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Inventur am 10. März 2019 — Phil Duff und die Tales & Zoff in der Markthalle Neun

Phil Duff zieht sich bei den „Tales“ zurück und in der Berliner Markthalle Neun gibt es erneut Zoff. Um Gentrifizierung geht es auch in einem Text vom Betreiber der Lugosi Bar – allerdings mit einem erfrischenden Blickwinkel. Und was hat eigentlich ausgerechnet der Flughafen Kassel mit einem Gin-Weltrekord zu tun?

Seit Aschermittwoch ist es Schluss mit Alaaf, Helau und Trallala. Seit einer Woche auch im Lannis S52: Der bunte Berliner Gastrohund Andreas Lanninger wollte die Party-Bar aufgrund eines neuen Mietvertrages mit saftiger Mieterhöhung sowieso zusperren und rief daher vergangenen Sonntag zur letzten Clubsitzung in die Schlüterstraße. Dieses letzte Abfeiern wollte sich auch die Berliner Polizei nicht entgehen lassen und mischte sich mit richterlichem Dursuchungsbeschluss und Staatsanwalt, wie ein Gast gegenüber der B.Z. bekundet, unter das Partyvolk, das daraufhin wahrscheinlich keine Lust mehr zu feiern hatte. Ging auch nicht mehr, denn der Laden wurde früher als erwartet geschlossen.

Gentrifi-what? Gründer der Lugosi Bar bezieht eindeutig Stellung

Seit acht Jahren führt Behzad Karim-Khani die Lugosi Bar in der Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg. Die damalige Möglichkeit, seine Bar auch am Kottbusser Damm in A-Geschäftslage zu etablieren, hatte er bewusst ausgeschlagen. Zu teuer wäre die Miete gewesen, die er folglich mit extremen Cocktail-Preisen an seine Gäste weitergeben hätte müssen. Das wollte er nicht. Lieber einen Laden – eben die Lugosi Bar – in damaliger C-Lage, die mittlerweile zur B-Lage „avanciert“ ist. Diese Entwicklung, gekennzeichnet durch Gentrifizierung, steigende Mietpreise bei Wohnungsknappheit und überhöhter Nachfrage, Billigläden, Waxing und Nagel-Studios, wirkt sich auch auf seine Außenwahrnehmung als Bartender aus: „Ich bin einer dieser Typen, die Hipstergastronomen genannt werden“, schreibt er sich seinen Ärger über die so genannte Hipster-Gastronomie, angeblich „bunte“ Kieze, Gentrifizierung und Missgunst in tipBerlin von der Seele.

Markthalle Neun: „House Of Food“ vs. Aldi

Der seit 1977 in der Kreuzberger Markthalle Neun ansässige Aldi-Markt soll durch einen Drogeriemarkt der Kette dm ersetzt werden, weil laut Halle-Betreiber deren Unternehmensphilosophie besser zum Markthalle-Konzept passe. Auch der Gästewunsch nach Babynahrung oder Putzmittel sei ein Argument für den Aldi-dm-Tausch, der sehr zum Ärger langjähriger Besucher der Halle mit den Motti „Halle für Alle“ oder „gutes Essen für alle“ passiert – Besucher, die auf Angebote im Niedrigpreissegment angewiesen sind. Als Vorbild der Markthalle Neun gilt das „House of Food“ in Kopenhagen, eine städtische Institution, die in über 1.000 kommunalen Küchen für saisonales Essen bei Verzicht auf Convenience in Bildungs-, Gesundheits- und Verwaltungseinrichtungen zuständig ist. „Wäre schön, wenn es uns gelänge, das Projekt nach Kreuzberg zu holen, weil es letztendlich die Antwort auf Aldi ist: Gutes Essen für Alle“, erklärt Nikolaus Driessen von der Markthalle Neun gegenüber dem Tagesspiegel.

