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Inventur am 3. August 2014

Diese Woche befassten wir uns mit der Frage, was man braucht, um ein noch besserer Bartender zu werden. Wir waren außerdem konsterniert ob eines Berichts in The Daily Beast und verdauten den Schock darüber mit einem Gin aus deutschen Landen.
Was für eine Woche das wieder war! Neuigkeiten über Neuigkeiten, die uns teils in die bereits erwähnte Empörung stürzten und teils zum Schmunzeln brachten. Wie etwa die Vorstellung von Komikern und Schauspielern, die vor ihrem Leben im Rampenlicht hinter der Bar arbeiteten.Der amerikanische Moderator Jon Stewart ist einer von ihnen. Zum Negroni einen von Stewarts satirischen Kommentaren über das politische Geschehen? Ja, bitte, eine sehr amüsante Vorstellung. Und nun auf, auf zu den Nachrichten der Woche!
1) In zehn Schritten zum besseren Bartender
Im Blog Bitters and Twisted erklärte uns Daniel Priseman, was man als Bartender unbedingt erleben bzw. tun sollte, um ein noch besserer zu werden. Er hat in zehn  Punkten zusammen gefasst, was den Bartender seiner Einschätzung nach in Sachen Erfahrung weiter bringt. So rät er dazu, mindestens eine Destillerie selbst zu besuchen, um ein Gefühl für die Geschichte der Spirituose zu bekommen. Auch lohne es sich, eine Gastschicht in einer anderen Bar und das vorzugsweise in einem fremden Land zu übernehmen, um andere Arbeitsweisen kennen zu lernen. Die Ratschläge spinnen sich weiter über das Arbeiten in einer Dive Bar und die Forderung Prisemans, jedes Produkt in der eigenen Bar zu probieren und kennen zu lernen. Und nicht zu vergessen: auch der Besuch von Cocktailmessen lohne sich. Wir würden da wie Priseman selbst den Bar Convent Berlin empfehlen. – SL
2) Walsh Whiskey Distillery erhält Baugenehmigung

Insgesamt 25 Millionen Euro soll die moderne Destillerie kosten, die die Walsh Whiskey Distillery in County Carlow auf dem Royal Oak Gelände errichten will. Jetzt hat das Unternehmen mit der Irish Whiskey Marke „Writer’s Tears“ die Baugenehmigung für das Projekt erhalten. Die Bauarbeiten werden im September starten und sollen bis Dezember 2015 abgeschlossen sein. Geplant ist eine unabhängige, hochmoderne Irish Whiskey Destillerie mit Lagerhäusern an den Ufern des Flusses Barrow. Auch ein Besucherzentrum ist vorgesehen, das bis zum Jahr 2021 rund 75.000 Whiskey-Touristen empfangen soll. Die geplante Brennerei soll mit einer Kapazität von 400.000 Fässern jährlich produzieren und im Jahr 2016 ihren Betrieb aufnehmen.

Es wird zwei Produktionslinien geben, die sowohl mit Kupferbrennblasen im Pot-Still-Verfahren als auch im Patent-Still-Verfahren Whiskey destillieren. Dies ermöglicht der Walsh Whiskey Distillery künftig, alle vier Arten von Irish Whiskey zu produzieren: Pot-, Malt-, Grain- und Blended Whiskey. Die Walsh Whiskey Distillery, geführt vom Gründer Bernard Walsh zusammen mit dem Walsh-Whiskey-Führungsteam, hat ihren Umsatz in den letzten Jahren um 300 Prozent gesteigert. 95 Prozent des Unternehmensumsatzes stammen aus dem Export in derzeit 30 Länder.  Die Whiskeymarken des Unternehmens, The Irishman und Writer’s Tears, haben zahlreiche Gold-Auszeichnungen in namhaften Wettbewerben gewonnen, darunter u.A. die Irish Whiskey Awards.

3) Die Wiederbelebung von 2000 Jahre alten Biersorten
Patrick McGovern ist Moläkularbiologe und hat es sich mit der Brauerei Dogfish Head als Mitstreiter zur Aufgabe gemacht, Biere aus Zeiten von vor 2000 wieder zum Leben zu erwecken. Alles begann damit, dass McGovern Rückstände in alter Keramik von archäologischen Ausgrabungsstätten der ganzen Welt gefunden hat und darin Spuren von Zutaten entdeckte. Er erschloss sich so, was in dem Gefäß gewesen sein musste und hatte die Idee, den Inhalt selbst nachzubrauen. Das Bier „Midas Touch“ war der erste Streich, nachdem McGovern mit den Braueren von Dogfish Head vor rund 14 Jahren via Zufall zusammenkam. Seit damals rekreiert die Brauerei Biere aus Zeiten der Pharaonen, kreuzte Hefestämme, um eine möglichst authentische Hefeart zu erhalten, wie sie damals verwendet wurde und man orientierte sich an original peruanischen Rezepturen. Das genau Vorgehen erklärt Myles Carp auf Munchis, dem von uns gern gelesenen Kulinarikportal von Vice Magazin.
4) Irreführungen

