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Deutsche Barkeeper Union

DBU bekommt Konkurrenz durch neue “Gilde der Deutschen Barkeeper e.V.”

Der neue Verein “Gilde der Deutschen Barkeeper” mit Sitz in Rostock versucht, ein Gegengewicht zur DBU zu etablieren. Seine Gründer setzen auf eine Wiederannäherung an die International Bartenders Association. MIXOLOGY ONLINE mit einer ersten Analyse.

Unter der Ägide mehrerer bekannter deutscher Barmänner wurde Ende Januar der Verein “Gilde der Deutschen Barkeeper e.V.” gegründet, der seinen Sitz an der Barschule Rostock haben wird, wie eine im März 2019 versandte offizielle Pressemitteilung verlauten lässt.

Da verwundert es nicht, dass – neben dem Präsidenten Marcus Siebert und dem Vizepräsidenten Adriano Paulus aus München – mit Inhaber Uwe Voigt und dessen Mitarbeiter Gregor Kroll gleich die beiden Hauptfiguren der Barschule unter den Gründungsmitgliedern sind.

Was Außenstehende überrascht, ist allerdings die Tatsache, dass viele der Gründungsmitglieder bisher innerhalb der deutschsprachigen Szene allesamt stark mit der Deutschen Barkeeper Union (DBU) in Verbindung gebracht werden konnten. Einige wie Gilden-Vizepräsident Adriano Paulus gehörten als Sektionsvorsitzende sogar zur Führungsebene.

Ein Insider, der nicht namentlich genannt werden will, bezeichnet die Gründerväter der Gilde um den ehemaligen Vorsitzenden Stöhr und Barschulen-Betreiber Uwe Voigt allesamt “als dem konservativen Flügel” zugehörig. Ist einem Teil der DBU-Mitglieder der Reformkurs, der seit kurzer Zeit die DBU erfasst hat, zu rasant verlaufen?

Richtig konkret wird Gilden-Vizepräsident Adriano Paulus im Gespräch mit MIXOLOGY nicht, als er nach dem Grund für die Gründung des neuen Vereins gefragt wird. Er sei dankbar für seine Zeit in der DBU, die ihm “persönlich sehr viel gebracht” habe, sagt Paulus und spricht dann von gesellschaftlichen Umbrüchen und dem Reiz, “etwas Neues” zu versuchen. Im Januar diesen Jahres habe er seinen Austritt aus der Union verkündet: “Ich habe mich in den Strukturen der DBU nicht mehr gesehen. Die DBU verfolgt andere Ziele.”

Was genau sind nun die Ziele der Gilde?

Liest man die Pressemitteilung genauer, scheint ein Anlass für die Gründung des neuen Vereins, der sich direkt vollmundig als “Berufsverband” bezeichnet, der im letzten Jahr erfolgte Austritt der DBU aus der International Bartenders Association (IBA) zu sein. Die neue Gilde oder German Bartenders Guild, wie sie sich ebenfalls nennt, hat nach eigenen Angaben nämlich bereits den Antrag auf Aufnahme in die IBA beantragt.

Der Streitfall International Bartenders Association

Die Befürworter des damaligen Austritts, der von allen 12 DBU-Sektionen gebilligt und gegen den auch der sogenannten Ältestenrat des Vereins kein Veto eingelegt hatte, argumentierten mit einer Öffnung der DBU hin zu mehr Modernität und wollten im Zuge dessen nicht mehr an die oft reaktionären Inhalte und Richtlinien der IBA gebunden sein.

Für konservativere Mitglieder, darunter auch eine kleine Gruppe Flairbartender, schien der Untergang des deutschen Bar-Abendlandes seinerzeit vor allem in der Tatsache zu liegen, dass man durch den Austritt aus dem Weltverband nun keine Kandidaten mehr zur, von der IBA ausgerichteten, sogenannten Cocktail-Weltmeisterschaft entsenden kann.

Der Austritt aus der IBA geschah interessanterweise zu einem Zeitpunkt, an dem Gilden-Vizepräsident Paulus noch bayrischer Sektionsvorsitzender der Deutschen Barkeeper Union war. Angesprochen auf das Votum des bayerischen Delegierten für den IBA-Austritt gibt sich Gilden-Vizepräsident Adriano Paulus zugeknöpft: “Ich persönlich möchte dazu keine Stellung nehmen.”

Klar ist, dass die Gilde nun wieder den Schulterschluss deutscher Bartender mit dem umstrittenen globalen Dachverband sucht: “Neben dem nationalen Einzugsbereich des Verbandes ist das Wirken auf internationaler Ebene Teil der Ziele des Verbandes.”

