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Gin Basil Smash Geschichte

Gin Basil Smash: Wer hat den Geniestreich erfunden?

Der Gin Basil Smash Cocktail ist ein Erfolgsgeschichte. Von Hamburg aus hat diese leuchtend-grüne Mischung innerhalb von wenigen Jahren die Welt erobert. Vorhang auf für einen Neo-Klassiker!

Jedes Jahr wird am 10. Juli der GBS-Tag zelebriert. Die Abkürzung steht für Gin Basil Smash. Dieser Cocktail ist eine Eigenkreation, die es wirklich auf der ganzen Welt in die Barkarten geschafft hat. Ein modernen Klassiker, der unkompliziert ist, aber dadurch nicht an Komplexität einbüßt.

Oft ist das Naheliegende fern, man muss eben darauf kommen. Doch wer hat ihn zuerst erfunden? Ein Hintergrundbericht über die wahre Geschichte des Gin Basil Smash mit der erneuten Gewissheit, dass die Provinz gustatorisch eine Metropole sein kann.

»Mit Gin und Basilikum zum Erfolg. Der Gin Basil Smash avancierte schnell zum Publikumsliebling. «

Die Geburt des Gin Basil Smash

„Ich hab das doch alles nicht gewollt“, sagt Joerg Meyer schelmisch. Vor über zehn Jahren, am 10. Juli 2008 erblickte der Cocktail auf dem Bitters Blog das Licht der Welt und hat seither die Bars global erobert. der Gin Basil Smash von Joerg Meyer, Inhaber der Bar Le Lion und des Boilerman in Hamburg.

Inzwischen sind Myriaden von Artikeln darüber erschienen und jeder Bartender kennt diesen Drink dank der weltumspannenden sozialen Medien, auf deren Klaviatur Herr Meyer meisterhaft zu spielen weiß. Aber wie ist er wirklich entstanden, was ist das wahre Rezept, wie wird er optimal zubereitet? Dieser und anderen Fragen ist MIXOLOGY nachgegangen. Und vor allem: wurde er wirklich in Hamburg erfunden?

Von Hamburg nach Ulm

„Seit seinem Dasein habe ich bewusst kaum hundert davon getrunken und in einer anderen Bar bestelle ich ihn auch nicht, das würde ja wie ein Test wirken und wäre mir peinlich“, sagt Jörg Meyer. Dann erzählt er, wie es zum Gin Basil Smash kam. Wie so oft stand der Zufall Pate.

„Ich war in New York und habe mich durch literweise Whisky Smashes getrunken. Wieder zurück, wollte ich einen Gin Smash herstellen, wir waren noch auf der Suche nach einem eigenen Profil und haben einiges ausprobiert. Da bekam ich einen Anruf (des bekannten Barmanns) John Gakuru, der sich zu einem Workshop im Le Lion, das gerade einmal sechs Monate aufhatte, angesagt hat.“

Im Verlauf der Veranstaltung fiel Meyer auch ein Rezeptbüchlein in die Hände. Nichts besonderes, allerdings sprang ihm eine Kreation ins Auge, die mit Basilikum als Garnitur arbeitete. Zunächst konnte er damit nichts anfangen, aber „am nächsten Abend habe ich mich daran erinnert“, sagt er.

Aber statt mit dem Basilikum als Beiwerk zu arbeiten, kommt er irgendwie auf die Idee ihn mit einer Zitronenhälfte zu muddeln (mit dem Stößel im Shaker oder Rührglas mit kreisenden und pressenden Bewegungen zerkleinern und auspressen). Gin, geliebt für seine vielen Botanicals, das müsste doch funktionieren, denkt er sich.

Szenenwechsel: Ulm, Anfang 2008. Hariolf Sproll eröffnete gerade mit seinem Partner Maurizio Reccia die Bar Blaupause. Nachdem er Sozialarbeit und Digitale Medien studiert und in der Systemgastronomie Erfahrungen mit Logistik, Lagerhaltung und Einkauf gesammelt hat, die erste eigene Bar. Und auch er ist auf der Suche nach dem Besonderen, einem eigenen Profil. Auch hier experimentiert man auf der Grundlage von Whisky Smashes.

