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Interview Helmut Wermut | Mixology — Magazin für Barkultur

10 Fragen an Helmut Wermut… Nils Liedmann und Markus Weiß im Interview

Helmut Wermut ist ein junger Wermut aus Hamburg und basiert auf Weinen aus der Pfalz. Ein Interview mit Helmut Wermut, den Machern Markus Weiß und Nils Liedmann.

Sie sind Quereinsteiger, die sich ihr Wissen über Wermut angelesen haben und konsequent an der Verbesserung ihrer jungen Marke Helmut Wermut arbeiten. MIXOLOGY im Gespräch mit Markus Weiß und Nils Liedmann über ihre Entscheidung, Wermut zu machen – und über die Hürden, die sie dabei nehmen mussten.

MIXOLOGY: Beschreibt in 3 Sätzen, wer Ihr seid und was Ihr tut …

Nils Liedmann und Markus Weiß: Wir sind gute Freunde, Wermut Fans und Quereinsteiger. Und seit 2017 eine Zwei-Mann-Wermut-Manufaktur. Waren das schon drei?

MIXOLOGY: Auf welche Frage hattet Ihr am Anfang keine Antwort, konntet sie aber lösen?

Nils und Markus: Zum Beispiel: „Wie macht man eigentlich Wermut?“ Ganz im Ernst: Da gab es einige. Und es kommen jeden Tag noch neue hinzu. Von „Warum darf man Wermut eigentlich nicht in 0,7 Liter Flaschen verkaufen“ bis hin zu „Was zur Hölle ist ein Immervolltank“. Letzteres ist übrigens die Antwort auf die Frage, wie man hunderte Liter Wein zwischenlagert. Da wir beide zu Beginn absolut keine Ahnung von der Wermutproduktion hatten, mussten wir zunächst sehr viel lesen und noch viel mehr ausprobieren. Vor allem der Austausch mit unserem Winzer, der den Wein für unseren Helmut Wermut produziert, hat uns dabei sehr geholfen.

» Wir optimieren eigentlich ständig alles. Außer die Rezeptur. Die ist immer gleich geblieben. «

MIXOLOGY: Was war Eure beste Entscheidung in Sachen Helmut?

Nils und Markus: Anzufangen. Ansonsten würde Helmut Wermut wohl heute nicht im Regal stehen, sondern irgendwo in der „Ideen, die ich unbedingt irgendwann mal machen will“ Schublade verstauben. Hätten wir uns vorher ausgerechnet, wie viele Flaschen wir verkaufen müssen, um damit irgendwann mal unser Geld zu verdienen, häRen wir vielleicht gar nicht erst gestartet.

MIXOLOGY: Was war das schönste Kompliment, das Ihr für Helmut bekommen habt?

Nils und Markus: „Das ist ja wie Parfum für den Mund“ ist sicher eines der Highlights. Tatsächlich bekommen wir oft positives Feedback. Die größere Hürde ist es, die Leute erst mal ans Glas zu bekommen. Bei Wermut denken noch viele an das gute alte „Pennerglück“. Das ändert sich dann aber schnell nach dem ersten Schluck Helmut. Wermut hat hierzulande ja leider lange einen miesen Ruf gehabt. Nicht ganz zu unrecht. Früher hat man halt einfach ungenießbaren Wein mit Kräutern und Zucker zugedonnert, bis er einigermaßen trinkbar war. Da kommen wir uns manchmal schon vor wie eine Art „Wermutmissionare“, die den Leuten zeigen, dass ein Kräuterwein ein vielseitiges Produkt sein kann. Wenn er mit hochwertigen Zutaten gemacht ist.

MIXOLOGY: Was liebt Ihr an eurem (Neben-)Job am meisten?

Nils und Markus: Puh. Schwer zu sagen. Messen sind eine klasse Sache, aber wir beide sabbeln auch einfach gerne und viel. Es gibt so viele coole kleine Spirituosen-Start-Ups und es ist immer bereichernd, wenn man sich auf Veranstaltungen trifft und austauscht. So haben wir neben tollen Bekanntschafen auch wertvolle Tipps gesammelt. Davon abgesehen lieben wir es natürlich nach wie vor, in der Produktionsküche zu stehen. Alleine die ganzen Gerüche von den Kräutern und Tinkturen – das macht uns riesig Spaß.

MIXOLOGY: Was hat sich verändert, seitdem Ihr mit Helmut Wermut an den Start gegangen seid?

