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Inventur am 18. Oktober 2015

Der Lufthansa-Cocktail ist wieder da, während in New York das Trinkgeld womöglich verschwindet. Und der größte Bierkonzern der Welt ist bald noch größer. 

 Bei Drinkstarter wird es spannend und in Göttingen duftet es nach Speck und Cocktails. Willkommen zur Inventur!

Geht es Ihnen auch so wie uns? Das erste Wochenende in diesem Herbst, an dem man kaum vor die Tür gehen mag, es sei denn für einen Drink. Für heute holen wir aber lieber einen kraftvollen Islay Whisky aus dem Schrank, machen es uns vor dem Kamin bequem und widmen uns — natürlich — den Neuigkeiten aus der flüssigen Branche. In unserer neuen Inventur!

1) Lufthansa Cocktail hebt wieder ab

Weit liegt sie zurück — die Zeit, als Flugreisen noch ein Privileg der Wohlhabenden waren. Zu einem Synonym des Glamour in luftiger Höhe avancierte in den 1950er und 1960er Jahren auch der legendäre Lufthansa Cocktail, der seinerzeit in der ersten Klasse der deutschen Fluglinie mit dem Kranich ausgeschenkt wurde. Bis es irgendwann still wurde um den leichten, fruchtig-herben Drink aus 10.000 m Höhe.

Damit ist es nun vorbei: die Berliner Agentur Small Big Brands hat sich die Rechte am Lufthansa Cocktail gesichert. Entstanden ist einerseits eine überarbeitete, zeitgemäße Neuauflage der klassischen Lufthansa-Mischung, außerdem aber auch fünf weitere fertige Cocktails, die jeweils in der 0,5-l-Flasche in den Handel kommen. Damit greift SBB nicht nur den sagenhaften Lufthansa-Drink, sondern auch den aktuellen Trend zu hochwertigen, gereiften Bottled Cocktails auf. Zubereitet werden die Mixturen — Negroni, Old Fashioned, White Manhattan, Pear Gimlet, Dry Martini und „Classic“ — nur mit Premiumprodukten unter Einhaltung höchster Standards. In den Verkauf sollen die Drinks Anfang November zu einem Preis von — je nach Sorte — € 21,90 bis € 32,90 kommen. Wir sagen dann mal: anschnallen, bitte!

2) Drinkstarter gibt die fünf Finalisten bekannt

Der viel beachtete Drinkstarter-Wettbewerbe geht in seine letzte, entscheidende Runde: aus über 50 Einsendungen hat die Jury nun die fünf Kandidaten mit dem erfolgversprechendsten Produkt für das Finale nominiert. Darunter sind die vier alkoholfreien Produkte Hopster, Heldenpause, Kano und Djahé sowie der Likör mit dem zauberhaften Namen Der Ekliche.

Drinkstarter wird veranstaltet vom Inside Getränkemarkt-Magazin sowie von den Kollegen der Getränke Zeitung. Dabei richtet sich der Wettbewerb nicht nur an Start-Ups, teilnehmen kann jeder Hersteller. Dem Sieger winkt eine sechsmonatige Testlistung seines Produktes in über 800 Filialen, u.a. bei Getränke Hoffmann, Logo Getränke und bei der Orterer-Gruppe. In der Jury finden sich hochrangige Vertreter des deutschen Getränkehandels sowie aus der Industrie. Welcher der fünf Nominierten das Rennen macht, entscheiden rund 350 Akteure aus der Getränkebranche beim Get.In-Kongress am 17. November in Frankfurt am Main.

3) Anheuser Busch InBev schluckt SABMiller

Im globalen Braubusiness läuten die Glocken, denn die Gerüchte der letzten Wochen bewahrheiten sich: es gibt eine Elefantenhochzeit. Wie Mitte der Woche bekannt wurde, übernimmt der weltgrößte Brauereikonzern AB InBev seinen ärgsten Konkurrenten, SABMiller, die Nummer zwei der Hopfen-und-Gerste-Welt.