„Na ja, so abartig war der Gedanke nicht, die Minze einfach mal durch Basilikum zu ersetzen, und Gin lag auch im Bereich der Vorstellung als passende Spirituose dazu“, sagt Sproll trocken. Unser damaliger Autor Steffen Hubert hat in seinen „Notizen aus der Provinz“ auf MIXOLOGY in einem Nebensatz vor einiger Zeit bereits darauf hingewiesen und es entspricht den Tatsachen. Es hatten zwei suchende Bartender fast zeitgleich den identischen Gedanken. Muss die Geschichte des Gin Basil Smash neu geschrieben werden?

 Highballs und Patent auf die Rezeptur

„Dass es einen Gin Basil Smash von Joerg Meyer gibt, fast zeitgleich mit unserem Basil Smash entwickelt, habe ich erst mit deutlicher Verzögerung mitgekommen, als der Drink in den sozialen Kanälen explodierte. Wir haben damals noch fast nichts mit viralem Marketing gemacht“, erzählt Hariolf Sproll in seiner introvertiert-bescheidenen Diktion.

Aber es gibt noch weitere interessante Parallelen. Im März 2012 zieht Sproll mit einem anderen Barkonzept in eine Wohngegend ohne Laufkundschaft. Sie heißt Rosebottel und es gibt flaschengelagerte Cocktails, Longdrinks, selbstgemachte Limonade, Cola und: Highballs. Inzwischen haben die Macher auch eine Tonic-Essenz entwickelt, die man sich zu Hause mit Soda selbst aufmischen kann und die dann für etwa 12 Gin & Tonics reicht.

Meyer realisiert im Herbst 2012 ebenfalls eine neue Bar etwas außerhalb der Innenstadt und nennt sie Boilerman, „eine Nachbarschaftsbar“. Bier, Highballs und den Gin Basil Highball, der mit Soda aufgegossen wird bestimmen das Programm. Des Weiteren schenkt er mit großem Erfolg die Basilikumlimonade aus. All diese Kompositionen sind oft kopiert und weit verbreitet.

„Vor allem in Russland, Griechenland und Asien habe ich den Gin Basil Smash oft gesehen“, freut sich Meyer. Amüsiert ist er bisweilen, wenn sich andere die Urheberschaft ans Revers heften. Dennoch hat er auf anraten von Freunden einmal einen Versuch unternommen, sich die Rezepte schützen zu lassen „bevor jemand auf die Idee kommt, den Gin Basil Smash oder die Limonade in Dosen abzufüllen“, so Meyer.

Der Patentanwalt riet ab. Das hätte man gleich zu Anfang machen müssen, inzwischen seien die Drinks Allgemeingut und somit nicht mehr schützbar.

Nervende Cashcow

Meyer erzählt freimütig, dass in guten Monaten in der Bar Le Lion bis zu 1.400 Gin Basil Smashs hergestellt werden und der Boilerman bis zu 40 Prozent seines Umsatzes mit dem Gin Basil Highball erwirtschaftet. Es ehrt ihn auch, dass Abwandlungen des Gin Basil Smashs den Geschmack treffen.

„Einmal war ich in Stockholm im Hotel Nobis und bekam zwei Flaschen Champagner aufs Zimmer geliefert. Dann hat man mir gesagt, dass die Bar des Hauses den Smash nicht mit Gin sondern Vodka zubereitet und zum Basilikum noch Erdbeeren muddelt. Das Ganze haben sie innerhalb kurzer Zeit 30.000 mal verkauft, für schlappe 22 Euro“, staunt selbst Meyer.

Die Erdbeeren zeigen einen weiteren Aspekt, der den heutigen Status des Gin Basil Smash ausdrückt: der Drink ist mittlerweile selbst schon soweit verbreitet, dass er zum Klassiker avanciert ist, der durch Bartender „getwistet“ wird.

So finden sich heute bereits landauf, landab Abwandlungen, die der Grundrezeptur weitere Gewürze wie Pfeffer, Zitronengras, Chili oder eben obige Erdbeeren zufügen. Und auch Herr Meyer selbst präsentierte unlängst mit dem Green Rhino Smash eine Variante auf der Basis von weißem Rye Whiskey.

