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Inventur am 10. Juli 2016

The Flaming Lips machen plötzlich Whiskey?! Außerdem schauen wir nach Oslo zu den Gewinnern der Nordic Bar Awards und auf den ersten Berliner Open Air Bar Market.
Und dann gibt es ja noch Neuigkeiten aus dem Hause The Bitter Truth. 

Treffpunkt Vabrique in Berlin-Kreuzberg. Wir sind schon ganz aufgeregt, denn am 14. Juli 2016 ist es soweit: Der allererste Open Air Bar Markt wird sich auf gut 1.000 Quadrametern erstrecken und die Besucher an dem Samstag mit Drinks und Streetfood versorgen. Klingt alles gut, aber was passiert da genau? Berliner Bars, darunter das Reingold, die Bar am Steinplatz, das Prinzipal als Kiezmatador und das Buck & Breck, die Neuköllner Thelonious Bar und noch so einige mehr werden ihre Cocktails mit- und unter die Gäste bringen. Dazu gibt es – klar – Musik und auch den einen oder anderen Happen von ausgewählten Streetfoodanbietern der Hauptstadt. Wir sehen uns dort. Hier gibt es nochmal alle Details.

Die Nordic Bar Awards 2016

Wir haben kurz vor der Olso Bar Show bereits hier bei MIXOLOGY ONLINE darüber berichtet – vor Ort waren wir leider nicht. Aber nächstes Jahr dann! Dafür haben wir hier die Gewinner der Nordics Bar Awards 2016, die im Zuge der Messe vergeben wurden, für unsere verehreten Leser. Abgestimmt wurde ohne weitere Eingrenzung online ganz im Sinne von „People’s Choice“ in insgesamt sieben verschiedenen Kategorien. Unter Angabe von Vor-und Nachname konnte jeder, der gewillt war seine Meinung abzugeben, für seinen oder ihren Favoriten auf der Seite der Oslo Bar Show abstimmen. Wir haben die Gewinner zusammengefasst, das Ergebnis sieht aus wie folgt.

Best New Opening – Pigalle

Best High Volume Bar – HIMKOK

Best Bartender – Moe Aljaff

Best Cocktail Proogram – HIMKOK

Best Bar – Raus

Nordic Bartender of the Year – Moe Aljaff

Nordic Bar of the Year – Linie Tio / Tjoget

Hine geht nach Hamburg: Cognac für Borco

A la Santé, wie der Franzose sagt: mit dem 15. Juli 2016 übernimmt Borco Markenimporte den Deutschlandvertrieb des Hine Cognacs. Das schließt den “H by Hine VSOP”, den “Rare VSOP”, den “Hine Cigar Reserve”, “Domaines Hine Bonneuil 2006” und den teuersten aus der Reihe, den “Antique XO Premier Cru” mit einem Preis von rund 170 Euro ein. Hine an sich blickt auf eine 253-jährige Geschichte zurück und die Hamburger reihen mit dem Hine den zweiten Cognac in ihr Portfolio (der andere Cognac bei Borco ist der Prince Hubert de Polignac). Man spricht bei Borco in Sachen Ziele für Hine vom Bewahren der langjährigen Tradition und vom Ausbau der Distributionskanäle. Quelle surprise!

Ein bisschen Rye und Rock

Es gibt unzählige Kollaborationen zwischen Spirituosenproduzenten und Musikern – man denke an Justin Timberlake mit seinem Sauza 901 Tequila, an Puff daddy aka P Diddy un seinen De Leon Tequila und noch ein paar weitere mehr oder weniger erfolgreiche Kollabos. Jetzt heißt es Bühne frei für einen Rye, der in Zusammenarbeit zwischen den Flaming Lips und F.E.W. Spirits entstanden ist. Die experimentellen Altrocker haben sich explizit die Destillerie heraus gesucht, und nachdem deren Gründer, Master Distiller und CEO Paul Hletko selbst großer Fan ist, hat er da auch keine Sekunde überlegen müssen. Für den Brainville Rye (klingender Name!) werden neben Roggen auch Mais und gemälzte Gerste verwendet – alle drei Getreidesorten stammen aus einem Umkreis von nicht mehr als 150 Meilen rund um die Destillerie in Chicago. Wie zu erwarten, wird es nur eine limitierte Anzahl des Rye geben: Begrenzt auf 5.000 Flaschen, kommt der Brainville mit 40% Vol. und zu einem doch etwas knackigen Preis von rund 125US-Dollar in Umlauf. Muss man wollen.

