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Inventur | Mixology — Magazin für Barkultur

Inventur am 18. Oktober 2020 – einheitliche Regelung zur Sperrstunde für Bars

Willkommen zur letzten „Inventur“ während der sogenannten Sommerzeit. Und der Sommer, er fehlt: Wie erwartet, bringt die kalte Jahreshälfte keine guten Corona-News, denn die Menschen halten sich wieder vermehrt drinnen auf und die Infektionszahlen gehen nach oben. Für unsere Mixology Bar Awards – The Reboot Edition, die wir letzten Sonntag verliehen haben, hätten wir uns natürlich schönere Begleitumstände gewünscht. Denn nachdem die warme Jahreszeit für die Bars – entgegen der Gewohnheit – ein kleiner Lichtblick war, geht es nun wieder bergab, doch dazu gleich mehr.

Dennoch freuen wir uns, mit den Awards in diesem besonderen Jahr einige der kreativsten, mutigsten und innovativsten Köpfe und Orte der Szene gewürdigt zu haben. Zuspruch ist gerade in Krisenzeiten wichtig und wir hoffen, mit den Mixology Bar Awards 2021 dazu beigetragen zu haben, dass sich Bars und Bartender/innen in ihrem Handeln bestärkt und motiviert fühlen. Unser Dank gilt allen Protagonisten unserer Awards, aber auch den drei Partnern Bar Convent Berlin, Schweppes Deutschland und Zwiesel Glas, die die diesjährige Preisverleihung auch unter schwierigen, veränderten Umständen ermöglicht haben. Doch verlassen wir die festlichen Gefilde und schauen auf die Realität der letzten Tage.

150 Jahre Zwiesel Glas

Bund-Länder-Runde verabschiedet einheitliche Sperrstunde für Bars

Besonders die Augen des Gastgewerbes ruhten mit unguten Erwartungen auf der großen Runde aus Bundeskanzlerin und den Landesregierungen, die am Mittwoch tagte. Und die Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Denn nachdem bereits in mehreren deutschen Städten Sperrstunden aufgrund gestiegener Infektionsraten erlassen worden waren, hat die Bund-Länder-Runde eine einheitliche Regelung erlassen: So gilt ab sofort die bundesweite Richtlinie, dass in Orten mit einer Covid-19-Inzidenz von 35/100.000 eine Sperrstunde für die Gastronomie eingeführt werden muss. Ab der Rate von 50/100.000 ist diese Sperrstunde auf 23 Uhr zu legen, gepaart mit einem generellen nächtlichen Verkaufsverbot für Alkohol.

Sperrstunden und Verkaufsverbote sind bereits seit einigen Wochen nicht nur teilweise Realität, sondern gleichsam Gegenstand hitziger Diskussionen zwischen Politik und Branchenvertretern. Denn wie die Auswertungen der Infektionsketten zeigen, infiziert sich nur ein kleiner Teil der Corona-Erkrankten durch Aufenthalte in Bars oder Restaurants. Die Behörden gehen diesen Weg dennoch weiter. In Frankfurt, wo ein Konsortium mehrerer Bars unter der Initiative von Dominik Falger per Eilantrag gegen die Sperrstunde vorgegangen war, wies das zuständige Gericht den Widerspruch nach Informationen von MIXOLOGY umgehend zurück. Parallel sollen die Überbrückungshilfen für kleine Unternehmen, zu denen viele Gastronomien gehören, in eine zweite Phase gehen. Den Weg zum entsprechenden Antrag, der über einen Steuerberater o.ä. gestellt werden muss, gibt es u.a. hier. Der Berliner Senat brachte außerdem am Donnerstag eine angeblich unbürokratische Soforthilfe speziell für Schankwirtschaften auf den Weg, mit der zumindest ein Mietzuschuss bezogen werden kann.

WTO gestattet EU-Strafzölle auf American Whiskey

Als hätte die Wirtschaft durch die Corona-Pandemie nicht schon genug Probleme, schwelen die alten Konflikte ungehindert vor sich hin. Im Zuge des schon lange aktiven Handelsstreits zwischen den USA und der Europäischen Union hat die Welthandelsorganisation (WTO) nun kurz vor der US-Präsidentschaftswahl eine richtungsweisende Entscheidung gefällt: Die EU darf Strafzölle auf Importwaren aus den USA als Vergeltung für illegale Subventionszahlungen erheben.

Insgesamt darf die EU nun US-Produkte im Wert von 4 Milliarden Dollar mit Strafzöllen versehen. Dies betrifft auch Genussmittel wie Tabak und natürlich amerikanischen Whiskey, der sich in den europäischen Bars seit Jahren steigender Beliebtheit und einer intensiven Premiumisierung erfreut. Die US-Seite zeigte sich erwartungsgemäß nicht erfreut über die WTO-Entscheidung und sagte, man müsse darauf „reagieren“. Für Cocktailbars stellt sich also neben allen anderen aktuellen Problemen womöglich auch noch die Frage, ob ihr Standard-Bourbon bald teurer wird.

How to „jack“ your Spirit?

Es ist keine neue Herstellungsmethode, die die Kollegen vom Punch Magazine diese Woche aufgegriffen haben – aber eine, die kaum noch jemand praktiziert: das sogenannte „Jacking“. In Anlehnung an die klassische Herstellungsmethode von Apple Jack mittels Gefrierdestillation, geht es dabei um nichts anderes als die Erhöhung des Alkoholgehalts und damit um gleichzeitige Intensivierung von Aromen (Bierfreunden in ähnlicher Weise vertraut vom Eisbock).

Klassisch bedeutet die Technik im Fall von Apple Jack, dass ein vergorener Apfelmost teilgefroren wird, um anschließend den noch flüssigen Alkohol abzufiltern. Für Spirituosenhersteller ist diese Arbeitsweise nicht mehr gestattet, sie lässt sich aber in der Bar als spannende Alternative zu Sous Vide oder der klassischen Kalt-Infusion anwenden. Anhand des Beispiels von Barbetreiber Jason Asher aus Phoenix wird die Arbeitstechnik erläutert und es kommen sowohl Vor- als auch Nachteile zur Sprache. Lesenswert, nicht nur für Erdbeerfreunde!

Umfrage: Ein Drittel aller irischen Pubs könnte schließen

Nicht nur im Vereinigten Königreich sind Bars und Pubs mit sehr harten Beschränkungen gebeutelt, auch im EU-Teil der gesamtbritischen Inselwelt verschärft sich die Lage erneut: Laut einer Umfrage des irischen Dachverbandes der Getränkebranche gibt etwa ein Drittel aller befragten Pub-Besitzer an, dass sie es für möglich halten, ihren Betrieb aufgrund der Corona-Krise final aufgeben und schließen zu müssen.

Die Bar- und Kneipenbranche der „gründen Insel“ ist extrem von der Krise betroffen: Nach einem sechsmonatigen (!), kompletten Shutdown bis Mitte September und einer anschließenden, kurzen Öffnungsphase wurde am 7. Oktober wieder die Schließung aller Pubs angeordnet. Rund die Hälfte aller Pubs musste Personal abbauen, genauso viele Wirte rechnen damit, noch weitere Entlassungen vornehmen zu müssen. Im Schnitt federn die staatlichen Überbrückungshilfen lediglich knapp 20% aller laufenden Kosten ab, so ein weiteres Resultat der Studie. Weitere Details haben die Kollegen von The Spirits Business.

Credits

Foto: Everett Collection / shutterstock.com

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