Aber der Erfolg hat auch seine Tücken. Manche seiner Bartender sind schon genervt, ob der nicht nachlassenden Basilikumorgien. Meyer schätzt den Gin Basil Smash vor allem als guten Einsteigerdrink, danach könne man den Gast zu anderen Genüssen manövrieren.

Und Ulm? „Unsere Bartender sind manchmal etwas genervt vom nicht nachlassenden Boom unseres Basil Smashs, er macht noch immer einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes aus“, gibt Hariolf Sproll zu. Nein, die beiden Herren kennen sich nicht, keiner hat dem anderen auf die Finger geschaut. Sie sollten sich vielleicht aber mal begegnen und gemeinsam ihre grüne Komposition schlürfen und bardenken, was dabei wohl herauskäme?

In jedem Fall hat sich Großbartenderschaft, ob aus der Metropole oder der Provinz zum Futur der Barkultur gemuddelt und die Geschichte des Gin Basil Smash Cocktail muss nicht umgeschrieben, aber ergänzt werden. Irgendwie haben sie es beide doch gewollt.

Acht Fakten zum Gin Basil Smash

Der Gin

Der erste Gin Basil Smash entstand mit G’Vine Nouaison, einem französischen Gin mit 43,9 % Vol. und deutlichem Wacholderaroma. Derzeit verwendet die Bar Le Lion Rutte Dry Gin mit 43 % Vol. für den Cocktail. Eine weitere in der Bar angebotene Variante ist der Celery Basil Smash mit Rutte Celery Gin.

Die Bar

Hervorgegangen ist die Bar Le Lion aus dem Speakeasy-Projekt Le Bon Lion. Diese lag versteckt über dem Café de Paris und galt in der jungen, aufstrebenden Barszene Deutschlands als Geheimtipp. Im Herbst 2007 eröffnete Jörg Meyer gegenüber in der Rathausstraße 3 die Bar Le Lion. Während die Bar anfangs ebenfalls mit der Exklusivität einer verborgenen Lokalität spielte, trägt sie heute über der Tür die Werbeschrift „Cradle of the Gin Basil Smash“.

Der Name

In seinem Blog-Post vom 10. Juli 2008 ließ Jörg Meyer offen, ob der Cocktail „Gin Basil Smash“ oder „Gin Pesto“ heißen solle. Da die Cocktailkategorie Smash vielen Bartendern aus Cocktailbüchern bereits ein Begriff war, bürgerte sich schnell die erste Namensvariante ein.

Was ist ein Smash?

Wie der englische Name sagt, werden bei dieser Art von Cocktails eine oder mehrere Zutaten wie etwa Zitrone oder frische Minze zerdrückt. Smashes wurden erstmals Ende des 19. Jahrhunderts schriftlich erwähnt. In seiner heutigen Zubereitungsform ist der Gin Basil Smash eine Fusion aus Smash und Sour. Mit letzterem bezeichnet man die Mischung aus Spirituose, Zucker und Zitrussaft.

Die genaue Rezeptur

In seiner ersten, veröffentlichten Rezeptur gab Jörg Meyer 5 cl Gin als Basis des Cocktails an. Mit dem allgemeinen Trend zu stärkeren, spirituosenbetonteren Cocktails in Bars hat auch der Gin Basil Smash sein „Volumen“ erhöht und kommt jetzt mit 6 cl in den Shaker.

Der Beginn des Gin-Cocktail-Booms

Der Gin Basil Smash steht auch für den Beginn des Gin-Booms in Cocktailbars. In den Nuller-Jahren erlangten einige neue Kreationen von Bartendern regionale oder gar weltweite Popularität. Die meisten wie der Gin Basil Smash oder der „Gin Gin Mule“ von Audrey Saunders haben Gin als Basis.

