen.
Der einzige Nachteil liegt auf der Hand: Man nimmt zuviel. Immer. An allen drei Tagen. Und hier kommt ein hochprominenter geistiger Akteur ins Spiel: der Zerhacker. Manchmal auch “Verteiler” oder „Absacker“ genannt, beschreibt er nichts anderes als einen Digestif. Aber da diese Vokabel doch sterbenslangweilig ist, wollen wir lieber vom Zerhacker sprechen. Zwar gilt es seit geraumer Zeit schlüssig widerlegt, dass der Schnaps nach dem Essen wirklich verdauungsfördernd ist; die wohltuende, weil vom Völlegefühl ablenkende Wirkung ist jedoch unbestreitbar. Wer also noch in der Lage ist, sich von der Tafel zu erheben, der kredenzt sich und seinen Gästen einen der FÜNF! folgenden Zerhacker für die Festtage.
1) Vodka
Der Getreidebrand ist wahrlich kein Liebling der Barcommunity. Zu wenig Aroma, kein Profil, keine Ecken und Kanten. In so manchem Drink geht er einfach nur unter. Am festlichen Tisch kann er dagegen groß auftrumpfen: Eiskalt und ölig muss er sein. Kaum ein schöneres Gefühl kann man sich vorstellen, als die seidige Spur, die tiefgefrorener Vodka auf seinem Weg hinterlässt.
Am besten sollte auf einen der kraftvollen polnischen Vodkas zurück gegriffen werden, die häufig einen hohen Roggenanteil aufweisen, wodurch dann doch eine schöne getreidig-herbe Würze entsteht. Sollte sich der Magen also wirklich überfordert zeigen –  Vodka zahlt nicht nur die Rechnungen, sondern er bringt auch den Bauch wieder ins Gleichgewicht.
2) Fassgereifter Grappa
Für alle, die sich in italienische Gefilde vorwagen und dabei trotzdem knochentrocken das Essen abschließen möchten, bietet sich eigentlich nichts besser an, als ein schöner, im Eichenfass gereifter Grappa. Vor allem die Brände aus Nebbiolo- und Brunello-Trester versprechen eine intensiv-fruchtige, manchmal an Konfitüre erinnernde aromatische Dichte, die durch kraftvolle Holztöne aus dem Fass wunderbar abgefedert wird.
Die cremige Textur hilft darüberhinaus, den Gaumen wieder ein wenig frei zu machen für den Rest des Abend. Natürlich ginge auch jederzeit ein ungelagerter Grappa. Aber den gibt es ja immer!
3) Aquavit
Ein klein wenig scheint sich das vor allem bei unseren Dänischen Nachbarn als Kulturgut betrachtete, würzige Wässerchen gerade nach vorne zu drängeln. Natürlich besonders beliebt bei Bartendern zwischen Aalborg und Kopenhagen, begegnet einem Aquavit auch in GSA-Land vereinzelt als Cocktailbasis. Das verwundert nicht, bietet er doch mit Gewürzen wie Kümmel, Dill, Koriander, Lorbeer und vielem mehr einen bunten Strauß an duftender Kraft mit.
Als Zerhacker jedenfalls spielt der aromatisierte Getreidebrand in jedem Fall eine selbstbewusste erste Geige. Je nach Abfüllung mal blumig, pikant oder eher mit kraftvollen herbalen Noten – ein schöner, tiefkalter Aquavit hilft immer, den Magen mit der ganzen Mayonnaise aus dem Kartoffelsalat zu versöhnen.
4) Zwack Unicum
Bei Kräuterbitters und -Likören scheiden sich die Geister. Jeder hat seinen persönlichen Favoriten im weiten Kosmos der meist dunkelbraunen Heilsbringer, die in vielen Fällen ursprünglich tatsächlich als Medizin konzipiert waren. Wofür man sich nun auch entscheidet, die Wohltat ist stets gewiss. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen “Absackern“ bewirken die Kräuterauszüge vieler Bitters tatsächlich einen angenehmeren, beschleunigten Verdauungsvorgang.
Da die Entscheidung für einen Kräuter also, siehe oben, immer subjektiv bleibt, gibt es an dieser Stelle eben den Favoriten des Autors: Zwack Unicum muss es sein. Schon bei Kaisern und Königen beliebt, bietet der Bitter aus der bauchig-runden Flasche nicht nur dem Magen eine Entspannung. Er rührt auch die Sensorik einmal komplett durch. Und das muss nach Unmengen Bratensauce manchmal sein.
5) Cognac
Wer es bewusst klassisch halten und vielleicht auch noch die Schwiegereltern beeindrucken möchte, der holt seinen besten Cognac aus dem Schrank. Obwohl der ja, so rein theoretisch, nicht wirklich als Zerhacker durchgeht. Dafür stimmen das Glas und die Dauer des Trinkvorgangs einfach nicht mit dem Prinzip eines “Verdauerli” überein, wie man in der Schweiz sagt.
Dafür hat der Cognag andere Vorzüge, denn er ist einfach ein perfekter Gentleman. Wenn der Digestif also mondän und gleichzeitig wärmend sein soll, kann kaum ein Weg am Cognac vorbeiführen. Man muss es ja nicht gleich mit Zigarren und Kaminfeuer übertreiben. Aber andererseits: wann, wenn nicht an Weihnachten?
 

Credits

Foto: Gans via Shutterstock. Post Production: Tim Klöcker

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