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Inventur am 11. Oktober 2015

Trotz stressiger Tage auf dem Bar Convent darf der sonntägliche Blick in die Geschehnisse der Spirituosenwelt nicht fehlen. Diesmal mit den besten Bars der Welt und zu wenig Prosecco. 

 Außerdem fragen wir wieder einmal, wie penibel manche Forscher bitte bei Werbung für Alkohol sein wollen. Und: auch das beschauliche Mainz bekommt sein erstes Craft Beer Festival. Willkommen zur Inventur!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Gerade ist der Bar Convent Berlin 2015 vorbei, die Station Berlin gerade einmal leergeräumt, da freuen wir uns schon wieder auf das kommende Jahr. Hinter uns liegen ereignisreiche Tage mit guten Drinks, neuen und alten Freunden sowie natürlich auch mit würdigen Preisträgern der MIXOLOGY BAR AWARDS. Nun aber wie immer am Sonntag: der Blick über den Tellerrand. Auch am Erholungs-Sonntag nach der MIXOLGY BAR WEEK wollen wir eine kurze Inventur wagen.

1) World’s 50 Best Bars: das Artesian bleibt vorne

Die Angestellten der beiden Berliner Flughäfen dürften sich jedes Jahr am Vormittag des Donnerstags nach dem BCB wundern: warum fliegen bloß so viele verkaterte von Berlin nach London? Eingeweihte wissen wiederum, dass parallel zum BCB auch die London Cocktail Week stattfindet, deren großer Höhepunkt stets die Kür der 50 besten Bars der Welt darstellt — stets am Donnerstag nach dem Bar Convent.

Was der FC Bayern in der Bundesliga (noch) nicht geschafft hat, nämlich vier Titel in Folge, können Alex Kratena und Simone Caporale aus der ohnehin weltberühmten Londoner Artesian Bar nun mit einem Häkchen in der To-Do-Liste versehen: auch 2015 findet man die beste Bar der Welt wieder im The Langham Hotel, da ist sich das über 400-köpfige Jury-Gremium einig. Ebenso bleiben die Plätze 2 und 3 unverändert, sie gehen wieder ans Dead Rabbit (New York) und Nightjar (London). Überhaupt finden wir viele der üblichen Verdächtigen. Besonders erfreulich ist hingegen, dass diesmal wieder ganze drei Bars aus Deutschland in der Liste auftauchen: freuen dürfen sich die Teams aus dem Buck & Breck (Berlin, Rang 16), Le Lion (Hamburg, Rang 19) und dem Münchener Schumann’s (Rang 43). Auch wir gratulieren!

2) Schlechte Aussichten für Prosecco?

Zu besonderen Anlässen sollte es schon Champagner sein. Für alles andere gibt es immer noch Prosecco. So mancher Freund der mitunter günstige Perlen mag sich nun vielleicht gruseln: in Teilen der typischen Anbaugebiete war das Klima 2014 sehr ungünstig — die Beeren waren sehr klein und leicht.

Für 2015 hingegen freut man sich wieder über eine gute Ernte. Ob und inwieweit die Verknappung um rund 20-25% aus dem Vorjahr in den Bars überhaupt spürbar sein werden, bleibt aber immer noch abzuwarten.

3) Erstes Craft Beer Festival in Mainz

Vielleicht möchte man in der Rheinland-Pfälzischen Hauptstadt auch mal zeigen, dass man abseits des Seniorensenders ZDF auch am Puls der Zeit liegen kann: nach einigen anderen Städten dieser Größenordnung bekommt auch Mainz sein eigenes Craft Beer Festival, die CraftBeerMesse Mainz.

Am 27. und 28. November dreht sich in der Alten Lokhalle alles um aktuellen und traditionelle Hopfigkeiten. Vertreten sind knapp 30 deutsche Brauereien, darunter auch die Craft-Größen BrauKunstKeller, AleMania, Braufactum, Hanscraft und natürlich die Mainzer Brauer von Kuehn Kunz Rosen, die sich ihr Heimspiel nicht entgehen lassen. Dazu kommen einige belgische Häuser sowie die beiden Vertriebe One Pint und Craft Beer Zentrum, die ihre rund 20 Marken präsentieren werden. Tickets für die Messe gibt es zu € 10,- für einen Tag bzw. € 17,- für ein Zweitagesticket.

4) Macht Werbung unsere Kinder zum Süffel?

Wieder einmal schlägt die Riege der besorgten Bürger und Eltern Alarm. Eine Studie des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, die in Zusammenarbeit mit der DAK entstanden ist, will nun herausgefunden haben, dass Werbespots für Produkte wie Bier, Likör und Spirituosen bei jungen Jugendlichen eindeutig einem späteren Rauschtrinken Vorschub leisten.

Dabei stört allerdings das Vorgehen der Studie: die 1.500 befragten Schüler zwischen 12 und 16 Jahren gaben zu Beginn der Studie an, noch nie einen alkoholischen Rausch erlebt zu haben. 30 Monate später hatten von jenen Schülern, die mit einer höheren Zahl an Werbespots für Alkohol vertraut war, bereits viermal so viele ein Rauscherlebnis im Zusammenhang mit Alkohol wie die, die kaum oder gar keine Werbung dafür gesehen hatten (ca. 24% gegenüber 6%).

Eine solche Studie wäre allerdings nur dann ernst zu nehmen, wenn sie auch andere Rahmenbedingungen des Alkoholkonsums berücksichtigen würde. Einerseits wird die Menge, die für einen „Rausch“ konsumiert werden muss, absolut und ohne Rücksicht auf Alter, Größe oder Körpergewicht festgelegt. Und auch die sozialen Umstände der befragten Jugendlichen wurden ansonsten nicht berücksichtigt. Ob etwa evtl. ein Zusammenhang zwischen dem generellen Fernsehkonsum und dem Alkoholgenuss steht, also vielleicht ein Rückschluss auf die generelle Freizeitgestaltung und das soziale Milieu vorliegt, beantwortet die Studie leider nicht. Zumal die Mehrzahl an Werbespots eindeutig auf Genuss setzt. Genaueres zur Studie gibt es hier.

Credits

Foto: Paar via Shutterstock

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