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FÜNF! betrunkene Filme

Alkohol und Hollywood gehören zusammen wie Zucker und Zitronensaft. Doch wenn man ehrlich ist, sind saufende Filmfiguren auch die besten.  Als kleine Hommage an die trinkenden Mimen widmen wir diesen Sonntag FÜNF! Filmen, in denen der Schnaps eine wichtige Rolle spielt.


Die allmählich kürzer und kühler werdenden Tage könne aufs Beste versüßt werden mit einem guten Film am Abend. Natürlich bleibt eine solche Auswahl immer willkürlich. In der Redaktion jedenfalls lassen wir uns einen guten Drink jedenfalls von einem der folgenden Werke begleiten. Cheers!

1) Die Unbestechlichen/The Untouchables (Brian De Palma, 1987)

Wer mit den Drinks der Prohibitionszeit gleich dieses gesamte Kapitel der US-amerikanischen Geschichte als wunderbar verklärt, sollte sich diesen episch erzählten Großstadtwestern ansehen. Er zeigt die andere Seite des 14 Jahre andauernden „noblen Experiments“, das den Alkohol aus dem Leben der Amerikaner verbanne sollte, es aber nie tat.

Dass die Geschichte auf der realen Figur Elliot Ness, einem Polizisten aus Chicago, basiert, ist im Grunde genommen völlig gleichgültig. Viel wichtiger ist die Analyse über Vertrauen, Betrug, Gewalt und Freundschaft zwischen all den illegalen Whiskeyfässern. Szenenapplaus: als Sean Connery und Kevin Costner im Film das erst mal aufeinandertreffen kommt es zu dem wunderbaren Dialog: „Don’t you have more important things to do?“ — „Yeah, I have. But I’m not doing them right now…“ Ein Film wie ein Old Fashioned!

2) Casablanca (Michael Curtiz, 1942)

Die größte Zitatmaschine der Filmgeschichte. Vielleicht die größte unerfüllte Liebesgeschichte der Filmgeschichte. Einer der kleinsten Männer seiner Zeit, aber einer der größten Schauspieler in der Rolle, die ihn zu Recht unsterblich machte: Humphrey Bogart als Rick Blaine, melancholisch-ruppiger Gentleman und Barbetreiber. Für nicht wenige ist Casablanca bis heute der großartigste Film aller Zeiten.

Da hat der arme Rick seine große Liebe Ilsa Lund endlich vergessen, sich erfolgreich eine Existenz in der marokkanischem Flüchtlingsstadt aufgebaut und sogar mit dem Saufen aufgehört — da holt ihn der ganze Mist wieder ein. Rick säuft wieder, dass der stärkste Mann weich werden könnte, trickst dabei mit den Nazis herum und verhilft seiner Liebsten zur erneuten Trennung von ihm. Ein Film über Größe, Abgebrühtheit und Menschlichkeit, allzuviel Menschlichkeit gar. Szenenapplaus: Wenn der vormals auf Nazi-Seite stehende Captain Renault am Flughafen die leere Flasche mit Vichy-Wasser als Zeichen seines Sinneswandels in den Müll wirft. Es folgt nur noch der Satz: „Ich glaube, das könnte der Beginn eines wunderbaren Freundschaft sein.“ Da muss, wie auch in Rick’s Café, der beste Champagner aufgemacht werden.

3) Sideways (Alexander Payne, 2004)

Alexander Payne ist nicht nur einer gefragtesten heutigen Drehbuchautoren, als Regisseur gehört er außerdem zu den größten Meistern skurriler, hintergründiger Komik. In „Sideways“ treibt er diese Gabe auf die Spitze. Ein Film, der das Thema „Liebe“ so zynisch und liebevoll zugleich behandelt wie nur wenige. Und vielleicht der beste Film über Wein. Trinken Sie dazu unbedingt Wein, viel Wein. Auch, wenn sie gerade keinen 1961er Cheval Blanc im Haus haben.

Der depressive, gescheiterte Schriftsteller und Wein-Nerd Miles unternimmt mit seinem alten College-Freund Jack, einem abgehalfterten Serienschauspieler und Playboy, eine Reise in die kalifornischen Weinberge um Santa Barbara County. Eigentlich soll die Tour ein stilvoller Junggesellenabschied für Jack sein, doch natürlich kommt alles anders. Ein Film wie ein Menü, bei dem die Weine irgendwie alle nicht zum Essen passen und sich der gesamte Abend aber am Ende doch richtig anfühlt. Szenenapplaus: Wenn Miles sich auf dem Gipfel seiner Frustration im Verkostungssaal des Industriewinzers den Spucknapf über den Kopf schüttet. Überhaupt: der herrliche Paul Giamatti als Miles in der Rolle seines Lebens!

