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Inventur am 22. Juni 2014

Ein Linzer Student baut auf und räumt ab, in London will man die Geschichte des Gin erzählen, in Deutschland liebt man Craft Beer und aus Insekten kann man auch Bitters machen. Und wer kein Bargeld mag, kann die Zeche nun endlich auch via App begleichen.
Vergangene Woche feierten wir im Büro einen Geburtstag und erhoben zu Kuchen zusätzlich das Champagnerglas. Man muss die Ehrentage ja feiern wir sie fallen, also vollzogen wir die Inventur diese Woche eben mit Kuchen in der Hand. Zeitgleich fand im Dresdener Gin House das Tasteforum der kommenden Print-Ausgabe von MIXOLOGY statt, und zudem berichten wir diese Woche von Geschichten aus Wien bis London und machen dabei Abstecher am App-Markt und begleiten die Klitschko Brüder bis vors Gericht.
Auf das Wortspiel folgt das Nachspiel vor Gericht
Anfang 2011 launchte Warsteiner seinen Werbespot mit den Klitschko Brüdern, die für das alkoholfreie Bier des Bierkonzerns aus dem Sauerland werben. In Anspielung auf seinen Namen Vitali, beschreibt der ehemalige Profiboxer das Bier als “vitalisierend”. Gegen diese Bezeichnung klagte ein Verbraucher-Schutzbund aus München und bekam am Dienstag durch das Oberlandesgericht in Hamm Zuspruch. Demnach dürfe Warsteiner das Bier nicht als vitalisierend bezeichnen, solange es keine speziellen gesundheitsbezogenen Angaben beifügt. Die EU-Richtlinie (Az.: 4 U 19/14) schriebt dies jedoch bei Lebensmitteln mit Gesundheitsbezug vor. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da das Gericht Revision zuließ. – AA

Wer soll das ganze Bier trinken?
Die Craft-Beer-Szene wächst und wächst und wächst. Die USA sind dabei führend, was auch mit Zahlen belegt wird: Im Jahr 2012 gab es in den USA 2401 Craft Breweries, 2768 in 2013 und bis Ende des Jahres 2014 ca. über 3000. Das bedeutet, dass in den Vereinigten Staaten an jedem Tag eine neue Craft Brewery eröffnet! Stellt sich die Frage: Wer soll das alles trinken? Craft Beer Trinkern stehen ganz offenbar blühende Zeiten bevor, größtmögliche Biervielfalt und, wie man annehmen darf, immer noch bessere Biere. Bis in Deutschland die 3000er-Marke in Sachen Craft Breweries gebrochen wird, wird es wohl noch ein wenig dauern. Doch Nachwuchs steht schon in den Startlöchern, mit Bieren aus der Hauptstadt und Oberbayern. Die Analyse von Nina Anika Klotz ist auf der Internetseite von Brew Berlin zu finden. – AA
Insekten-Verzehr leicht gemacht
Die zwei Designerinnen Julia Plevin und Lucy Knobs aus New York wollen den US-Amerikanern  die Möglichkeit des Insekten-Verzehrs näher bringen. Wie das? Alkohol macht bekanntlich experimentierfreudig und so sprachen Julia und Lucy mit Bartendern und Mixologen, um schließlich aus gerösteten Grillen vier verschiedene Bitterssorten zu entwickeln. Es gibt Mandel-Grille, Vanille-Grille, Kakap-Grille und pure Grille. Das Projekt der zwei wurde von dem “Edible Insects- Future prospects for food and feed security”-Report inspiriert und es geht darum, die westliche Gesellschaft über die Schwelle des Ekelfaktors zu heben. Da Destillation und Fermentation an sich sehr kreative Prozesse sind, sahen die Designerinnen es als eine gute Idee an, via Bitters in Cocktails an das Thema Insekten heranzuführen. Zusätzlich geben Julia und Lucy als Grund für die Produkte an, dass die Kombination aus Alkohol und Insekt, vom Wurm im Agavenbrand über Skorpionvodka, bereits eine lange Geschichte und viele Facetten aufweist. Die Bitters wurden bereits im Dezember des vergangenen Jahres im Zuge des MFA- Products of Design Projektes vorgestellt. – SL
Neuer Gin-Palast für Beefeater
Am 21. Mai dieses Jahres fanden sich 90 Gäste im Besucherzentrum der neu eröffneten Beefeater Gin Destillerie in London wieder, die ihre Tore letzte Woche für die Öffentlichkeit geöffnet hat. Das Projekt richtet sich an Ginliebhaber und will Interessierten die Geschichte der Spirituose, wie auch von Beefeater Gin selbst erzählen. Ausschlaggebend für die Idee zu diesem Mulitmillionen-Pfund-Projekt war unter Anderem das gestiegene Interesse an Gin und die wachsenden Verkaufszahlen. Beefeater blickt auf eine 200jährige Geschichte zurück und wird im Herzen der britischen Hauptstadt produziert. Die interaktive Ausstellung führt die Besucher von den frühen Tagen des Gin-Produzierens hin zu den modernen Zeiten. Bartender Kyle Wilkinson des The Blind Pig entwickelte einen Cocktail “The Journey of Gin”, um, wie der Name andeutet, die Geschichte des Gin zu feiern und kombinierte dazu Kamm and Sons, um den amerikanischen Einfluss auf Großbritannien zu Zeiten der Prohibition zu zitieren, wie auch Rhabarber-Sirup, für den britischen Twist. – SL
The Journey of Gin (Kyle Wilkinson – The Blind Pig, London)
3 cl Beefeater London Dry Gin
2 cl Kamm and Sons
2 cl Pierre Ferrand Dry Curacao
2 cl Limettensaft
7,5 cl hausgemachter Rhabarbersirup
15  cl Eiklar
ZUBEREITUNG: Alle Zutaten dry shaken, dann zusammen mit Eis stark shaken und in ein Cocktailglas abseihen. Mit Angostura Bitter abschmecken und Orangenzeste garnieren.