Damit bewahrheiten sich nicht nur die Gerüchte der vergangenen Tage, durch den Kauf von SABMiller für knapp € 100 Mio. entsteht außerdem ein globaler Biergigant völlig neuen Ausmaßes: nach Schätzungen des Spiegel dürfte mit der Fusion künftig etwa jedes dritte weltweit verkaufte Bier dem neuen Konzern entspringen, der mit z.B. Budweiser, Beck’s, Corona, Stella Artois, Pilsner Urquell, Grolsch und Miller einige der zugstärksten internationalen Biermarken unter seinem Dach versammelt. Einen sehr detaillierten Überblick zur Übernahme liefern die Kollegen von der New York Times.

4) In New York ohne Trinkgeld. Geht das?

Die USA gelten für Kellner und Bartender finanziell gleichermaßen als El Dorado und Hölle: noch immer leben Gastronomen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten größtenteils vom Trinkgeld — bei festen Löhnen von oft nur wenigen Dollar die Stunde. Andererseits gehen Bartender und Kellner in den „richtigen“ Restaurants und Bars in New York Schätzungen zufolge mit mehr als $ 100.000 pro Jahr nach Hause (was in Manhattan aber noch lange kein überbordender Reichtum ist). Dennoch bleibt das Grundproblem bestehen: viele Kellner hängen vom Wohlwollen des Gastes ab, auch, wenn „Tipping“ für die meisten US-Amerikaner selbstverständlich ist.

Der New Yorker Restaurantpionier Danny Meyer, Kopf der extrem erfolgreichen Union Square Hospitality Group und seit den 1980ern eine der progressivsten Figuren im Gastro-Business der Ostküstenmetropole, versucht sich nun an einer kleinen Revolution. Angefangen im Nobelrestaurant The Modern, dem exklusiven Flaggschiff der USHG, wird Meyer demnächst die Preise deutlich (um ca. 35%) anheben, um damit seinen Mitarbeitern — auch Köchen, die meist nichtmal vom Trinkgeld profitieren — garantierte, feste Löhne zahlen zu können. Im Gegenzug soll den Gästen ausdrücklich mitgeteilt werden, dass man dann kein Trinkgeld mehr erwartet. Meyer möchte damit vor allem eins klarmachen: „Hospitality“ ist eine Leistung, die bezahlt werden muss und nicht nur nach Gutdünken „belohnt“ werden darf. Bis heute geht fast jeder Kellner in den USA bei jedem Tisch erst einmal in Vorleistung und muss bis zum Ende bangen. Das möchte der mutige Danny Meyer ändern. Ob das Unterfangen Erfolg haben wird? Das steht noch in den Sternen. Ryan Sutton untersucht den Sachverhalt für New York Eater ausführlich.

5) Drinks und viel Fleisch für Göttingen

Die kollektive Lust auf fleischreiche Speisen, anständiges BBQ und passende, kräftige Drinks ist längst kein Großstadtphänomen mehr. Seit Mitte dieser Woche hat nun in altehrwürdigen Göttinger Mauern ein neues Fleischparadies, in dem sich auch Freunde eines guten Drinks wohlfühlen dürften, seine Tore geöffnet: an der Stelle der ehemaligen Junkerschänke, der ältesten Weinstube Deutschlands, wartet nun das Bacon Supreme, seines Zeichens amerikanisch-deutsches Wirtshaus & Cocktailbar.

Noch steht das Konzept in den Startlöchern, verspricht aber hungrigen Bartendern und anderen Gästen eine gute Grundlage mit Burger-Variationen und traditionell-modern überarbeiteter deutscher Küche. Für die Drinks sorgt die Cocktail-Lounge im oberen Bereich des Fachwerkgebäudes.

Credits

Foto: Drei Männer via Shutterstock

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