4) Leaving Las Vegas (Mike Figgis, 1995)

Nicholas Cage auf dem Gipfel seiner Kunst. „Leaving Las Vegas“ gehört zu jenen Filmen, die man sich wahrscheinlich nur einmal ansieht. Zu groß sind am Ende die Beklemmung, Trauer, Wut und das Unverständnis darüber, dass die so zarte Geschichte von Ben und Sera wirklich kein gutes Ende nimmt.

Um die Rolle richtig spielen zu können, betrank sich Cage und ließ sich filmen, um anhand der Aufnahmen lernen zu können, wie im Suff spricht und sich bewegt. „Leaving Las Vegas“ ist ein Film, der auf den ersten Blick so dynamisch ist wie ein Ziegelstein, so allgegenwärtig ist das stete Trinken, die Lähmung der Hauptfigur. Aber darunter entwickelt sich eine intime Zwischenmenschlichkeit zwischen dem Trinker und der Prostituierten, die in ihrer Subtilität vielleicht einzigartig im modernen Kino ist. Und als sei das nicht genug, schimmert immer wieder eine boshafte Komik durch. Szenenapplaus: Der autofahrende Ben nimmt die Vodkaflasche in genau dem Moment herunter, als der Motorrad-Cop sein Seitenfenster erreicht. Die sich anschließenden Sekunden, in denen sich die beiden Männer misstrauisch mustern, sind spannender als so mancher komplette Film mit Vin Diesel oder Jason Statham.

5) The Big Lebowski (Joel & Ethan Coen, 1998)

Manchmal, ja manchmal da braucht es einfach den richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In Los Angeles. Und so einer war der Dude.“ Die Ankündigung des namenlosen, von Sean Elliott göttlich verkörperten Cowboys am Anfang sagt im Prinzip schon alles. „The Big Lebowski“ ist einer dieser grandiosen Filme, die an der Kinokasse zwar so gut wie keine Rolle gespielt haben, in der Folge aber dennoch millionenfach kultische Verehrung erfahren haben.

Man mag auch darüber streiten, ob das, was sich der von Jeff Bridges zelebrierte „Dude“ da ständig hellbraun ins Glas mischt, wirklich ein White Russian ist. Viel wichtiger ist aber, dass das Gebräu aus Vodka, Kahlúa und Half & Half plötzlich schmeckt, wenn man dabei den Film ansieht. In jedem Fall bleibt er ein Meisterwerk des abgedrehten Humors, ein Denkmal dessen, was sich zwei der kreativsten Filmemacher unserer Zeit ausdenken können, wenn man sie lässt. Szenenapplaus: man mag sich eigentlich nicht wirklich festlegen. Oder doch, natürlich: „Der Teppich hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht!“. Ein Film für Sonntage im Bademantel.

Credits

Foto: Aus: The Big Lebowski via IMDB

Comments (2)

  • schlimmerdurst

    Sehr nette Artikelidee! Ich finde es auch spannend, in Filmen und Fernsehserien nach Schnapsreferenzen zu suchen. In amerikanischen Fernsehserien wird ja viel Bourbon und Scotch getrunken – meist aber aus anonymisierten Karaffen. In „Suits“ wird immer wieder Johnny Walker Blue Label erwähnt; in „John Wick“ trinkt (oder eher säuft) Keanu Reeves Blanton’s, Sylvester Stallone mag dagegen lieber Bulleit Bourbon in „Shootout“.

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  • Samuel Adams

    Um die Anfänge der Microbrew-/Craftbier-Revolution mitzuerleben lohnt sich auch ein Blick in die Getränkekarte des Brick in Ausgerechnet Alaska (Northern Exposure). Gedreht übrigens in dem Ort Roslyn in Washington, was nahe der Cascade Range etwa auf halbem Weg zwischen Seattle und dem Hopfengebiet von Yakima liegt (wo nahebei außerdem auch die Außenaufnahmen von Twin Peaks entstanden, aber die nahmen da ja eher andere Drogen).

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