Linzer Student gewinnt Absolut Design Wettbewerb

Stefan Pichler, Student des Studiengangs Industrial Design im BA an der Kunstuni Linz, gewinnt den von Absolut Vodka initiierten Design Wettbewerb. Aufgabe war es, eine funktionstüchtige, unkomplizierte Pop-up-Bar für die schwedische Vodkamarke zu entwickeln. Aufgerufen waren österreichweit Designer, Architekten und Studierende und Stefan setzte sich aus dem Kreis der 23 Bewerber durch. Die Entscheidung der fünfköpfigen Jury um Bernhard Eisheuer von Pernod Ricard Austria, Peter Schreckensberger von UnitedDesignPartner, Moritz Keitel von Hoppe Architekten, Alexander Ott von Coop Himmelb(l)au und Geri Kozbach-Tsai von der Vienna Bar Community fiel im 25 Hours Hotel Wien. Stefans Idee bestand darin, aus einem handelsüblichen Gittercontainer eine aufklappbare Bar zu entwicklen,  die 20 Absolut Flaschen, 60 Gläsern, 10 Liter-Flaschen für Beigetränke, 50 Kilogramm Eiswürfeln eine Kühlmöglichkeit sowie einer LED-beleuchteten Präsentationsfläche, einem Minikühlschrank und einer Arbeitsfläche Platz bieten. In den kommenden Monaten soll der Feinschliff des Projektes folgen und dann sind erste Einsätze ab Herbst geplant. – SL
Bezahlen mit faden Beigeschmack für den Service
Man kennt die Situation in einer Bar: die Drinks haben zwar geschmeckt, aber fordern ihren Tribut. Man ist müde, die Kommunikation fällt schwer und man möchte einfach nur gehen. Am besten ohne lästiges Heranwinken des Kellners und anstrengende Mathematik beim Zahlungsvorgang. Dies soll sich durch die beiden Smartphone Applikation “Clipp” und “Tapped Out “ erübrigen. Per Fingerklick kann der Besucher die getrunkenen Drinks bezahlen, sofern er sich in einer Bar, einem Lokal oder Restaurant befindet, die durch die beiden Anbieter unterstützt werden. Bislang sind dies 14.000 amerikanische Lokale und rund 130 Bars in Australien. Zusätzlich kann man sich zu Anfang des Besuches ein Trinklimit setzen.
Der “Clipp”-Erfinder Greg Taylor sagt über den Nutzen seiner App: “Man verlässt den Laden wie ein Rockstar”, vergisst dabei aber, dass die Technik einen nicht zu unterschätzdenen Negativfaktor mit sich bringt. Durch die Zahlungsart und Methodik kommt es nicht zu einem Treffen zwischen Gast und Service, was die Geste des Trinkgeld-Gebens unter den Tisch fallen lässt. Gerade in den USA, in denen eine fest etablierte Trinkgeld-Kultur herrscht, ist es fraglich, ob sich dieses System flächendeckend durchsetzen wird. – AA
 
 
 

Credits

Foto: Zwei Männer via Shutterstock

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