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Inventur am 10. April 2016

Inventurzeit! Und Frühling! Ein guter Sonntag, das finden wir auch. Heute hören wir auf Jeffrey Morgenthaler, freuen uns auf die Cocktail Week in Lissabon und küren eine Gewinnerin.

Noch zwei Wochen hin, aber am besten jetzt schon im Kalender rot einkreisen: am 23. und 24. April 2016 findet zum fünften Mal die Destille Berlin statt, eine Messe für “handgemachte Spirituosen, regional verankert und aus natürlichen Zutaten”. Ort des Geschehens ist die Heeresbäckerei in Kreuzberg, ein Ein-Tagesticket kostet € 8 und ein Ticket für alle beide Tage ist für € 14 zu haben. Hier gibt es alle Infos rund um die Aussteller und hier geht es zu allen anderen wichtigen Infos. Wir sehen uns dort!

1) Lisbon Calling

Berlin, Moskau, London – und jetzt auch Lissabon. Die portugiesische Hauptstadt bekommt in diesem Jahr zum ersten Mal ihre eigene Cocktail Week. Eigentlich sogar mehr als eine “Week”, denn an insgesamt elf Tagen vom 22. April bis zum 1. Mai 2016 wird dort der Welt der Spirituosen und Cocktails gehuldigt. Die Lisbon Cocktail Week erstreckt sich auf die gesamte Stadt und wird nicht nur an einem Ort stattfinden. Es wird um Foodpairing gehen, auch Cocktailwettbewerbe, Workshops und Seminare soll es geben. Ein volles Programm!

Neben den teilnehmenden Bars und Restaurants soll es auch die “Unexpected Cocktails” geben, die an Orten wie etwa Buchhandlungen oder bei Friseuren präsentiert werden. Insgesamt will sich die Lisbon Cocktail Week der Welt der Spirituosen von einem kreativen Standpunkt, der auch Fotografie oder Musik nicht ausschließt, annähern. Es klingt ungewöhnlich, was die Portugiesen da planen. Wir sind auf jeden Fall vor Ort, hier gibt es mehr Informationen zu der Veranstaltung.

2) Eine Gewinnerin

In der steierischen Hauptstadt fand vergangene Woche das Österreich-Finale der Olmeca & Olmeca Altos Cocktail Competition statt und eine Linzerin holte sich den ersten Platz. Mauela Lerchbaumer aus der Herberstein Bar überzeugte die Jury, bestehend aus der Vorjahresgewinnerin Andrea Hörzer (DieBank Bar), Heinz Kaiser, Patrick Seppä (Global Olmeca & Olmeca Altos Brand Ambassador) und Marcus Philipp (Albertina Passage) im Grazer Landhauskeller.

Lerchbaumer darf nun zum globalen Finale des Wettbewerbs nach Mexiko reisen und dort ihr Können erneut unter Beweis stellen. Der Wettbewerb wird jährlich von der Tahona Society veranstaltet, einem weltweiten Netzwerk aus Bartendern, das regelmäßig Schulungen und Seminare zur Aufrechterhaltung der klassischen Tequila-Kultur veranstaltet. Zum Sieg verhalf der Bartenderin ihr intensiv-würziger Drink “Manucodiata”:

“Manucodiata”

4 cl Altos Plata Tequila
0,5 cl Ingwersirup
3 cl Limetten-­Hibiskussirup (hausgemacht)
0,5 cl Aronia
2 Blätter Zimtbasilikum

3) Eine Renaissance

Die Whiskymarke Monkey Shoulder bringt in den Vereinigten Staaten Konga Shakers hinter die Bar – und zwar nur exakt 250 Stück davon. Was ist das, fragen Sie? Der Konga Shaker hat rotierende Griffe an der Seite, was den Drink eher gerollt als geschüttelt aus dem Shaker fließen lässt und da er deutlich größer ist als die üblichen Shaker können drei bis vier Drinks gleichzeitig zubereitet werden. Der Konga Shaker war übrigens schon einmal sehr modern und zwar in den 1930er Jahren.