Handwerklich produziert steht auf der Flasche, lokale Zutaten sollen darin enthalten sein. Und das Produkt stammt von einer kleinen Destillerie, die erst knapp ein Jahr alt ist. Aber wie aber kann sie 15 Jahre gereiften Whisky anbieten? Ein offensichtlicher Widerspruch in der Ausgangslage. Eric Felten deckte für The Daily Beast auf, dass sehr viele kleine Destillerien, die sich handwerkliche geschaffene Kleinstauflagen ihrer Produkte auf die Fahne geschrieben haben, ihren Alkohol von einer Großdestillerie in Indiana kaufen.
Dort wird auf Masse produziert, dann an die Kleinen weiterverkauft und die wiederum geben das Produkt als ihr eigenes weiter. Die Fabrik gehört MGP und bietet eine weite Selektion an Gin, Bourbon, Rye und vielem mehr an, für Unternehmen, die zwar verkaufen, aber nicht selbst brennen möchten. Erstaunlicherweise greifen selbst Multis wie Diageo für ihre Marke Bulleit offenbar auf Destillate von MGP zurück.
5) From East Coast to West Coast – Herr Meehan zieht um
Jim Meehan zieht um. Raus aus New York und ab Anfang August wird er Portland seine Heimatstadt nennen. Neuer Postleitzahl, neues Leben. Einen Teil der Fäden der PDT Bar hält laut eigener Aussage aber auch weiterhin in den Händen und die Arbeit mit Nachfolger Jeff Bell soll eine enge bleiben. Meehan will auch weiterhin oft in New York sein. Und die Pläne für Portland? Vielleicht eine neue Bar eröffnen. Aber vorerst will er die Stadt kennen lernen und sich an die Westküstenluft gewöhnen, so heißt’s bei Hillary Dixler für Eater. -SL
6) Selbstgebranntes aus Deutschland
Deutsche Spirituosen boomen und Katja Kasten hat für Spiegel Online mit einigen jungen, deutschen Gin-Herstellern gesprochen. Korbinian Achternbusch von Feel! Munich Dry Gin zum Beispiel ist untertags Textilreinigermeister und abends brennt er seinen Gin. Ähnlich verhält es sich bei der Erfolgsgeschichte von Monkey 47. Schauplatz Schwarzwald: Alexander Stein und Christoph Keller, im Leben davor Nokia-Manager und Kunstbuchverleger, dann folgte die Umorientierung zum Gin-Hersteller.
Die Ausbildung zum Destillateur in Deutschland ist heiß begehrt und erfährt aus den Nachbarländern steigenden Zulauf. Wie es weiter geht mit dem florierenden Spirituosengeschäft aus lokaler Produktion steht offen, deshalb arbeitet einer der Befragten auch mit seinem Informatikstudium an einem zweiten Standbein. – SL
7) Über Zweitkarrieren
Acht Bekanntheiten aus der Film- und Fernsehbranche waren auch mal Bartender und bei Liquor.com werden sie vorgestellt. So hat Schauspielerin Sandra Bullock während des Schauspielstudiums in einer Bar gearbeitet und beurteilt das rückblickend als eine sehr positive Erfahrung für ihren weiteren Werdegang. Durch den Kontakt mit vielen verschiedenen Kunden habe sie die unterschiedlichen Akzente besser erlernen können. Ellen De Generes wuchs in New Orleans auf und war dort ebenfalls als Bartender tätig. Sie hielt sogar bei der Abschlussfeier eines Jahrgangs der National Bartender School eine Rede mit Ratschlägen wie diesem: “Bei Wermut verhält es sich wie bei einem billigen Parfum. Selbst eine kleine Menge setzt sich durch.” – SL
8) Malibu präsentiert seine Sommer-Kampagne
Fernsehwerbung, die bis Mitte August läuft und eine Online-Kampagne sollen Malibu in die Gläser der Durstigen bringen. Im ersten Schritt rief Malibu dazu auf, eine “Malibu-Sommer-Wunschliste” um persönlichen Traumerlebnisse zu ergänzen. Die Teilnehmer konnten dabei täglich MyDays-Erlebnisgutscheine im Wert von 300 Euro gewinnen. Über eine Facebook-App wurde dann aus umfangreichen Vorschlägen toller Sommererlebnisse der „Wunschsommer“ kreiert. Die ausgewählten Aktivitäten können mit zwei Freunden zusammen erlebt werden. Ein „Video Clip Maker“ generiert daraus ein Video, das bei Facebook geteilt werden kann. Anfang August wird das Gewinnervideo ermittelt. Für die TV-Kampagne und das Facebook-Gewinnspiel ist die Agentur Zum goldenen Hirschen Köln verantwortlich.

Designer und Malibu-Markenbotschafter Manuel Cortez hat für die karibische Marke jetzt die erste T-Shirt-Kollektion in seinem Berliner Atelier designt. Großflächige Blumenmuster, Palmen, Kokosnüsse und Flamingos sind die Motive.

Credits

Foto: Mann am Telefon via Shutterstcok

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