Carlsberg öffnet die Tür nach Craft-China

Sie sind mit 20-Liter-Eimern, einer Handvoll Zutaten und dem Traum, das beste Bier Chinas zu produzieren, im Jahre 2012 an den Start gegangen. So schildern die Gründer der chinesischen Jing-A Brewery Alex Acker und Kris Li ihre Vision und die Anfänge ihrer kleinen Biermanufaktur in Peking, in der sie mit Ingwer und anderen chinesischen Kräutern und Gewürzen Bierstile wie IPA oder Stout interpretieren. Seit kurzem erhalten die beiden Brauer Unterstützung aus Dänemark. Der Carlsberg-Konzern mit Sitz in Kopenhagen hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung an der kleinen Jing-A Brauerein eingeklinkt. Durch diesen Kontinentalschritt bekundet Carlsberg sein Interesse an dem wachsenden Markt des handwerklich hergestellten Bieres in China und ist damit nicht alleine. Heineken hat bereits im Vorjahr mit einer 40-prozentigen Beteiligung in China Resources Enterprise seinen Anker im Bier-Reich der Mitte gesetzt.

Ein Gin-Weltrekord – in Kassel?!

Die große Nachfrage und der stete Ticketausverkauf der Tasting-Reihe „Beef & Gin“ hat die Hospitals Kellerei dazu veranlasst, ihre laufende Veranstaltungsreihe ein wenig zu modifizieren und mehr daraus zu machen. Aufgrund der großen Resonanz plant der Kasseler Fachhandel für Wein, Champagner und Spirituosen einen Gin-Tasting-Weltrekord zu initiieren. Dieser soll am 14. September 2019 im Flughafen Kassel/Calden über die Bühne gehen. Die Destillateure der vier zu verkostenden Gins und ein Hamburger Richter zur Rekordabnahme werden vor Ort sein. Der familiengeführte Betrieb in dritter Generation rechnet mit maximal 450 Teilnehmern. Die Tickets für die sodann gin-tastische Flughafengesellschaft sind demnächst,  weitere Informationen unter hospitals-kellerei.de erhältlich.

Tales Of The Cocktail: Phil Duff nimmt seinen Hut

Von Irland aus zog es Philip Duff an die unterschiedlichsten Bartresen auf der Welt. Er agierte als Markenbotschafter von Bols, Berater der Spirituosenindustrie, Netzwerker und Autor, so auch mehrere Jahre bei MIXOLOGY. In den vergangenen sechs Jahren zeichnete Philip Duff unter anderem als Ausbildungsdirektor bei der Tales of the Cocktail Foundation verantwortlich. Diese Funktion legt er nun nieder. Der Wahl-New-Yorker möchte sich zukünftig mehr seiner im Jahre 2017 gegründeten Spirituosenmarke Old Duff Genever widmen und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Duff wird der Organisation, deren Flaggschiff das jährliche Cocktail Festival in New Orleans ist, auf andere Weise verbunden bleiben. Das Festival Tales of the Cocktail findet von 16.-21. Juli 2019 statt.

Nordic Beverage Competition 2019: Treffpunkt für Hersteller und Interessenten

Ein Spirituosen- und Weinwettbewerb, der Hersteller von Spirituosen, Wein und Schaumwein sowie Händler und Interessenten zusammenführen will, feiert mit dem Fokus auf Nordeuropa eine neu auferlegte Premiere. Die Nordic Beverage Competition ist ein Wettbewerb, der vor allem jungen Herstellern und neuen Marken den Eintritt in die Branche, an den Tresen, ins Ladenregal sowie zu den Interessenten erleichtern soll. Einkäufer, Importeure, Sommeliers oder Fachjournalisten aus vorwiegend nordeuropäischen Ländern bilden ein Jurorenteam, das eingereichte Produkte blind verkostet, anhand bestimmter Kriterien bewertet und die gebündelten Ergebnisse und Geschmackserfahrungen aller vereint, um folglich Händler und Hersteller leichter zusammenzuführen. Bis zum 31. März können sich Hersteller mit ihren Produkten noch registrieren. Weitere Informationen dazu gibt es unter auf der Website.

Die Arbeitswoche war kurz in Berlin. Grund dafür ist der zu Jahresanfang im Abgeordnetenhaus zum Berliner Feiertag erhobene Internationale Frauentag oder Weltfrauentag am 8. März. Mit diesem Tag will Berlin ein Signal für die Forcierung der Gleichstellung zwischen Mann und Frau, ein Zeichen gegen Gewalt und Ungerechtigkeit setzen. Ein Signal, das seit 1921 als internationaler Frauentag fest verankert gilt, dessen Laut konstant und weltweit zu hören sein muss.

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Foto: Shutterstock

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