Angesprochen auf den von der Gilde der Deutschen Barkeeper postulierten Anschluss an die internationale Dachorganisation, antwortet Mohammad Nazzal, Vorsitzender der NRW-Sektion und Pressesprecher der DBU, nur knapp: “Die IBA ist ein luftleerer Raum.” Bis auf das Durchführen einer Weltmeisterschaft nach antiquierten Regeln leiste die IBA keinerlei Repräsentation für den Berufstand.

Man sei ausgetreten, um sich den eigentlichen Zielen eines Berufsverbands zu widmen: Lobbyismus für die Sache des Bartenders. Auf Seiten der Gilde schätzt man das Wirken des Dachverbandes anders ein. “Wenn es Probleme gibt, muss man an Lösungen arbeiten.” so Adriano Paulus. “Wir wollen zu Änderungen bei der IBA beitragen. So unbeweglich, wie sie dargestellt wird, ist die IBA nicht.”

Der letztjährige Austritt der DBU bedeutet für Mohammad Nazzal allerdings mitnichten, dass man keine Anbindung an Barszenen in anderen Ländern habe: “Wir pflegen unsere internationalen Kontakte und planen da auch einige Leuchtturmprojekte.”

DBU und Gilde der Deutschen Barkeeper: Alle wollen Weiterbildung

Da der neue Kurs der DBU vor allem auf eine Abkehr vom reinen Fokus auf Verbandsmeisterschaften und dafür auf das Vermitteln von Inhalten setzt, überrascht die Äußerung der Gilde-Gründer, sich ebenfalls  primär für diese Ziele einzusetzen: “Aus-, Fort- und Weiterbildung sind die zentralen Themen des Verbandes, weshalb als Vereinssitz die Barschule in Rostock gewählt wurde.”

Angesprochen auf die Dominanz der privaten Schule im neuen Verein, sagt Adriano Paulus, dass man “natürlich auch mit anderen Barschulen und der IHK arbeiten” wolle. Weiter erwähnt er die geplante Zusammenarbeit der Gilde mit einer Bank und Partnern die jungen Bartendern Vorsorge anbieten könnten und spricht den Personalmangel in der Gastronomie an.

Betrachtet man die Entwicklung der DBU, die ihre Cocktailmeisterschaft kürzlich um ein Symposium mit Referenten ergänzt hat und laut Nazzal ein Portal vorbereitet, auf dem die Mitglieder Expertenvorträge abrufen können, so sind derzeit auch in diesem Punkt nicht wirklich große Unterschiede in den Zielen der beiden Vereine auszumachen.

Beiden wollen internationale Anbindung. Beide möchten Aus- und Weiterbildung leisten und fördern.

Das lässt für den Außenstehenden nur den Schluss zu, dass vor allem auch persönliche Befindlichkeiten bei dieser “Abtrennung” von der DBU eine Rolle gespielt haben. Denn der Plan der derzeit dominierenden Reformer in der DBU beinhaltet auch, die Entscheidungsstrukturen zu straffen. Den “Abbau des Wasserkopfes” nennt es unser Insider. Zu viele Führungspersonen hätten zu lange zu viel Entscheidungsmacht gehabt, was den Fortschritt gelähmt habe.

Mehr Auswahl für mehr Bartender?

Mohammad Nazzal, der als Berater der Service GmbH der Barkeeper Union als Verkörperung des Reformkurses der DBU gilt, sieht die neue Konkurrenz gelassen. “Auf der persönlichen Ebene finde ich es schade. Aber wenn das andere mehr anspricht, findet er oder sie vielleicht dort seine Plattform. Ich sehe das nicht als Kannibalisierung.” so Nazzal. “Ich wünsche den Gründungsmitgliedern Erfolg damit. Es wird sich über die Jahre zeigen, was sich durchsetzt und was sich hält.”

Auch Paulus, der darauf hinweist, dass man sich “als Verband erst Mal beweisen müsse” sieht es als Gewinn, dass es nun mehr Auswahl gebe. Doppelmitgliedschaften seien selbstverständlich möglich, sagt er auf Nachfrage.

Von Seiten der neuen Gilde wird reges Interesse am Verein gemeldet. Man habe bereits rund 50 Mitglieder. Ob die neue Vereinigung jenseits unzufriedener DBU-Mitglieder in der Branche Fuß fassen kann? Eintritte prominenter, unabhängiger Bartender wie Little-Link-Impresario Stephan Hinz, die sich vom Reformweg des Platzhirsches angesprochen fühlen, lassen das stärkere Momentum derzeit noch eher auf Seiten der nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder starken DBU vermuten.

 

Autoren: Nils Wrage & Helmut Adam

Credits

Foto: DBU e.v.

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