„Mary Pickford“ Cocktail – Von der Annäherung an einen Drink.

Geschichte 18.9.2012

Es soll um Rum gehen diese Woche. Nicht den alten gereiften, schweren Rum, sondern leichte, junge Sorten. Die mit Ihrer Frische den Geschmack frischer Früchte betonen, und eine leichte Süße vertragen können.

Der Mary Pickford Cocktail taucht immer mal wieder auf, wenn sich die Gedanken um einen neuen Drink drehen. Aus unerfindlichen Gründen schafft er es aber nur selten auf eine Karte.

Wer dem Drink seinen Namen gab, ist zweifelsfrei geklärt. Gladis Louise Smith, wie Mary Pickford mit bürgerlichem Namen hieß, war eine der ersten großen Stars des Stummfilms, und vor allem die erste Frau, die sich auch hinter der Kamera in Szene setzte. Unter anderem war sie Mitbegründerin der Produktionsfirma „United Artists“. Und so darf man davon ausgehen, dass während einer Filmproduktion auf Cuba, ihr zu Ehren dieser Drink erfunden wurde.

In vielen Quellen wird er den Prohibitonsdrinks zugeordnet, was zeitlich auch stimmt, aber da der Drink aus Cuba, dem damaligen Naherholungsziel für den wohlhabenden amerikanischen Trinker stammt, war Prohibition kein Problem.

Was aber auffällt, ist, dass in recht kurzer Zeit schon mehrere Quellen unterschiedliche Rezepturen für den Drink ausgeben.

Die erste Erwähnung dürfte 1928 im Buch „When it‘s Cocktail Time in Cuba“ von Basil Woon sein. Hier wird sie Bartender Fred Kaufmann zugeschrieben, der zwei Drittel Ananassaft mit einem Drittel Bacardi und einem Dash Grenadine vermischt. Neben Kaufmann fallen aber auch die Namen Eddie Woelke und Constante Ribailagua, sodass ich auf eine exakte Herkunftsangabe verzichte.

Zwei Jahre später empfiehlt das „Savoy Cocktail Book“, Bacardi und Ananassaft zu gleichen Teilen mit einen Teelöffel Grenadine und 6 Tropfen Maraschino im Shaker auf Eis zu mixen. Ein größerer Anteil Rum und die komplexen Fruchtnoten des Maraschino geben dem ganzen Drink eine feinere Balance, allerdings dominieren Süße und Ananas noch deutlich.

Aber auf Tiki-Ikone Trader Vic ist Verlass. Neben dem eben genannten Rezept empfiehlt er, den Anteil Rum anzuheben, und dafür etwas weniger Ananas zu verwenden. Und er hat recht. Der Rum bekommt mehr Dominanz und ist keine Nebenerscheinung mehr im Ananassaft. Wer jetzt noch lieber eine saure Note möchte, nimmt etwas mehr Maraschino als Grenadine, und erhält einen perfekt balancierten Drink, dessen Ursprünge in die Prohibition zurückreichen, und der gleichzeitig, als ein Prä-Tiki Drink gesehen werden kann.

Dem „American Sweetheart“ Mary Pickford hätte der Drink bestimmt geschmeckt. Und „in der aktuellen Variation ist er eine tolle Abwechslung, nicht nur für weibliche Gäste.“ so der Rumexperte Emanuele Ingusci aus dem Münchner Barroom.

 

Mary Pickford Cocktail (Cuba 1920er Jahre, adaptiert aus dem Cocktailian)

6 cl weißer Rum (Bacardi 44,5 % Vol.)

4 cl frischer Ananassaft

2 BL Maraschino (Luxardo)

2 Dashes Grenadine

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eiswürfeln im Shaker kräftig schütteln und in vorgekühltes Gästeglas abseihen.

 

Und wie es so ist, wenn man in verschiedenen Büchern nach Variationen sucht, findet man auch eine, die überhaupt nicht in das Schema passen will. Im 1934 erschienen Buch „Pioneers of Mixing at Elite Bars“ findet sich ein Rezept, das nach einem 2/3 Jigger Portwein und jeweils 3 Dashes Grenadine und Zitronensaft verlangt. Zusammen auf Eis geschüttelt ergibt sich ein großartiger Feierabenddrink, der auch zu Mary Pickford gepasst hätte. Aber hier sollte es ja heute um den Rum gehen.

 

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Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Havana-Cuba © Andre Schütt

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