Das grüne Lauffeuer

Der Gin Basil Smash wurde zu einer Zeit kreiert, in der die erste Welle an deutschsprachigen Cocktail-Blogs gegründet wurde. Die Rezeptur wurde dort und in damals populären Cocktailforen wie Cocktails & Dreams schnell aufgegriffen und weiterverbreitet. Wir von MIXOLOGY erklärten den Cocktail wenige Tage nach der ersten Veröffentlichung und einem Selbsttest auf unserem Online-Portal zum „offiziellen Sommer-Cocktail des Jahres 2008“.

Ein exklusiver Kreis

Die Bar Le Lion gehört zu den wenigen Orten weltweit, an denen man einen populären Cocktail an der Quelle seines Entstehens bestellen kann. Ähnlich ikonische Drinks geschaffen haben etwa Harry’s Bar in Venedig mit dem „Bellini“, das Tujague’s in New Orleans mit dem „Grasshopper“ oder die ebenfalls in New Orleans befindliche Caroussel Bar mit dem „Vieux Carré“.

Gin Basil Smash

Zutaten

6 cl Dry Gin
3 cl frischer Zitronensaft
2 cl Zuckersirup
1 Hand voll Basilikumblätter

Vom Gin Smash zum Gin Basil Smash

Meyer und Sproll muddelten also vor sich hin und ein Getränk war geboren. Meyer nennt ihn Gin Basil Smash, Sproll tauft ihn schlicht auf Basil Smash, „da ja Basilikum die entscheidende Komponente ist“. Sproll serviert seinen ersten Basil Smash im Mai 2008, Meyer veröffentlicht sein Rezept zwei Monate später. Meyer spielt gekonnt mit dem Internet, Sproll mit den durchaus neugierigen Ulmern. In beiden Bars wird der Drink schnell zu einem Renner. Bei Meyer allerdings wird er dank eines eng gespannten Netzwerkes zum internationalen Geniestreich geadelt.

Während viele Mixologen aufwendig an Rezepturen für ihre Eigenkreationen tüfteln, hat hier die Raffinesse der Simplizität ins Glas gefunden. In der Rezeptur unterscheiden sich beide Kreationen nur in Nuancen. Der Basil Smash enthält etwas mehr Zitrone und Zucker als der Gin Basil Smash. Aber die Mengen der Zutaten sind ohnehin je nach Vorliebe volatil, noch eine Stärke der grünen Erfrischungsbombe.

Essenziell für ein Gelingen ist allerdings der Umgang mit dem Basilikum. „Wir packen eine ganze Handvoll in den Shaker, allerdings mit den Stielen, das ist wichtig für die Farbgebung. Es darf auch nicht zu intensiv gemuddelt werden. Sonst wird die Farbe zu grasgrün und der Drink wird mosig-muffig, daran erkennt man schon im Augenschein einen funktionierenden oder nicht funktionierenden Versuch“, sagt Meyer. Überflüssig zu erwähnen, dass beide im Sommer auch gerne mit rotem Basilikum arbeiten, nur frisch muss er in jedem Fall sein.

Auch ein "Social Darling": der Basil Smash geht viral

Dieser Artikel erschien erstmalig im Jahr 2015 und wurde im August 2019 überarbeitet.

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Credits

Foto: ©Hannes Häfner

Comments (4)

  • Joerg Meyer

    Ist der Artikel nicht bereits drei Jahre alt? SEO mässig natürlich sinnvoll Ihn nochmal zu posten 😉

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    • Mixology

      Hallo Joerg, der Artikel erschien, wie am Ende des Artikels auch zu lesen, bereits 2015 und wurde aktualisiert und mit neuen Infos versehen. Das setzen wir aktuell für einige gut gerankte Artikel um, um sie auf den neuesten Stand zu bringen und so den Mehrwert für den Leser zu erhöhen (auch nur danach richtet sich letztlich Suchmaschinenoptimierung). MfG aus der Redaktion

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  • Sascha

    trotzdem ein toller Artikel, lieber Jörg

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    • Joerg Meyer

      Das wollte ich in keiner Weise anzweifeln – ich war nur verwundert als ich das lass – weil es mir irgendwie bekannt vorkam – und es mich natürlich freut des der GIN BASIL SMASH nicht nur ein Umsatz Bringer in Bars ist, sondern auch ein großer Umsatz/Traffic Generator auf Online Plattformen

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