Aus dem Hause Monkey Shoulder heißt es, man sei darum bemüht, Whiskey an der Bar zugänglicher zu machen und generell wieder die übertriebene Ernsthaftigkeit am Tresen zu entschärfen. Wir sind uns nicht ganz sicher, wie das gemeint ist – und was das über die Handhabe des Konga sagt. Der Shaker selbst ist als Fortsetzung des “iSpoons”, einer Teleskop-Barlöffels (ebenfalls von Monkey Shoulder, aus dem Jahr 2014) zu verstehen.

4) Über die Definition von Authentizität

Der großartige Jeffrey Morgenthaler teilt einmal mehr großartig aus. Für den US-amerikanischen Playboy verfasste der Bartender seine Ansichten zum Thema “authentische Cocktails”. Genauer: es geht darum, dass zunehmend eine gewisse selbsternannte Cocktail-Elite unter den Gästen in seine Bars käme, die besser als jeder Bartender wüssten, wie ein Drink “authentisch” gehöre. Als Beispiel nimmt er hier den Whiskey Sour, der – wenn man sich ganz genau an seiner Entstehung entlang hangelt – eigentlich in einem Sour-Glas (etwas kleineres Weinglas) und ohne Eis serviert werden sollte. Was allerdings entgegen der Gewohnheit der meisten geht. Morgenthaler will uns mit dem Text darauf hinweisen, dass es Zeit ist, sich von der Obsession gegenüber dem, was angeblich “Authentizitaät” meint, Abstand zu nehmen. Denn natürlich wandelt sich der Begriff mit der Zeit und der Entwicklung der einzelnen Drinks. Insgesamt ein lesenwerter Artikel, der zum Nachdenken anregt. Ganz, wie es sich für einen “echten” Morgenthaler gehört, natürlich auch mit einer ganzen Menge Unterhaltungswert!

5) Academia del Ron: der Gewinner

Vergangene Woche fand in der Villa Rheinperle in Duisburg das Finale der Academia del Ron 2016 von Havana Club statt und wir dürfen einen Gewinner bekannt geben. Der eine oder andere aufmerksame Leser hat vermutlich bereits auf unserer Facebook-Seite die Live-Berichterstattung mitverfolgt, aber nun auch noch einmal hier: Lars Bender aus dem Kölner Suderman konnte sich gegen 17 andere Finalisten durchsetzen und ist der Gewinner der siebten Ausgabe der Academia del Ron. Mit seinem Cocktail “Lágrima” konnte er die Jury überzeugen, jetzt geht es für Bender weiter in Havana beim internationalen Finale des Havana Club International Cocktail Grand Prix. Die Jury in Duisburg setzte sich aus Meimi Sanchez (Global Brand Ambassador Havana Club), Dennis Zoppi, den Cocktailhistorikern Anistatia Miller und Jared Brown, The Parlour-Inhaber Yared Hagos und Vorjahressieger Marian Krause zusammen. Neben dem klassichen Cocktailwettbewerb gab es – wie immer bei der Academia – durch mehrere Seminare und Vorträge auch wieder umfangreiche Möglichkeiten zur Fortbildung für die Bartender. Den zweiten Platz holte sich Matthias Ingelmann (Ostbar, Bamberg), Platz belegte Competition-Routinier Torsten Spuhn (Modern Masters, Erfurt). Wir gratulieren ganz herzlich!

Hier der Siegerdrink von Lars Bender.

„Lágrima”

5 cl Havana Club Selección de Maestros
2 cl Belsazar Rosé Wermut
2 Dash The Bitter Truth Chocolate Bitters
1,5 cl Kokosnuss-Reduktion
Schladerer Himbeergeist (im Zerstäuber)

Glas: Cocktailschale

Garnitur: Grapefruitzeste

Zubereitung: Rum, Wermut, Bitters und Kokosnuss-Reduktion in einem Rührglas mit viel Eis kalt rühren. In eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen. Mit der Grapefruit-Zeste abspritzen und garnieren sowie mit einem Nebel aus Himbeergeist benetzen. Salud!

* Kokosnuss-Reduktion: 500 ml Kokosnusswasser in einen Topf geben und bei hoher Hitze auf 50% reduzieren, von der Flamme nehmen, 125 g weißen Rohrzucker dazugeben, verrühren und in eine Flasche abfüllen. Ergibt circa 450 ml. Gekühlt mehrere Wochen haltbar.

Credits

Foto: Herren via Shutterstock.

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