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News-Inventur am 30. Oktober

Inventur am 30. Oktober 2022 – Gastschichten auf dem Prüfstand & „Drink Masters“ auf Netflix

So wie der Weihnachtsmann dem Christkind allmählich den Garaus gemacht hat, schickt sich Halloween an, das gute alte Allerheiligen zu überrunden. Immer mehr verkleidete Kinder sieht man – zumindest in Großstädten – nach ihrem Trick or Treat bei Nachbarn klingeln, während Erwachsene mit blutbeschmierter Schminke zu Halloween-Partys fahren. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ist es also wieder so weit. Dabei ist Halloween im Grunde ein amerikanisierter „Re-Import“ von Allerheiligen, der Ursprung liegt da wie dort in einem Gedenken an die Toten. In Mexiko tut man das mit dem „Día de los Muertos“ übrigens am 2. November auch, ein Tag, den auch viele Tequila-und Mezcal-Brands immer häufiger in den Fokus rücken. Somit wollen wir das Reich der Toten verlassen und widmen uns in unserer Inventur lebendigeren Themen.

IPA: von hip zu cringe

Das Indian Pale Ale, kurz IPA, war das Zugpferd der Craft Beer Bewegung. In den 1990er- und Nuller-Jahren positionierte sich die Bewegung als The Next Big Thing, und auch wenn hierzulande viel in Bewegung kam, war das Epizentrum stets die USA. Das einst positiv besetzte Thema hat sich jedoch in eine enorme Peinlichkeit verloren – zumindest wenn man dem Dossier im Punch Magazine glaubt, in dem die Frage gestellt wird: Wie kam es, dass ein Stil, der eine Chance für Kreativität und einen Einstieg für Craft-Bier-Neulinge darstellte, zum Scherz verkam?

Der sehr lesenswerte Beitrag spannt einen Bogen von der Entstehungsgeschichte des IPA über den Wettlauf, wer die bittersten Biere produziert, bis zu „Hazebois“, die andere Menschen bezahlen, sich für limitierte Releases in eine Warteschlange einer Brauerei zu stellen, um sich vor allem auf Instagram hervorzutun, bis zur Tatsache, warum der stereotype IPA-Trinker sich jetzt vermehrt Hard Seltzer zuwendet. Ein bisweilen spitzes, aber unterhaltsames Resümee.

Das Dilemma der „Guest Shifts“

Die ersten Pandemiejahre bedeuteten für viele Bars eine existenzielle Bedrohung. Viele Bartender:innen sahen sich finanziell in der Bedrängnis, gleichzeitig gab es die mentalen Herausforderungen, sich seines Jobs und somit seines sozialen Umgangs beraubt zu sehen. Das mag erklären, warum seit dem Wegfall der (Reise)Einschränkungen das Phänomen „Guest Shift“ zu explodieren scheint. Ob auf nationaler oder internationaler Ebene, den „Take-Overs“ scheint im Moment kaum eine Grenze gesetzt.

The Spirits Business animiert dies zur Frage: Haben wir den Höhepunkt erreicht? Gastschichten, so der Bericht, scheinen immer weniger ihrer ursprünglichen Bedeutung eines Community-Austausches gerecht zu werden, sondern dienen vor allem dem Knüpfen eines internationales Netzwerkes, um auf Listen für Preise und Awards zu kommen. Zusätzlich seien sie primär von Brands gesteuert und würden von vielen Bartender:innen zunehmend nur noch bei einer lukrativen Gage angenommen. Das sind berechtige Kritikpunkte – die dabei den CO2-Foodprint für einen Flug zu einer 3-Stunden-Gastschicht noch nicht mal erwähnen …

Roboter in der Bar-Industrie

Es ist ein Thema, das alle Jahre wiederkehrt – und das nicht von ungefähr, denn die Technik (und die, die sie betreiben) schläft nicht: Roboter hinter der Bar. In einem sehr lesenswerten Beitrag hat sich nun SevenFiftyDaily dem Phänomen angenommen und die aktuellen Entwicklungen zusammengetragen.

Das heißt in erster Linie immer: Die technischen Fertigkeiten der aktuellen Modelle zur Herstellung eines Drinks aufzeigen, die unterschiedlichen Erscheinungsbilder – vom Roboter mit Armen bis zu Ausgabemaschinen mit Display – darstellen, sowie ihre Fähigkeiten zur Kommunikation mit ihren Gästen. Dem folgt die obligatorische Frage, ob eine so auf menschliche Interaktion basierende Tätigkeit wie die eines Bartenders jemals von Maschinen ausgeführt werden kann, und wann maschinelle Kräfte dabei eine sinnvolle Hilfe oder einen gefährlichen Faktor der Verdrängung darstellen. Zumindest schon mal beruhigend: An kunstvollen Zesten scheitert noch jede Maschine.

Neu auf Netflix: Drink Masters

Das Format ist bekannt: Man nehme eine Gruppe Menschen aus einem bestimmten Berufs- oder Interessensfeld, pferche sie auf einem Raum zusammen und lasse sie Challenges abhalten, bis am Ende eine Person übrig bleibt, die einen Preis mit nach Hause nehmen darf.

Nun also auch Bartender:innen, oder vielmehr: Mixolog:innen. Denn in der Netflix-Serie „Drink Masters“ wird der oder die weltbeste Mixolog:in gesucht – sprich die der USA, denn Drink Masters ist in seiner Erscheinung eindeutig ein US-amerikanisches Format, in dem ausschließlich US-amerikanische Bartender:innen auftreten. Die Namen der Bars, in denen diese arbeiten, werden nicht genannt, der Sender hat jedoch offenbar Wert auf eine Gruppe gelegt, die allen Anforderungen von Diversität entspricht, und mit Julie Reiner (New York) und Frankie Solarik (Toronto) zwei prominente Namen aus der Barszene gefunden, die dem Moderator Tone Bell als Jury zur Seite steht. Wir wollen an dieser Stelle auch gar nicht viel verraten und verbleiben mit einem diplomatischen: Das muss jede:r für sich beurteilen. Der britische The Guardian jedenfalls sieht vor allem „wilde, ungezügelte Egomanie.“

Credits

Foto: everettovrk – stock.adobe.com

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