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Inventur am 17.März 2019 — Alkoholfrei im Trend & Deutscher Gastro-Gründerpreis

Heute blicken wir nach Singapur auf einen Rant gegen den Guide Michelin, außerdem wir nach Kleve, wo Bar&Brot von sich reden macht. Und sonst? Zur Underberg AG, die nun Diversa übernommen hat, und nach Österreich zum Foodporn-Verweigerer Juan Amador.

Städtereisen liegen nach wie vor im Trend. Laut Reisereporter.de, das sich auf Ergebnisse des Beratungsunternehmens und Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse Coopers (PwC) für 2019 beruft, ist einer der beiden angesagtesten Hotspots nach wie vor Paris. Wie schön, so doch die Cocktail Spirits Paris bereits in unser Blickfeld gerät. Die renommierte Bar- und Spirituosenmesse findet in diesem Jahr zum 12. Mal statt. Am 26. und 27. Mai 2019 werden erneut die Tore des Palais de Tokyo mit Blick auf La Tour Eiffel für Fachbesucher, die Industrie, Bartender und Akteure des Baruniversums geöffnet. Et en passant lässt sich durch das Pariser Nachtleben samt Cocktailkultur flanieren. Eine Messe-Registrierung ist derzeit noch nicht möglich. Wir halten Sie diesbezüglich auf dem Laufenden.

Alkoholfrei nach wie vor im Trend

Es war einmal. Als Gäste, die aus verschiedenen Gründen auf Alkohol verzichten wollten oder mussten, lediglich die Wahl zwischen Wasser, mit dem wir in unseren Breitengraden glücklicherweise gesegnet sind, Cola oder Limonaden hatten. Die Zeiten des dadurch genusslosen und langweiligen Alkoholverzichts samt Außenseiterrolle bei geselligen Anlässen sind vorbei. Einerseits des gestiegenen Angebots alkoholfreier Getränke wegen. Andererseits wegen alkoholfreier „Spirituosen“. Diese liegen im Trend. Sie fluten die Gastronomie, fließen in Bars und sogar Restaurants. Wie in Sebastian Franks „Hórvath“, wo die alkoholfreie Menübegleitung aufwendig durch „heiße Filtration“ selbst hergestellt wird. Pur oder als Basis in Drink-Kompositionen bieten alkoholfreie Destillate oder Getränke eine Alternative und sollen das gleiche Genusserlebnis ermöglichen wie ihre hochprozentigen Dauerbrenner. Der englische Vorreiter Seedlip oder der deutsche Wonderleaf von den Rheinland Distillers sind schon lange keine Ausnahmeerscheinungen mehr. Unzählige Produkte machen es heute so einfach wie nie, auf Alkohol zu verzichten, schreibt Die Welt.

Semper idem? – immer das Gleiche!

Denn es wird Zeit für Veränderung. Schon ab 1. April dieses Jahres wird das Traditionshaus Semper idem Underberg AG in Rheinberg hundertprozentiger Besitzer der Diversa Spezialitäten GmbH, eines der führenden Distributionshäuser für Spirituosen im Premium- und Premiummainstream-Preissegment in Deutschland, sein. Underberg hat die verbliebenen Anteile von Rémy Cointreau, das nach zehn Jahren turnusgemäß aus dem Joint Venture ausgeschieden ist, erworben. Nun will Underberg die strategische Neuausrichtung der Diversa in Eigenregie noch intensiver und effizienter vorantreiben. „Wir sehen großes Potenzial für die Diversa und sind von dem zukünftigen Erfolg überzeugt“, sagt Thilo R. Pomykala, Vorstand der Semper idem Underberg AG. Mit vereinten Kräften und einem gemeinsamen Fokus auf dieses Geschäftsjahr will Underberg das Sortiment richtungsweisend ausbauen, neue Marken für das Portfolio dazugewinnen, Getränkeinnovationen lancieren und gestärkt wachsen.

Bar&Brot aus Kleve erhält Deutschen Gastro-Gründerpreis 2019

Im Rahmen der internationalen Gastromesse Internorga wurden auch die fünf Gewinner des Deutschen Gastro-Gründerpreises 2019 gekürt. Unter den Siegern aus den Metropolen Berlin, Hamburg und München macht sich auch eine Bar aus der Kleinstadt Kleve an der deutsch-niederländischen Grenze bemerkbar. Mit selbstgebrannten Spirituosen aus der familieneigenen Brennerei und selbstgebackenem Brot überzeugt das Gastro-Startup „Bar&Brot“ die Jury, der auch Patrick Rüther, Bullerei- und ÜberQuell-Mitgründer angehört. Die Frau hinter der Bar und natürlich dem Brot heißt Eva de Schrevel. Die studierte Wirtschaftspsychologin brennt für das Hochprozentige in der familiären Niederrhein-Destille und stellt vor allem Brände, Liköre, Geiste und Whisky her, lässt sie im hauseigenen Fasslager reifen und kreiert die Drinks. Das Konzept für Bar & Brot mit traditionell hergestellten und regional produzierten Produkten stammt aus ihrer Feder, ihre Umsetzung erfolgt in der Schlossstraße in Kleve mit zusätzlichen Tastings, Craftbeer, Ginwoch an jedem ersten Mittwoch im Monat, Bar & Steak oder Bar & Burger-Abenden.