Da schau an: The Bitter Truth mit Jubiläums-Reihe!

Es fühlt sich nicht wirklich so an, aber das ehemalige deutsche Start-up The Bitter Truth feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Was in dieser Dekade aus den Liebhaber-Produkten der beiden Bartender Stephan Berg und Alexander Hauck entstanden ist, liest sich wie ein fast beispielloses Märchen aus den Zeiten der Bar-Renaissance. The Bitter Truth gehört heutzutage, neben den „alten“ Riesen wie Angostura, Peychaud’s oder Fee Brothers, zu den wichtigsten Namen im globalen Bitters-Geschäft und genießt einen vortrefflichen Ruf.

Ein besonders Geschenk macht die Marke zum runden Wiegenfest auch ihren Kunden mit der limitierten Drops & Dashes-Edition. Vier besondere, selbstverständlich komplett natürlich hergestellte Bitters im eleganten Glasdekanter greifen mit ihren Aromen die vier wichtigen Lebensstadien eines Baumes auf: Von „Root“ über „Wood“ und „Blossom“ bis „Nut“ sollen die neuen, begrenzt verfügbaren Tinkturen für Wachstum und Kreislauf stehen. Erhältlich sind die Bitters für jeweils rund 14 Euro bei guten Fachhändlern, ein feines Video, produziert von Living Room Pictures, macht Lust auf einen Drink mit den Jubel-Bitters.

Die Rechnung bitte: Wolfram Siebeck ist tot

Die Woche endete mit einer traurigen Nachricht: Wolfram Siebeck, seit Jahrzehnten ohne jeden Zweifel der wichtigste Deutsche Restaurantkritiker und Kulinarik-Autor, ist im Alter von 87 Jahren nach „kurzer, schwerer Krankheit“ gestorben, wie seine Frau Barbara mitteilte. Siebeck, ursprünglich aus dem klassischen Feuilleton stammend, war in den 1970er Jahren der erste Deutsche, der sich intensiv – auch öffentlich – mit der klassischen französischen Hochküche auseinandersetzte und ein neues Bild vom Kochen auch in Deutschland zu propagieren begann. In den Folgejahren entwickelte sich Wolfram Siebeck mit seiner typisch-spitzzüngigen Art und seinen präzisen Beobachtungen zum einflussreichsten deutschsprachigen Kritiker und Meinungsbildner der Gourmetszene, die er mit seinen Texten und Standpunkten nachhaltig prägte.

Aus flüssiger Sicht galt Siebecks Liebe zuallererst dem Wein, im Sommer auch manchmal kaltem Bier, weil „Wasser immer so etwas Läppisches hat“, wie er in einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstages einmal zu Protokoll gab. Cocktails und Bourbon bezeichnete er einst als zwei schlimme kulinarische Verbrechen der USA, gleichzeitig pflegte er auch eine Freundschaft zu Charles Schumann und war durchaus immer mal wieder in dessen Münchener Bar zu Gast. Noch in der Nacht zu Freitag – nur wenige Stunden nach Bekanntwerden von Siebecks Tod – veröffentlichte der Koch, Food-Journalist und Blogger Stevan Paul, der auch seit vielen Jahren als Autor für MIXOLOGY aktiv ist, einen sehr persönlichen und anschaulichen Nachruf auf diesen großen, nun verstorbenen deutschen Gourmet-Papst.

Credits

Foto: Foto via Shutterstock.

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