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Inventur 11. August 2019

Inventur am 11. August 2019 – Chartreuse is the new Orange & ein künstlicher Sensor ermittelt Whisky-Imitate

In der dieser Woche blicken wir nach San Francisco, wo Paul Nolan seit 43 Jahren die Hausspezialität Irish Coffee mixt – 25 Stück auf einmal. Wir haben einen Bericht über ein Kuriosum namens Chartreuse Orange entdeckt, sowie ein lesenswertes Interview mit Uwe Lübbermann von Premium. Außerdem haben Wissenschaftler in Glasgow einen Sensor entwickelt, der Whiskyfälschern das Handwerk legen soll. Wir wünschen viel Spaß bei der sonntäglichen Lektüre!

Fünf Millionen Irish Coffees in 43 Jahren

In der Welt der Gastronomie und Bar kommt es heute nicht mehr allzu oft vor, dass Mitarbeiter und Bartender die Geschichte ihrer Wirkungsstätte über zig Jahre mitgestalten und in ihrer Funktion nach Innen wie nach Außen prägen. Paul Nolan aus dem Buena Vista Cafe in San Francisco scheint ein solch selten gewordener Bartender zu sein. Seit 43 Jahren verrichtet der 67-Jährige seinen Dienst in dem populären Eckladen an der Hyde Street, der vor allem für seine Irish Coffees eine hohe Anziehungskraft besitzen soll. „Ich kümmere mich an jedem Tag wahrscheinlich um 80 Prozent aller erwünschten Getränke“, sagt Nolan in einem Gespräch mit SF Gate. Und das sind vorwiegend Irish Coffees. Von den im Buena Vista Cafe seit 1952 mehr als 40 Millionen zubereiteten Irish Coffees gehen alleine fünf Millionen auf Nolans Konto. Wie der Berkeley-Absolvent, der nach seinem Abschluss als Türsteher im Buena Vista Cafe begonnen hat, das gemacht und noch immer tut, lesen Sie hier.

Die Moral von der Premium-Cola-Geschichte

Es war einmal, als Uwe Lübbermann als treuer Fan von Afri Cola deren Rezeptänderung feststellt und dies als Kunde nicht hinnehmen will. Mit seiner Version der originalen Afri Cola gründet er Premium Cola – Herzstück der als Kollektiv firmierenden Marke Premium, die mittlerweile seit 17 Jahren funktioniert und auch Bioland-Pils, Holunderblütenlimonade und Mate anbietet. Sitz des Kollektivs ist das Internet mit einem gleichwertigen Zugang und Mitbestimmung für Gastronomen, Händler, gewerbliche Partner und Konsumenten. Jede Stimme und jeder Einwand sollen gehört werden, faires Wirtschaften gilt als oberstes Gebot, Mengenrabatte für Großhändler oder Logos auf den Flaschenetiketten gibt es nicht. „Wir wollen den Beweis liefern, dass Moral und Wirtschaft zusammen funktionieren. Wir leben eine sozialere, menschlichere und im Sinne der Umwelt nachhaltigere Wirtschaft vor und beheben die Konstruktionsfehler des Kapitalismus“, sagt der Premium-Gründer Uwe Lübbermann in einem Gespräch mit dem Spiegel, das wir gerne empfehlen möchten.

Chartreuse Orange als flüssiges Zeitdokument der 1970-Jahre – genießbar?

Seit über 400 Jahren produzieren die französischen Kartäusermönche der großen Kartause – La Grande Chartreuse – in Voiron bei Grenoble den weltbekannten Kräuterlikör Chartreuse. Natürlich nach geheimem Rezept. Charakteristisch ist seine grüne Farbe, sowie das Gelb der Chartreuse Jaune. Vor Kurzem ist Jordan Michelman auf eine andere, einfärbige Chartreuse-Edition auf Instagram aufmerksam geworden: Chartreuse Orange aus den 1970er-Jahren. Haben Sie jemals davon gehört? Geschmäcker sind unterschiedlich, und die Expertenmeinungen, ob eine in den 1970er-Jahren aus Chartreuse und Orangensaft fabrizierte Mischung heute noch genießbar ist, gehen auseinander. In einem Bericht arbeitet der Punchdrink-Autor die Historie eines flüssigen Zeitdokuments aus dem französischen Kloster unter Einbeziehung geschichtlicher Trinkgewohnheiten und Veränderungen auf.

Künstliche Zunge aus Gold und Aluminium ist Whisky-Falsifikaten auf der Spur

Je älter, limitierter, bekannter und seltener, desto besser: Rare Whiskys sind nicht nur Liebhabern und Sammlern ein kostbares Gut. Auch Anleger verfolgen die Spur des flüssigen Goldes und erwarten eine hochprozentige Wertsteigerung. Mit Whisky lässt sich Geld verdienen. Im Vorjahr ersteigerte ein Käufer aus dem Fernen Osten eine Flasche Macallan Valerio Adami 1926 erstmals für rund eine Million Euro. Wo sich viel Geld verdienen lässt, sind auch Betrüger nicht weit, schreibt der Spiegel in einem Online-Bericht über künstliche Zungen, die Whisky-Fälschungen schmecken und enttarnen.
Wissenschaftler um Alasdair Clark von der University of Glasgow haben nun einen Sensor entwickelt, der nicht nur Whisky-Marken und Altersklassen, sondern auch den Typ des Lagerfasses herausschmecken will, um Falschhändlern das Handwerk zu legen. Um die sensorische Zunge aus Gold und Aluminium zu beträufeln, müsste man allerdings die Flasche öffnen, um den Wert der inneren Werte zu erkennen …

Credits

Foto: Shutterstock

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