Nils und Markus: Wir optimieren eigentlich ständig alles. Außer die Rezeptur. Die ist immer gleich geblieben. Nur unserem roten Helmut haben wir nach der ersten Charge etwas mehr Bitternoten verpasst, damit er in Cocktails wie dem Negroni noch besser zur Geltung kommt. Wir haben aber noch was von der ersten Produktion auf Lager. Das verkaufen wir dann irgendwann in einer fancy Sonderedition als „First Batch“ oder so. Ansonsten werden wir mit jeder Produktion ein bisschen besser, vom Einkauf über das Equipment bis hin zu verschiedenen Filtermethoden. Gerade für so kleine Produktionsmengen ist es auch manchmal schwierig, die richtigen Gerätschaften zu finden. Da muss man dann schon mal MacGyvermäßig in die Trickkiste greifen. Oft probieren wir einfach irgendwas aus und überraschenderweise funktioniert das sogar relativ häufig.

» Bei uns bekommt jede von den insgesamt über 30 Zutaten ein eigenes Fass, in dem sich die Aromen im Alkohol völlig ungestört entfalten können. «

MIXOLOGY: Wie trinkt Ihr persönlich Helmut am liebsten? Martinez, Vesper oder Classic Bond?

Nils und Markus: Kommt ganz drauf an, wie spät es ist. Den Weißen am liebsten pur auf Eis mit einer Zitronenzeste. Den Roten gerade im Sommer mit Ginger Ale auf Eis mit Orange. Oder abends im Boulevardier. Das ist ja das Geile an Wermut – dass er so facettenreich ist. Besonders unser roter Helmut macht in vielen Cocktails eine gute Figur, weil er sich durch die starke Frucht und Bitternote als Gegenspieler oder Ergänzung zu anderen Ingredienzen behaupten kann. Und die Farbe im Glas ist wirklich krass. Da haben wir natürlich vorher nie drüber nachgedacht – bis wir Helmut dann mit den ersten Bartendern getestet haben und alle schwer begeistert waren von dem intensiven Rot.

MIXOLOGY: Was macht Helmut anders als andere Wermutweine?

Nils und Markus: Besonders im Vergleich zu den spanischen Vertretern ist natürlich der größte Unterschied, dass wir deutsche Weine nutzen. Außerdem verzichten wir komplett auf künstliche Aromen und verwenden so viele frische Zutaten wie möglich. Zum Beispiel frische Himbeeren, Brombeeren und echte Vanille. Häufig werden die Zutaten bei der Wermutproduktion für die Mazeration zusammengelegt. Das machen wir nicht. Bei uns bekommt jede von den insgesamt über 30 Zutaten ein eigenes Fass, in dem sich die Aromen im Alkohol völlig ungestört entfalten können. Erst dann mischen wir unsere Tinkturen aus den verschiedenen Kräuter- und Fruchtauszügen. Auch das Verheiraten von Wein und Tinktur übernehmen wir selbst. So haben wir den gesamten Produktionsprozess selbst in der Hand. Im wahrsten Sinne des Wortes.

» Derzeit machen wir das alles ja mehr oder weniger noch als Nebenjob. Das kann dann schon ganz schön schlauchen, wenn man gefühlt jedes Wochenende auf einer anderen Veranstaltung steht. «

MIXOLOGY: Wenn Ihr drei Wünsche frei hättet: Welche Persönlichkeiten sollten Euren Helmut probieren?

Nils und Markus: James Bond und Helmut Schmidt. Und Kim Kardashian! Für die Follower. Dann wäre auf unserem Instagram-Account endlich mal richtig was los.

MIXOLOGY: Und was steht als nächstes bei Euch an?

Nils und Markus: Fett im Kalender markiert ist unser erster Besuch beim BCB. Da haben wir uns letztes Jahr noch nicht hingetraut. Auch, weil wir noch mit grundlegenden Dingen wie dem Produktionsprozess beschäftigt waren. Da hat uns die Nachfrage doch etwas überrannt. Inzwischen sind wir besser aufgestellt und können uns dieses Jahr mehr auf den Vertrieb konzentrieren.
Mittelfristig wollen wir natürlich zuallererst irgendwann mal von Helmut leben. Derzeit machen wir das alles ja mehr oder weniger noch als Nebenjob. Das kann dann schon ganz schön schlauchen, wenn man gefühlt jedes Wochenende auf einer anderen Veranstaltung steht. Und dann wollen wir unbedingt mal unseren Roten in ein riesiges Holzfass packen. Helmut der Rote Barrel Aged. Wie cool wäre das? Den gibt’s dann auf der Party mit James, Helmut und Kim. Das wird ein Fest!

Das Interview führte für MIXOLOGY Sandra und Alexander Heyne

Credits

Foto: OT Weiss

Link: https://www.helmut-wermut.de/

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