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Alistair Walker

Infrequent Flyer: Alistair Walker ist der sympathischste Parasit der Whiskywelt

Fällt im Zusammenhang mit schottischem Whisky der Name „Walker“, dann weckt dies in der Regel überaus positive Erinnerungen. Viele denken an Johnny, manche denken an Billy, die wenigsten denken an Alistair. Es ist an der Zeit, dies zu ändern.

Alistair Walker ist der Sohn von Billy Walker. Billy Walker schuf seine eigene Legende innerhalb der Whisky-Welt. Sein Unternehmergeist, seine Weitsicht und sein unbändiger Tatendrang wirbeln beständig die Highlands und die Speyside-Region auf. Walker besitzt das Gespür für das ungenutzte Potenzial von Destillerien, die er dann zum Erfolg führt.

Die Walker-Familie belebt Destillerien

2004 erwarb er die eingemottete Benriach Distillery und führte diese auf die Erfolgsspur. 2008 kaufte er mit seiner BenRiach-Gruppe die Glendronach Distillery von Chivas Brothers und erfreute in den Folgejahren insbesondere die Fans der balancierten Sherryfassreifung. 2013 kam die Glenglassaugh Distillery in Portsoy hinzu, die in der Folge durch besonders alte Whiskys und experimentelle Fassreifungsvarianten für Aufsehen sorgt.

2016 kam dann nach langwierigen Verhandlungen jenes berühmte Angebot, das man nicht ablehnen kann: Der US-Gigant Brown-Forman kaufte im April die BenRiach-Gruppe mit den drei Destillerien für eine Summe von 285 Millionen Pfund von Billy Walker und seinen südafrikanischen Geschäftspartnern Geoff Bell und Wayne Kieswetter.

Alistair Walker geht neue Wege

Mit seinem Anteil der Kaufsumme setzt sich der Whisky-Unternehmer aber mitnichten zur Ruhe. Er hatte bereits die nächste Destillerie im Auge. Wieder ist es eine der schlummernden Perlen von Chivas Brothers/Pernod Ricard: Glenallachie. 2017 übernahm Walker auch diese Destillerie – deren Whiskys lange Zeit nur als Bestandteil von Blends eine Rolle spielten – und führte sie in das Licht der Single-Malt-Spezialitäten. Pünktlich zum fünfzigsten Jubiläum der Destillerie in Aberlour an der Speyside.

Stets an der Seite seines Vaters war dabei Alistair Walker. Zwölf Jahre lang betätigte er sich als wichtiger Mitarbeiter der BenRiach-Gruppe, repräsentierte die Whiskys und entwickelte sich selbst zum Profi in der komplizierten Whiskywelt. Auch für ihn stellte sich demnach die Frage, wohin sein Lebensweg nach dem Verkauf der drei Destillerien im Rahmen von BenRiach weiterführen möge. Die Antworten erfuhr MIXOLOGY Online auf dem Berliner Whiskyherbst, der in diesem Jahr sein zwanzigstes Jubiläum auf dem Gelände der Malzfabrik feiern konnte.

Infrequent Flyer: Nicht abgehoben

„Infrequent Flyer“ lautet der Name von Alistairs eigenem Projekt. „Nachdem ich aus der BenRiach-Gruppe ausschied, war ich erstmal auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit. Ich wollte etwas Neues, etwas Eigenes machen, daher bin ich nicht mit meinem Vater bei Glenallachie eingestiegen. Eine Zeit lang habe ich sogar überlegt, eine Brauerei zu eröffnen. Aber am Ende wollte ich dann doch unbedingt in der Whiskybranche bleiben. Für eine eigene Destillerie fehlte mir das Kapital, also beschloss ich, ein unabhängiger Abfüller zu werden.“ Und dann fügt Alistair Walker grinsend hinzu: „Ein Parasit der Whiskywelt.“

2018 gründete er seine Marke, „The Alistair Walker Whisky Company”, und im August 2019 kamen seine ersten Abfüllungen unter dem Label „Infrequent Flyer” auf den Markt. Unabhängige Abfüller, die abwechslungsreiche Whiskys als Zusatzangebot neben den Originalabfüllungen der Destillerien anbieten, gibt es bereits reichlich und es werden ständig mehr. Einige gelten seit Jahren als bewährte Größen, wie Duncan Taylor, Signatory, Gordon & MacPhail, Cadenhead, SMWS (The Scotch Malt Whisky Society, Anm.d.Red.) und viele mehr.

