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Inventur am 16. Dezember 2018

Wir schreiben Mitte Dezember, befinden uns eine Woche vor Weihnachten und zwei Wochen vor dem „Trockenen Januar“. Laut einer YouGov-Umfrage wollen sich zu Jahresbeginn 4,2 Millionen Briten an der Kampagne beteiligen. Zeit also, die Champagnerkorken noch gebührend knallen zu lassen. Oder doch lieber einen Abstecher nach New York zu nehmen? Dort werden die Cocktails gerade „verchristmast“. Blicken wir in dieser Inventur dorthin und auf eine Fülle an Low-ABV-Drinks.  
Haben Sie bereits einen Vorsatz gefasst, den Sie zu Jahresbeginn umsetzen möchten? Um ein besserer Mensch zu werden, gesünder zu leben oder lästige Angewohnheiten loszuwerden? Vielleicht einen solchen, der zur Andersartigkeit anstiftet, um dem Alltagstrott ein Schnippchen zu schlagen. Klar, gut Ding braucht Weile, aber noch besteht Hoffnung für den Neustart in 2019. Die von Alcohol Change UK initiierte Gesundheitskampagne „Dry January“ findet Anklang bei den Briten, denen der Brexit gerade und auch nicht im neuen Jahr nichts Leichtes beschert. Warum aber muss ausgerechnet der in jedem europäischen Land unterkühlte Januar trocken sein, wenn die Bars dann bessere Besucherfrequenzen verzeichnen als im Sommer? Wären nicht Dry July oder August besser? Außerdem wäre es dann nach der bestimmt heißen Eröffnungsphase des Tayer + Elementary. Denn Alex Kratena und Monica Berg pflegen zukünftig nicht nur ihre eigene Kuh im Garten, sondern ab dem kommenden Frühjahr auch ihre erste eigene Bar. 

Trocken bleiben im Januar? 

Einen Monat lang keinen Alkohol zu trinken, zeige, dass wir dieses Produkt nicht brauchen, um Spaß zu haben, uns zu entspannen oder zu sozialisieren. Das meint Dr. Richard Piper, CEO der öffentlichen Gesundheitskampagne „Dry January“ von Alcohol Change UK. Beachtet man die YouGov-Umfrage zu dieser auch im kommenden Jahr ausgerufenen Aktion, dann haben sich bereits rund 4,2 Millionen Briten dazu entschlossen, im Januar trocken zu bleiben, mehr als im Vorjahr. Die Maßnahme tue nicht nur dem Körper gut. 31 Tage ohne Alkohol zu sein, helfe Konsumenten, angestammte Trinkgewohnheiten zu überdenken, zukünftig weniger und vor allem bewusst zu trinken. Sie sei zudem natürlich auch Geld sparend. Brigid Simmonds von der British Beer ans Pub Association (BBPA) bezieht dazu in dem Artikel von The Drinks Business unter anderem folgendermaßen Stellung: „Die Forschung zeigt, dass ein moderater Alkoholkonsum ein geringeres Risiko darstellt als exzessiver oder gar keiner“. Wie sehen Sie das? 

Seedlip macht weiter

Seedlip hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Lösung für das Dilemma zu finden, was man denn am besten trinkt, wenn man eigentlich nicht trinkt. Nun gründet das Unternehmen für alkoholfreie Spirituosen – die gibt es ja schon länger – eine weitere Marke, die sich auf nichtalkoholische Aperitifs aus englischen Trauben spezialisiert. Nächstes Jahr bringt Seedlip mit „Æcorn Aperitifs“ jenes Destillat auf den Markt. Natürlich ohne Alkoholgehalt und als Alternative für alle, die eben trinken, wenn sie nicht trinken. Æcorn basiert auf Trauben und wird mit Kräutern, Wurzeln und bitteren Botanicals aromatisiert. Die neue Linie mit drei verschiedenen Geschmacksrichtungen liegt in weiblicher Hand von Claire Wagner, ehemals Head of Spirit Creation bei LVMH Moët Hennessy, und der ehemalige London Wine Week-Direktorin Emma Murphy. 

Gordon’s-Premix will in die Gastro 

Nicht in jedem Ortsteil reiht sich eine Bar an die nächste, und vielleicht hat der eine oder andere am Heimweg bereits mit einem Ready to Go and Drink-Mix aus dem nächsten Supermarkt wie beispielsweise dem „ultra-low-alcohol“ G&T von Gordon’s zugeschlagen. Nun will Gordon’s mit zwei Geschmacksrichtungen seines Low-ABV-Gin & Tonic auch einige Bars erobern. Eine einmalige Carlsberg-Studie habe nämlich zu dem Ergebnis geführt, dass alkoholfreies Bier in den vergangenen zwei Jahren mehr Sozialakzeptanz erfahren hat. Zudem habe man herausgefunden, dass Männer Low ABV Drinks oder alkoholfreie Getränke eher zuhause und Frauen lieber außer Haus und des Nächstens konsumieren. Auf diesen Zug springt auch das Unternehmen des Diageo-Konzerns auf. 

Steinzeit-Margarita

Die Paleo-Community, die sich der „Steinzeit-Ernährung“ verschrieben hat, will laut fitbook.de keineswegs auf eine Margarita verzichten. Dank dem Ernährungsexperten Robb Wolf gibt es auch für die Fans dieses Ernährungsstils mit vorwiegend unverarbeiteten und nährstoffreichen Lebensmitteln eine eigens kreierte Trinkoption des Sex and the City-Cocktails. Ein wenig Tequila, eine Limette – bestimmt nicht aus der Steinzeit -, Mineralwasser und Eis werden geshakt, und schon hat man sie, die NorCal Margarita, deren Name die Abkürzung von Northern California enthält. Sie enthält keine künstlichen Aromen, Zitronensäure oder Zucker, nur Tequila als einzig verarbeitetes und ganz sicher nicht steinzeitliches Produkt. Der Nor-Cal-Margarita ist sogar ein eigener Internet-Auftritt gewidmet. 

Santa Claus is mixing for you!

Es war im Jahre 2013, als sie eigentlich die Mace Bar in der neunten Straße in East Village eröffnen wollten. Letztendlich haben Greg Boehm und der französische Bartender Nico de Soto dies auch bravourös gemeistert, doch Verzögerungen verhinderten den zeitgerechten Mace’schen Start. Getreu dem Motto „Not macht erfinderisch“ realisieren sie stattdessen in den Mace-Räumen die erste Christmas Cocktail Pop-Up Bar Miracle on 9th Street und legen damit den Grundstein für mittlerweile 95 Weihnachtsbars im Franchise-Modus mit entsprechendem Weihnachts-Pop-Up-Design, Barausstattung und Weihnachtstrikots für Bartender. Zwei Jahre später erweitert Boehm das Konzept mit Sippin Santa, einer Tiki-Christmas-Pop-Up-Bar im Boilermaker. The Jingle Balls Nog mit Cognac und PX Sherry, The Christmopolitan oder The Gin-gle All the Way sind angeblich nicht nur Weihnachts-, sondern auch gute wie reproduzierbare Cocktails in weihnachtlich-roten Bechern, wie Robert Simonson diesen „Mainstream“ in punchdrink.com beschreibt.

Credits

Foto: Shutterstock

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