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Inventur am 23. November 2014

Was man auf der Wall Street zu trinken hat, Kasachstans Abneigung gegenüber russischem Vodka und außerdem stehen zwei Festivals an. Ein vielbeschäftigtes Wochenende mit der neuesten Inventur.

Den “Cocktailian 3 – Bier & Craft Beer” gibt es bereits. Was es jedoch bisher nicht gab, war ein redaktionsintern gebrautes Bier. Bis jetzt. Am Freitag nahmen wir den Cocktailian zur Hand. Schroten, schütten, rühren, einmaischen: wir zeigten Einsatz.
Über allem schwebte die Wolke der Improvisation, aber wir nahmen die Sache sehr ernst. Abzuwarten bleibt, was das Ergebnis bringen wird. Seien Sie aber versichert: wir halten Sie auf dem Laufenden.

Nun auf zu den Ereignissen, die außerhalb des Sudkesselns geschahen.

1)  Der Wall Street Code

Der Business Insider berichtete vergangene Woche über die ungeschriebenen (Trink-)Regeln der New Yorker Wall Street. Der Feierabenddrink ist hier nicht gleich Feierabenddrink. Wer die Wall Street kennt – wir nicht – weiß vermutlich Bescheid. Angeblich lernt man durch Zusehen, welchen Regeln man folgen muss, um “dabei” zu sein.

Was man auf keinen Fall darf, wenn man von den Broker-Buddies auch in Zukunft noch ernst genommen werden will, ist alles, was kein trockener Martini ist, aus einer Martinischale zu trinken.
Außerdem ist Campari in allen Varianten außer als Negroni ein rotes Tuch. Nur Bier, Macallan 12 und “Goose and Soda” dürfen dem Bartender entgegen gerufen werden.
Aber jetzt gibt es einen Wandel. Die Cocktail-Welle schwappt auch über den Süden Manhattans. Zwei von fünfzehn Bankern bestellen mittlerweile einen Cocktail laut John McCarthy, Bartender bei Cedar Local im Financial District und der Bathtub Gin Bar in Chelsea.
Auch die Produkte kleiner Craft-Destillerien haben es mittlerweile ins Blickfeld der Feierabend-Trinker geschafft. Ein Wandel bahnt sich an.
2) Tequila & Mezcal in London, Whisk(e)y in Frankfurt am Main
Gleich zwei Spirituosen-Feste wollen an diesem Wochenende zelebriert werden, und es lohnt sich zwischen Frankfurt und London zu pendeln. Das Londoner Tequila & Mezcal Fest am 22. und 23. November 2014 etwa hat sich, wie der Name bereits andeutet, der Ausstellung von Agaven-Destillaten verschrieben. Dabei steht ein Ziel im Vordergrund: Den Konsumenten Genuss und Umgang mit diesen beiden Spirituosen näher zu bringen.
Am Festland wird in Frankfurt über drei Tage hinweg der Whisk(e)y in all seinen Facetten gefeiert. Karten für die InterWhisky gibt es online und in Bälde folgt auf MIXOLOGY ONLINE ein Nachbericht.
3) “Russischer Vodka? Nein, danke.”
The Spirits Business wirft einen Blick nach Kasachstan und berichtet, dass der dortige Konsumentenschutz beschlossen hat, keinen russischen Vodka mehr ins Land zu lassen. Das Verbot betrifft Marken wie Talka, Empire, Wild Goose, Green Mark, Rublevka und Possolskay.
Laut dem Kommittee entsprechen die Spirituosen nicht den Lebensmittelstandards von Kasachstan. Neben dem Vodka müssen auch einige Biermarken, darunter Bud und Grolsch Premium Lager, die Regale in Kasachstan räumen. Letzten Monat hatte ein russischer Spitzenpolitiker gefordert, dass der Produktionsprozess von Vodka gesetzlich definiert werden müsse. Das wurde abgelehnt mit der Begründung, man wolle der Industrie nicht schaden. Na dann.
4) Einen Royal Appletini, bitte
Crown Royal Regal Apple heißt das neue Produkt des bekannten Whisky-Herstellers. Infusioniert wird er für das Produkt mit natürlichem Apfelaroma und zwar der Sorte Regal Gala. Das Produkt richtet sich an alle Whiskyliebhaber, die auf die Marke vertrauen, denen aber “so ein bisschen” Apfelaroma in der Spirituose der Wahl durchaus zusagt.
Die Äpfel werden in einer Mischung aus Wasser und Alkohol destilliert. Im Anschluss werden selektierte Destillate geblendet, um die Regal Gala-typischen Aromen zu erhalten.
Im Geschmack bildet sich ein leicht säuerliches, knackiges Apfelaroma, begleitet von Karamell und den Gewürznoten des Crown Royal Whisky. Der flavoured Whisky kommt in der üblichen 750ml Flasche und wird in den USA für vorraussichtlich ungefähr 25 US-$ zu haben sein.
5) Ein Quantum Prost
Lassen Sie uns über Kreuzfahrtschiffe sprechen. Die “Quantum” zum Beispiel wird im November ihren Betrieb aufnehmen. Mit einer Länge von knapp 350 Metern und 40 in der Breite wird sie die Karibische See bereisen. Interessant, aber was hat das mit Barkultur zu tun, fragen Sie sich? Folgendes:
An Bord schippert eine spezielle Sonderheit mit, und zwar in Gestalt von automatischen Bartendern an der sogenannten “Bionic Bar”. Zwei Roboter-Bartender lesen den Gästen zwar nicht ihre Wünsche von den Augen ab, zeigen ihnen aber ihr Können auf verschiedenen Bildschirmen an der Bar.
Über diese Bildschirme gibt der Gast seine Bestellung auf. Auf der Anzeige findet sich das Menü, sowie die populärsten Drinks des Tages. Das unendliche Schnipsen am Bartresen wiederum wird beendet durch eine kalkulierte Anzeige der Wartezeit. Letzteres ist zugegebenermaßen eine garnichtmal so verkehrte Idee. Das Projekt der Firma Makr Shakr ist die erste kommerzielle Nutzung der Robotor. Letztes Jahr gab es bereits einen Prototyp bei Google. Warten wir trotzdem erst einmal die Serientauglichkeit ab.
6) Das Ende der “beer tie”
Auf der Insel wird derzeit ein 400 Jahre altes Gesetz reformiert. Die “beer tie” wurde kürzlich vom Londoner Unterhaus aufgehoben, so berichtet die FAZ. Das ändert die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Spielregeln in der britischen Pub-Welt ungemein.
Bislang waren die Gastwirte gewzungen, ihr Bier von den Pub-Konzernen, denen die Kneipen gehören,  zu beziehen.
Jetzt ist dem ein Ende gesetzt und die Gastwirte können ihr Bier von nun an kaufen, wo sie wollen. Dieser Beschluss ermöglicht eine größere Vielfalt am Zapfhahn, sagen die Befürworter des Beschlusses. Die Gegner mockieren sich bereits jetzt über die Gefahr eines voranschreitenden Pub-Sterbens.
Seit 1982 hat sich die Anzahl der Kneipen auf der Insel von 67 800 auf 48 000 abgenommen. Das Ende der “beer tie” könnte das weiter anfeuern. Die Gründe dafür und noch mehr Details finden sich online im Artikel von Marcus Theurer für die FAZ. Lesenswert!

Credits

Foto: Mann und Frau via Shutterstock

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