Flut von unabhängigen, schottischen Abfüllern

Inmitten der Klassiker Fuß zu fassen und vor allem an gute Fässer zu kommen, ist alles andere als einfach. Alistair Walker schildert die Herausforderungen: „Hätte ich nicht schon einen Namen in der Whisky-Branche gehabt, hätten viele der Fasshändler gar nicht mit mir geredet. Gute und langfristige Kontakte bedeuten besseren Whisky, besseren Service, präzisere Information über den Whisky und das Fass. Manche Destillerien lehnen Gespräche von vornherein ab, da bleibt dann nur der Weg über den Whisky-Broker (Fasshändler, Anm.d.Red.). Von der Destillerie erhält man zuweilen eine Fassprobe zum Kosten, von einem Broker nie. Die erste Hürde war aber die Bürokratie, wenn man die offizielle Genehmigung zum Whiskyhandel beantragt. Dann kommt das Problem, dass eine Flut von unabhängigen Abfüllern durch Schottland strömt. Es ist so schwierig und teuer, im Moment an guten Whisky zu kommen. Kürzlich wurde ein Fass mit einem 40-jährigen Ardbeg für unglaubliche 500.000 Pfund angeboten.“

Großartige Premiere von Infrequent Flyer in Berlin

Der Berliner Whiskyherbst bedeutete für Alistair Walker das erste öffentliche Tasting mit seinen eigenen Whiskys, und die Tropfen überzeugten durchweg. Traumhaft und komplex mit kräuteriger Fruchtsüße und Nadelholz mundet der 26-jährige Auchentoshan, robust und ausgewogen mundet der 13-jährige Benrinnes, und erdig, medizinal und dezent rauchig kommt ein Whisky von Orkney daher, dessen Destillerie Walker nicht auf das Etikett schreiben darf. Handelspartner für den deutschen Markt sind die Whiskyprofis von Kammer-Kirsch.

„Ich möchte den ursprünglichen Destillerie-Charakter gerne zur Geltung kommen lassen. Doch oft ist Holz die einzige Möglichkeit für einen unabhängigen Abfüller, Einfluss auf den Whisky zu nehmen. Im Moment sind Fässer aus Chinkapin-Eiche (auch Gelbeiche oder Quercus muehlenbergii, Anm.d.Red.) der heiße Scheiß. Ich habe mit meinem Vater immer noch ein großartiges Verhältnis und er lässt mich bei Glenallachie lagern oder Fässer umfüllen. Aber er verlangt von mir den vollen Preis dafür.“

Boarding Time bei Infrequent Flyer

Humorvoll, sympathisch und mit einem Füllhorn an Whisky-Anekdoten berichtet Alistair Walker aus dem Nähkästchen. Man spürt die Begeisterung seines Neuanfangs. Die Begeisterung überträgt sich zugleich auch an den Trinker durch die Qualität im Glas. Auch bei Whiskys aus teilweise unterschätzten Destillerien, wie etwa Inchmurrin, Fettercairn oder Royal Brackla.

Jedem Neubeginn wohnt eben ein Zauber inne, das gilt auch für den Whisky-Routinier Alistair Walker: „Das erste Fass, das ich erwarb, war ein Ledaig. Es war Bestandteil eines größeren Pakets, aber dies war das Fass, bei dem ich richtig aufgeregt war.“ Ob am Flughafen oder beim Whiskyhändler des Vertrauens – bei Infrequent Flyer ist jedenfalls genau jetzt Boarding Time.

Credits

Foto: Peter Eichhorn

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