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Inventur am 19. April 2015

Ben & Jerry’s-Eis im Bier? Brauende Wildkatzen in Berlin? Weine, die nach Verwesung und Fusel duften? Diese Woche dreht sich bei uns vieles um Experimente. Außerdem erfreuen uns die Herren vom Drink Syndikat aus Berlin mit neuen Kompositionen. Und im Hause Kammer-Kirsch zeigt man sich beglückt über schottischen Zuwachs aus dem Hause BenRiach. Willkommen zur neuen Inventur!

Ein ereignisreiche Woche liegt hinter uns und der Fußballwelt. Ob sich Jürgen Klopp dieser Tage eventuell auch nach einem guten Drink sehnt? Nach dem Trubel um den dahinscheidenden Dortmunder Zampano würde ihm ein genussreiches Gläschen zur Entspannung vielleicht gut tun. Da haben wir auch diese Woche wieder einige spannende Entdeckungen aus der flüssigen Branche parat. Zwar nichts schwarz-gelbes, aber dennoch. Der Spieltag ist noch gar nicht ganz vorüber, doch wir starten trotzdem unsere Inventur.

1) Drink Syndikat mit neuen Frühlings-Boxen

Bereits seit November hat es sich die junge Berliner Firma Drink Syndikat unter der Leitung des ehemaligen NGO-Mitarbeiters Erik Pfauth zur Aufgabe gemacht, geneigten Connaisseurs den hochwertigen Cocktailgenuss ganz einfach von der Bar ins eigene Wohnzimmer zu verlagern. In Form speziell abgestimmter Packages kann sich der Kunde jeden Monat die Zutaten für spannende Drink-Kreationen direkt nach Hause liefern lassen. Besonderes Augenmerk legt das Haus bei seiner Auswahl auf Qualitätsspirituosen kleiner, unabhängiger Hersteller.

Für die warmen Frühlingstage haben sich Pfauth und sein Team zwei neue Sets einfallen lassen: Derzeit ruft ein exklusives Paket aus Barbados-Rum, französischem Apricot Brandy und Holunderblütenlikör sowie Sloe Gin. Für den Mai ist ein Projekt mit dem bereits viel besprochenen frankfurterisch-kroatischen Tesla Sljivo geplant. Dann mal ran an die Heimbar!

2) Kammer-Kirsch erweitert BenRiach-Portfolio

Bereits seit einiger Zeit zeichnet die renommierte Obstbrennerei Kammer-Kirsch verantwortlich für den Import ausgewählter Singe Malts aus dem kleinen, überaus geschätzten Hause BenRiach. Neben den vier bereits gelisteten Qualitäten 12, 16 und 20 years sowie dem alterslosen Heart of Speyside kommt mit der 10-jährigen Abfüllung nun ein weiteres Produkt aus der Speyside-Brennerei in den Schwarzwald, wie der Branchendienst Mercurio berichtet.

Nachdem die Destille in der Vergangenheit Teil verschiedener Konzerne gewesen ist, produziert man im schottischen Elgin seit dem Jahre 2004 als vollkommen unabhängiger Hersteller unter der Leitung der Investoren Geoff Bell, Wayne Keiswetter und Billy Walker. Die neue 10-years-Abfüllung ist damit die erste, die so gut wie ausschließlich aus Bränden besteht, die unter der neuen Regie entstanden sind.

3) taz-Panterbräu: ein Zeitungsbier?

Die unabhängige, alternative Berliner „die tageszeitung“, kurz „taz“, ist bekannt für ihre Kooperationen mit kleinen, nachhaltigen Produzenten aus dem Bio-Segment. Bereits seit einigen Jahren vertreibt man etwa eine eigene, fair gehandelte Espresso-Range. Da aber der anstrengende Redaktionsalltag — wer wüsste das besser als wir?! — bisweilen mehr als nur Koffein erfordert, hat man sich nun gedacht, dass es an der Zeit für das erste offizielle deutsche Zeitungsbier sei.

Drei lokale Berliner Brauereien sind in der engeren Auswahl, das angekündigte taz-„Panterbräu“ herstellen zu dürfen, bei dem es sich, passend zum Layout der taz-Titelseite, um ein klassisches Rotbier handeln soll: Heidenpeters, Flessa und Schoppe bewerben sich um den Zuschlag. Der Panter kommt als quasi-offizielles Wappentier des Blattes ins Spiel. Die große Entscheidungsverkostung soll am kommenden Samstag, 25. April stattfinden, wo dann „basisdemokratisch“ abgestimmt wird, wer den roten Panter aus dem Braukessel lassen darf.

4) Orange Wine: ist das noch Wein, oder kann das weg?

„Orange Wines“ sind alles andere als Mainstream. Bereits vor einiger zeit porträtierte unser Autor und Weinexperte Manfred Klimek diese Kategorie, bei der es sich um naturnah produzierte, teilweise rein spontan vergorene Experimentalweine handelt, im MIXOLOGY MAGAZIN. Doch hat sich aus der Nische ein Trend entwickelt? In einem ausführlichen Beitrag für Die Welt kommt Klimek zu dem relativ klaren Ergebnis: „Nein“. Orange Wines scheinen, wenn überhaupt, ein Sujet am Rande des Weinkosmos zu bleiben.

Der Autor gibt detaillierten Einblick in die Mechanismen der Weinwelt und den schnöden Umstand, dass so mancher radikalökologische Winzer sich leider eher von trockenen Dogmen leiten lässt als von der Prämisse, verblüffenden, aber dennoch trinkbaren Wein herzustellen. Doch sind Orange Wines tot? Das noch nicht, aber die Auswahl wirklich akzeptabler Produkte scheint mehr als begrenzt. Einige wenige Vorschläge liefert der überaus lesenswerte Beitrag gleich mit.

5) Ben & Jerry’s bringt Bier heraus

Der kreative US-Eishersteller Ben & Jerry’s ist bekannt für seine mitunter gewagten Eiskreationen. Eine der beliebtesten Sorten, nämlich „Salted Caramel Brownie“, wird es nun auch aus der Sudpfanne geben: Gemeinsam mit der Craft-Brauerei New Belgium aus Fort Collins im US-Bundesstaat Colorado bringt man im Herbst 2015 das höchstwahrscheinlich würzig-süße „Salted Caramel Brownie Brown Ale“ in limitierter Auflage auf den Markt.

Es ist die erste Zusammenarbeit jener Art für Ben & Jerry’s. Wer beim Trinken außerdem gerne Gutes tun möchte, ist mit dem Co-Brew ebenfalls gut beraten: Beide Unternehmen sind in den USA als sogenannte „B-Corporations“ anerkannt, d.h. dass die Firmen sich in ihrem Handeln u.a. für soziale Zwecke und Belange des Umweltschutzes einsetzen. Die Erlöse aus dem „cremigen“ Brown Ale werden daher teilweise einer Initiative zukommen, die sich — wie naheliegend — dem Schutz der kalten Polarregionen verschireben hat. Da schmeckt das Bier gleich doppelt so kalt. Äh, gut.

Credits

Foto: Männer vor Börsenkurs via Shutterstock

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