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Gary "Gaz" Reagan. Ein persönlicher Nachruf

In memoriam Gary „Gaz“ Regan

Mit Gary „Gaz“ Regan ist einer der Gründerväter des neuen, goldenen Cocktailzeitalters von uns gegangen. MIXOLOGY-Herausgeber Helmut Adam mit einem persönlichen Nachruf

Es war im Jahr 2005 oder 2006. Soweit ich mich erinnere, hatten Andre Masso und Henry Besant, zwei der damals bekanntesten britischen Bartender und glühende Fans seines Werkes „The Joy of Mixology“, uns Gary Regan vorgestellt. Oder man kannte sich aus dem damals noch aktiven, legendären Drinkboy-Forum. Wir organisierten zur damals bekannten, erstmaligen schriftlichen Erwähnung des Wortes die Aktion „200 Jahre Cocktail“ – mit Bars, in denen klassische Cocktails serviert werden sollten.

Ein Old Fashioned war damals noch ein Fremdwort. Von einem Sazerac ganz zu schweigen. Wer eine Flasche Peychaud’s Bitters sein Eigen nennen konnte, gehörte zu einem kleinen Kreis Eingeweihter, die überhaupt von der Existenz dieses Produktes wussten. Und man hatte es sich auf verschlungenen Wegen aus den USA mitbringen lassen.

Um mit den Bars in Deutschland, Österreich und der Schweiz Sazeracs anbieten zu können, mussten wir also irgendwie an den Hersteller, die Sazerac Company, rankommen. Der heutige Industriezirkus, bei dem man sich alle paar Wochen auf einer großen Messe in einem anderen Land trifft, wo ein Kontakt eine LinkedIn- oder Instagram-Nachricht entfernt ist, steckte noch in seinen Kinderschuhen.

Dem Bartending mit exzentrischer Leidenschaft verbunden

Gary half uns nur zu gern und stellte uns dem Unternehmen, das auch seinen Orange Bitters produzierte, vor. Und prompt gelangte die erste größere Lieferung exotischer Bitters ins Land. In MIXOLOGY wiederum druckten wir in der Folge seine für den San Francisco Chronicle produzierte „Cocktailian“-Kolumne in deutscher Übersetzung ab. Uns gefiel diese Wortschöpfung so gut, dass wir sie, mit seinem Einverständnis, für unsere Buchreihe verwendeten, zu der er ein Vorwort beisteuerte.

Gary Regan war ein Beschleuniger, ein dem Bartending mit exzentrischer Leidenschaft verbundener Tausendsassa.

Während sich der Lebensweg und damit auch der Blick von Gary Regan lange Zeit westwärts gerichtet hatte, wandte er sich mit der Globalisierung der Barszene zunehmend wieder ostwärts. Seine enge Freundschaft mit dem aus Bratislava stammenden, bekannten Barmann Stanislav Vadrna ist Zeugnis dieser Entwicklung. Und auch seine Besuche und Auftritte bei uns in Deutschland ließen aus einem fachlichen Austausch, der einer gemeinsamen Leidenschaft entstammte, eine kulturelle Umarmung werden.

Gaz Regan & these bloody Germans

Gary „Gaz“ Regan stammte aus einer englischen Generation, wo die Erwähnung von Deutschland häufig Weltkriegswitze und andere Stereotype triggerte. Er selbst erzählte uns einige Anekdoten diesbezüglich aus seiner Bartender-Zeit. Als innerlich ewig Junggebliebener sog er begierig die Eindrücke in dem ihm bis dahin unbekannten Berlin auf, als wir ihn zum Bar Convent Berlin einluden.

„These bloody Germans“, komplimentierte er amüsiert eine gewitzte Warnung im Berliner Michelberger Hotel, das Rauchen in den Zimmern zu unterlassen, wenn man nicht die Begegnung mit einem „big, angry German firefighter“ machen wolle.

Als bekennenden Fan von Jägermeister, lange bevor dies modisch wurde, führte ihn einer dieser Trips konsequenterweise auch in die deutsche Provinz nach Wolfenbüttel. Unvergessen ist mir ein gemeinsamer Auftritt auf dem Bar Convent, damals noch im Ostbahnhof, wo er von einem seiner Mentoren schwärmte und alle Anwesenden mit seiner Warmherzigkeit berührte.

Mit Gary „Gaz“ Regan ist ein Großer gestorben

Gary Regan blieb sich, bei aller notwendigen Selbstvermarktung, immer treu. Und als die fachlich-technische Bar-Revolution vollbracht war, richtete er seinen Fokus noch stärker auf das Menschliche. Auch – und wahrscheinlich ganz besonders – daraus resultiert seine Vorbildfunktion für jüngere Bartender. Denn je mehr sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, desto stärker fand und betonte er das Positive in der Welt und ermunterte die Barszene, Gleiches zu suchen.

Mit Regan ist ein Großer von uns gegangen. Einer der wahren Gründerväter des neuen, goldenen Cocktailzeitalters. Vor allem, weil er nicht nur über den Cocktail an sich gesprochen hat. Erheben wir unser Glas auf ihn und tragen wir seine Botschaft weiter! Gerne mit einem fingergerührten Negroni.

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