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Inventur

Inventur am 7. Februar 2021 – Lockdown: Mietminderungen für Gastronomen doch möglich

Für alle Footballfreunde unter unseren Lesern dürfte das ein eigenartiger Super-Bowl-Sunday werden. Denn mittlerweile ist das Finale der NFL – in den USA mehr oder minder eine Art inoffizieller Nationalfeiertag – auch auf dieser Seite des Atlantiks ein häufiger Anlass zum ausgelassenen Beisammensein, traditionell natürlich bei Chicken Wings und dem einen oder anderen Bier. Wenn allerdings heute Nacht die Tampa Bay Buccaneers auf die Kansas City Chiefs treffen, dürften sich die meisten Zuschauer wohl höchstens via Zoom oder Skype mit ihren Freunden zuprosten – die noch immer geltenden Coronaregeln machen’s nötig. Umso skurriler mutet es da an, dass die NFL laut Aussage vom 1. Februar tatsächlich rund 25.000 Menschen ins Stadion lassen möchte. Aber dazu äußern wir uns nicht, wir schauen lieber, welche Themen und News die Woche sonst noch so gebracht hat rund um Bars, Drinks und Genuss.

150 Jahre Zwiesel Glas

Pachtminderung wegen Corona: neue Möglichkeiten für Bars

Sie gibt nicht auf, sie wird nicht leiser: Schon seit Beginn der Coronakrise zeigt sich die Berliner Barbesitzerin Susanne Baró Fernández als unermüdliche Aufklärerin in juristischen Fragen, sammelt und bündelt nützliche Informationen für Wirte und zeigt sich ganz generell als ein Sprachrohr der Barszene. Dafür wurde sie im Herbst 2020 mit dem MIXOLOGY-Community-Preis als „Leuchtturm“ ausgezeichnet.

Einen extrem wichtigen Punkt hat Baró Fernández am Donnerstag angesprochen: Mit Wirkung zum Jahr 2021 hat der Gesetzgeber neue Rahmenbedingungen geschaffen, die dafür sorgen könnten, dass Wirte die Miete bzw. Pacht für ihre derzeit geschlossene Fläche aufgrund der behördlich angeordneten Schließung anteilig mindern dürfen. Bisher fehlte dafür die Rechtsgrundlage, die Vermieter waren – salopp gesprochen – fein raus. Auf ihrem Facebook-Profil legt Susanne Baró Fernández das Thema detailliert dar, auf der Seite ihrer Bar Timber Doodle finden sich ergänzend direkt mehrere Musterbriefe als Download. Eine weitere großartige Leistung dieser unermüdlichen Frau, finden wir!

Empirical Spirits sagt ein letztes Mal „Fuck Trump“

In liberalen Kreisen (und durchaus auch in der Bar- und Spirituosenszene) war es eins der kontroversesten, meistbesprochenen Produkte der letzten Jahre: Das Chili-Destillat „Fuck Trump and His Stupid Fucking Wall“ aus der dänischen Experimentalbrennerei Empirical Spirits – angelehnt an Donald Trumps zentrales, nie vollendetes Wahlversprechen, eine Grenzmauer zu Mexiko zu errichten und damit die Einwanderung aus Zentral- und Südamerika in die USA einzudämmen.

Seit der Lancierung der ersten Charge waren alle Auflagen des Koji-fermentierten Brands aus südamerikanischen Habanero-Chilis und Gerstenmalz jeweils in kürzester Zeit ausverkauft – der politisch motivierte Name dürfte daran einen stattlichen Anteil gehabt haben. Mit dem Ausscheiden von Donald Trump aus dem Weißen Haus am 20. Januar hat Empirical Spirits das letzte Batch der Sorte abgefüllt. Das Punch Magazine blickt zurück auf die Historie des Produkts und schaut gemeinsam mit den Machern in die Zukunft.

Bruichladdich sagt der Geschenkdose den Kampf an

Die zylindrisch geformte, oft sogar metallene Geschenkdose um eine Flasche Single Malt ist noch immer extrem weit verbreitet – besonders ab dem höheren Preissegment. Dabei stellt sich berechtigterweise die Frage, wie notwendig eine solche Umverpackung noch ist in einer Welt, in der Abfallvermeidung und Ressourcenschonung immer zentralere Themen werden.

Die Bruichladdich-Destillerie auf der schottischen Insel Islay jedenfalls geht nun den nächsten Schritt auf ihrem Weg in eine nachhaltige Zukunft: Ab sofort sind die Geschenkdosen für alle Bruichladdichs nur noch ein optionaler Teil der Produktausstattung, der Kunde kann sich beim Kauf bewusst dafür entscheiden, normal ist die Verschiffung ohne Dose. Laut Bruichladdich – letztes Jahr übrigens als sogenannte „B Corporation“ ausgezeichnet – erzeugt allein die Produktion einer einzigen Geschenkdose rund 1 Kilogramm CO2, der energetische und finanzielle Aufwand für den Transport noch gar nicht einkalkuliert.

Die Schokolade, die nicht Schokolade heißen darf

Das deutsche Lebensmittelrecht hat sein neuestes Kuriosum: Wie der Berliner Tagesspiegel am Freitag berichtete, darf der deutsche Traditionshersteller Ritter Sport seine neue Sorte Cacao y nada in Deutschland nicht als „Schokolade“ vermarkten. Der Grund ist skurril, denn das Produkt enthält einen hohen Kakaoanteil und schmeckt wie Zartbitterschokolade. Die Crux liegt jedoch in der Süßung: Diese wurde nämlich mit dem Saft der Kakaofrucht vorgenommen – daher auch der Name, der übersetzt so viel bedeutet wie „Kakao und sonst nichts“.

Tatsächlich ist die neue, limitierte Ritter Sport also mehr Schokolade als die meisten anderen Produkte am Markt. Das hiesige Lebensmittelrecht schreibt jedoch eine Süßung mit Zucker- bzw. Zuckerersätzen vor. Nach Diagnose von Ritter Sport selbst scheint der Kakakofruchtsaft nicht in dieses Raster zu passen, so dass das Produkt nun anderweitig bezeichnet wird. Wir erinnern uns an die peinliche „Limonade oder nicht?“-Affäre um den Bio-Hersteller Lemonaid und denken einmal mehr: Das deutsche Lebensmittelrecht scheint auf vielen Ebenen einer Überarbeitung zu bedürfen.

Credits

Foto: Everett Collection – shutterstock.com

Comments (1)

  • Whiskydrinker

    Die Geschenkdosen aus Blech bekommen bei mir eigentlich immer ein zweites Leben als Aufbewahrungsdose für Kleinteile, Weihnachtsschmuck und so Zeugs.
    Was mich bei Spirituosenumverpackungen wirklich aufregt, sind diese Verbundverpackungen aus Karton und Blech. Diese typische Pappröhre mit einem Boden aus Blech findet man ja öfters auch gerade bei Whisky.
    In die Altpapiertonne kann man sie nicht mit gutem Gewissen werfen. Und in die Tonne für die restilichen Verpackungen passt sie auch nicht so recht. Also muss man jedesmal das Dinge mühevoll zerlegen und dann jeweils passend wiederverwerten.
    Dann doch lieber einen einfache Faltschachtel, die man dann flach zusammengelegt in die Altpapiertonne gibt.

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