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Inventur

Inventur am 29. November 2020 – Rita Oras Tequila kommt & Fucking Hell verschwindet

Herzlich willkommen! Mittlerweile hatte sicher eh niemand mehr mit schönen Gastro-Nachrichten zum ersten Advent gerechnet – und so waren die maßgeblichen News der Woche sowohl hierzulande als auch anderswo eher weniger wohlstimmend. Nachdem sich die Infektionszahlen auch nach der dritten Woche des sogenannten „Lockdown Light“ nach wie vor nicht signifikant verringert haben, mahnt die Politik weiterhin zu extremen Kontaktbeschränkungen – schließlich wurde von Donnerstag auf Freitag in Deutschland die symbolträchtige Marke von einer Million Infizierten überschritten. Neue, harte Beschränkungen treffen den Einzelhandel nun pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. Österreich befindet sich indessen in einem noch stärkeren Shutdown: Dort dürfen praktisch nur noch Lebensmittelhändler und Drogerien öffnen, Gastronomie und jeglicher andere Handel ist dicht.

Für Bars und das gesamte Gastgewerbe lässt sich angesichts regelmäßig neuer Forderungen seitens Ämtern und Behörden kaum noch absehen, wann überhaupt wieder mit einer Wiedereröffnung geplant werden kann. Für viele scheint klar: Womöglich wird ein zweiter „Reboot“ überhaupt erst im Frühling erlaubt. Ähnlich ist das Bild in Großbritannien. Dort hat Premier Boris Johnson zwar offiziell das Ende des zweiten Lockdowns am 2. Dezember annonciert, gleichzeitig wird jedoch danach eine Drei-Stufen-Regelung den Betrieb von Gaststätten auf lokaler bzw. kommunaler Ebene einschränken. Nehmen wir uns dennoch die Zeit für einen Blick auf die weiteren Themen und interessanten flüssigen News der ausklingenden Woche.

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Mezcal-Expertin im Gespräch über Existenznot und Sexismus

Einen berührenden Beitrag hat die Journalistin Sonja Peteranderl für die Spiegel-Online-Reihe „Zum Abendessen bei…“ angefertigt. In der Serie geht es um das alltägliche Leben unterschiedlichster Frauen überall auf der Welt. In Ihrer Folge ist Peteranderl zu Gast bei der Agaven-Expertin Lala Noguera in Mexiko-Stadt – die mit großen Problemen zu kämpfen hat.

Da wären einerseits die Sorgen, die durch das Corona-Virus kamen: Noguera war selbst an Covid-19 erkrankt und hatte ihre sensorische Wahrnehmung zeitweise komplett eingebüßt, wodurch sie ihrer selbstständigen Tätigkeit als Mezcal-Expertin quasi nicht mehr nachgehen konnte. Zusätzlich fielen durch den Gastro-Lockdown auch alle anderen Aufträge weg, die sie sonst von Restaurants und Bars erhält. Ebenso wichtig ist aber auch ein weiterer Aspekt des Artikels wichtig: Noguera spricht den tiefsitzenden Seximus der Mezcal-Branche an, eine „Macho-Welt“, in der Frauen auch regelmäßig mit Waffen bedroht und eingeschüchtert würden. Wenn das nicht dem oft romantisierten und verklärten Handwerks-Schnaps ein wenig von seinem Zauber nimmt, dann wissen wir auch nicht. Absolut lesenswert!

Next one, please: Rita Ora lanciert Próspero Tequila im UK

Passend dazu wird eine starke weibliche Stimme in der Agavenbrand-Szene nun noch lauter: Nachdem wir gerade letzten Sonntag von LeBron James und seinem Tequila berichtet hatten, brachte die britische Sängerin Rita Ora ihre Tequila-Marke Próspero diese Woche auch in ihrem Heimatmarkt Großbritannien an den Start.

Wie The Spirits Business berichtet, war es dem britischen Superstar mit kosovarischen Wurzeln ein tiefes Bedürfnis, nach dem US-Markt auch in ihrem Zuhause mit der eigenen Brand vertreten zu sein. Der Tequila selbst wird übrigens ebenfalls von einer Frau gebrannt: Stella Anguiano zählt zu den bekanntesten weiblichen Gesichtern im Agaven-Business, sie und Ora haben die Marke gemeinsam entwickelt. Der Tequila-Reigen jener Stars, die auf George-Clooney-Pfaden in Richtung eines späteren Mega-Deals mit einem Spirituosenkonzern wandeln, wird also immer, immer größer.

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Über 60 Flaschen uralter Whiskey in Hauswand gefunden

„Unsere Mauern sind aus Schnaps gebaut!“, gaben Nick Drummond und Patrick Bakker in einem der Instagram-Posts ihres passend benannten Accounts @bootleggerbungalow bekannt. Damit gerechnet hätten sie aber nicht: Vor gut einem Jahr was das Paar in ein 1915 erbautes Haus in der Kleinstadt Ames im Bundesstaat New York gezogen, mit dem Vorsatz, das Gebäude grundlegend zu sanieren – für den gelernten Restaurateur Drummond kein Problem.

Beim Aufstemmen zweier Wände kamen sie dann zum Vorschein: Zahllose Flaschen mit altem Whiskey, der aus der Zeit vor oder während der US-Prohibition stammt, berichtete CNN diese Woche. Später kamen unter den Dielenbretten noch weitere ans Tageslicht ­– insgesamt 66 Flaschen. Der Grund? Der frühere Besitzer war nicht nur ohnehin in viele lokale Skandälchen verwickelt, sondern offenbar auch ein überaus aktiver Bootlegger, also Alkoholschmuggler. Für Bakker und Drummond könnte sich dieses „Erbe“ nun jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt machen: Der Wert der noch gefüllten, verkapselten Flaschen wird auf rund 1.000 Dollar pro Stück geschätzt.

Kein „Fucking Hell“ mehr: Österreichisches Bier-Dorf benennt sich um

Die Bewohner des österreichischen Dorfs haben ein für alle Mal genug: Mit Wirkung zum 1. Januar 2021 wechselt das Örtchen Fucking seinen Namen offiziell zum dialektalen „Fugging“. Das gab die Bürgermeisterin bekannt, denn die Einheimischen hätten es satt, mit ihrem Zuhause überall auf der Welt als Vorlage für billige Wortwitze und Memes herhalten zu müssen.

Der Ortsname des Städtchens mit gut 100 Einwohnern ist aus naheliegenden humoristischen Gründen international sehr bekannt und beliebt für Wortspiele, nicht selten kommt es vor, dass ausländische Österreich-Touristen gar eigens einen Umweg durch das Dorf fahren, um Selfies am Ortsschild zu knipsen. Besonders tragisch ist die Namensänderung natürlich für die internationale Community der Bierliebhaber: Das regionaltypische helle Lagerbier (Fucking liegt direkt an der Grenze zu Bayern) aus der örtlichen Brauerei hatte aufgrund seines Namens und Label-Schriftzugs „Fucking Hell“ einen gewissen globalen Kultcharakter unter Bierfreunden. Damit ist nun Schluss. Irgendwie ein bisschen schade, finden wir.

Credits

Foto: Everett Collection / shutterstock.com

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