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Inventur am 22. Dezember 2019

Inventur am 11. Juli 2021 – O-Töne aus der Gastronomie & Russland „krallt“ sich Champagner

Heute, Sonntag um 21:00 Uhr, wird das Finale der Fußball-Europameisterschaft im Londoner Wembley-Stadtion angepfiffen. Das Spiel zwischen Italien und England ist das Ende einer seltsam blutleeren Veranstaltung, deren Austragung sich entkoppelt von der Lebensrealität vieler Menschen angefühlt hat – finden zumindest wir. Die 65.000 Zuschauer, die im Stadtion erwartet werden, sehen das vermutlich anders. In einem Land, in dem die Delta-Variante die Inzidenz-Zahlen jenseits der 200 getrieben hat, in der jedoch alle gängigen Corona-Maßnahmen ausgesetzt wurden, reicht im Übrigen ein Selbsttest zum Eintritt in das Stadion.

Währenddessen hat man in den Niederlanden, wo die Infektionszahlen in sieben Tagen um das Siebenfache gestiegen sind, bereits für einen Monat (bis zum 13. August) die Nachtgastronomie wieder geschlossen, Restaurants dürfen nur noch bis Mitternacht geöffnet bleiben. Eines scheint nach eineinhalb Jahren Pandemiebekämpfung klar: Die Schließung der Gastronomie als erste Antwort auf steigende Infektionszahlen ist mittlerweile so gesetzt wie das Amen im Gebet. Egal, was Studien sagen. Wir wollen nicht schwarzmalen, aber die Gastronomie und ihre Vertreter:innen tun gut daran, weiter auf sich aufmerksam zu machen und Bewusstsein zu schaffen. Der Sommer ist trügerisch, der Herbst ist schneller da, als man denkt. Unglücklicherweise sind die meisten Gastronom:innen aber damit beschäftigt, den Kopf über Wasser zu halten. Womit wir direkt bei unserem ersten Thema wären:

Die prognostizierte Personalnot

Die Zeit widmet sich in einem großen Dossier dem Thema, das viele aus der Gastronomie schon früh als Folge der Coronapandemie prognostiziert hatten: der Personalnot. In ehrlichen, ausführlichen und teils ergreifenden O-Tönen kommen drei Gastronom:innen zu Wort – einmal ein Restaurantbesitzer in München, einmal eine Restaurantbesitzerin aus Berlin und einmal ein Barbesitzer aus Rostock –, die ihren Kampf schildern, öffnen zu können, jetzt, da sie wieder öffnen dürfen. Denn vielfach ist das Personal abgewandert, hat sich in anderen Branchen etabliert oder – auch das eine Folge der Überlegungen, die viele Menschen in diesem gezwungenem Mehr an Zeit während des Lockdowns angestellt haben – wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten, sondern geben sich im Sinne der Work-Life-Balance mit weniger Arbeitsstunden und somit Lohn zufrieden. Die Folge: noch mehr Druck und Burnout-Gefahr für die Betreiber:innen. Absolut lesenswert.

Auch die Gastronomie in Großbritannien kämpft um Personal

Oben genannte Umstände treffen nicht nur auf Deutschland zu. Nicht viel besser sieht es in Großbritannien aus. Auf der Insel ist die Lage aufgrund der vielen ausbleibenden, ursprünglich ausländischen Arbeitskräfte, die traditionellerweise das Rückgrat der britischen Bar-Gastronomie bilden, noch schlimmer. Hinzu kommt der Brexit, der Anfang des Jahres offiziell vollzogen wurde und nun vielen Willigen die Einreise erschwert. „Personal zu finden ist ein absoluter Albtraum“, stöhnt auch Alex Kratena, der mit seiner Partnerin Monica Berg mit dem Tayēr + Elementary eine der prestigeträchtigsten Bars des Landes betreibt, im Gespräch mit The Spirits Business. Gleichzeitig hat die Organisation UK Hospitality einen 12-Stufen-Plan vorgelegt, um die Personalnot zu bekämpfen – und so manche sehen die Situation auch als Gelegenheit für einen Wandel zum Positiven, mit einer besseren Ausbildung, einem höheren Gehalt und mehr Augenmerk auf faire Arbeitsbedingungen. Ein Thema, das auch hierzulande stärker forciert gehört.

Russland sorgt für Empörung in Frankreich

Dass Russland nicht zimperlich ist im Durchsetzen eigener Interessen, erfahren nun auch französische Champagner-Hersteller. Wie diese Woche mehrere Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, berichteten, plant die russische Regierung ein Gesetz, das vorsieht, dass nur noch einheimische Produkte die Bezeichnung Champagner tragen dürfen, genauer „Schampanskoje“. Ausländische Produkte, darunter eben auch die Edelprodukte aus Frankreich, sind schlicht und profan als „Schaumwein“ zu deklarieren.

In einer ersten Reaktion setzte beispielsweise Moët-Hennessy seine Exporte nach Russland aus, nur um bald umzuschwenken und die bereits abgefüllten Flaschen neu zu etikettieren. Verwunderlich ist das nicht, denn von 50 Millionen Litern an Sekt und Champagner, die jedes Jahr nach Russland exportiert werden, stammen laut der russischen Zeitung Vedomosti etwa ein Siebtel aus Frankreich, wie die Süddeutsche zitiert. Ein Politikum, das bestimmt noch seine Kreise ziehen wird.

Der Aufstieg des Krypto-Cocktails?

Bereits in unserer letzten Inventur haben wir auf die neue NFT-Karte (non-fungible token) des Himkok in Oslo hingewiesen. Das Punch Magazine widmet dem Thema nun einen sehr interessanten und aufschlussreichen Beitrag und geht unter der Überschrift „Crypto Cocktails have arrived“ der Frage nach, inwieweit auch die Bar- und Cocktailszene vom Hype um die digitalen Unikate profitieren kann – und sollte. Die Protagonist:innen, die zu Wort kommen, sind davon überzeugt, erst die Spitze des Eisbergs gesehen zu haben und prophezeien auch Blockchain-basierten Cocktails, die nur einen Besitzer haben, eine große Zukunft. Dem gegenüber steht ein praktisch ungeschriebenes Gesetz der Cocktailwelt, nämlich dass es kein Copyright auf Rezepte gibt und geben sollte, sondern dass gerade die Option zur globalen Vervielfältigung das Wesen eines Drinks ausmacht. Taugen Drinks also tatsächlich zum digitalen Spekulationsobjekt? Ein Thema, das bestimmt noch Nachahmer:innen finden wird und das wir im Auge behalten werden.

Credits

Foto: Everett Collection – shutterstock.com

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