Amador: Foodporn geht gar nicht!

Seit 2016 betreibt Juan Amador das Wiener Restaurant Amador, das mit zwei Michelin-Sternen und 18 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet ist. Vorstellbar, dass Gäste dort den einen oder anderen Menüpart festhalten wollen. Schließlich leistet man sich auch das Wiener Publikum nicht alle Tage eine solch‘ kostspielige Verkostung in gehobener Kulinarik-Atmosphäre. Juan Amador aber hat genug von der Handymania und in sozialen Foren geposteten Live-Manien bei Tisch. Mit dieser Auffassung ist der Spitzenkoch nicht alleine. „Food-Fotos sind heute zur härtesten Währung in der weltweiten Gastronomie geworden…“, meint er gegenüber tophotel.de. Diese oberflächliche Entwicklung, die jegliche, beim Essen entstehende Emotion verschlinge, möchte er nicht weiter unterstützen. „Essen ist Emotion. Und die braucht keinen Filter“, findet Amador, der nun jegliche visuelle Oberflächlichkeit aus dem eigenen Haus-Netz filtert und stattdessen auf Stimmungs- und Detailfotografie oder Live-Übertragung aus der Küche setzt. Auch Gäste bittet er, nicht die Fotokamera, sondern lieber Messer und Gabel zu zücken, um sich nicht selbst „um die Magie des Genusses zu betrügen“. Das finden wir gut!

Und Marco Pierre White will gar keine Sterne mehr

Viele Köche streben nach der wohl berühmtesten und weltweit gültigen Auszeichnung der Gastronomie. Das Erreichen eines Guide Michelin-Sterns oder vielleicht sogar mehrerer bedeutet für viele Antrieb, Motivation und das höchste der Gefühle im Berufsdasein – den Oscar der gastronomischen Hochkultur. Auch der britische Rockstar unter den Köchen und jüngster Drei-Sterne-Koch aller Zeiten, Marco Pierre White („MPW“), empfand in jungen Jahren so, wie er gegenüber Rolling Pin einst behauptet hat. Schon vor 20 Jahren aber hinterfragt er die französische Institution und verzichtet auf drei ihm von jener zum wiederholten Male verliehenen Sterne mit der Begründung: „Maintaining three stars is pretty boring“. Für Guide Michelin bleibt auch die Türe zu MPWs in Singapur ansässigem Restaurant The English House geschlossen. Eine Berücksichtigung dieses Restaurants im Guide Michelin 2019 schlägt der Brite White aus. Auch Branchenkollegen stellen die Bedeutung dieser Guide Michelin-Bewertung samt Medienecho in Frage. In unserer Branche kommt wohl die Kür zu einer der The World’s 50 Best Bars dem Sterneregen am nächsten. Welchen Stellenwert messen junge Kolleginnen und Kollegen eigentlich dieser Auszeichnung bei?

Der Frühling dringt noch nicht ganz durch, und der Sommer lässt auf sich warten. Einstimmen kann man sich allerdings schon ein wenig. Dem gebürtigen Brasilianer Guilherme Kilpp Gonzatti aus der preisgekrönten Provocateur Bar Berlin, die bei den Mixology Bar Awards 2019 unter anderem zur besten Hotelbar gekürt wurde, ist mit seinem „Moulin Rouge“ bei der ersten Pussanga Sommerdrink Competition ein siegreicher Cocktail gelungen. Was steckt drinnen? Natürlich Pussanga, frisch gepresster Orangensaft und starker Früchtetee. Für Petra Spamer-Riether und Tochter Janina Riether von der HS Heidelberg Spirits, die Pussanga vor einigen Jahren entwickelt haben, ist es der erste Cocktail-Wettbewerb mit der Spirituose aus der peruanischen Pussanga-Pflanze, Kräutern und Gewürzen. Das rege Interesse an dieser Competition sehen Mutter und Tochter als Ansporn für einen größeren Wettbewerb im kommenden Jahr in der Rhein Neckar Region, Mannheim oder Heidelberg. Vorerst aber gehen sie mit Guilherme Kilpp Gonzatti auf Siegerreise nach London. Wir wünschen einen schönen Aufenthalt und Ihnen, liebe Leser, einen schönen Wochenendausklang.

Credits

Foto: Shutterstock

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