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Inventur

Inventur am 4. April 2021 – düstere Corona-Aussichten & eine Analyse zu Promi-Tequila

Was sollen wir sagen? „Frohe Ostern“ zumindest scheint im Kontext eines Bar-Magazins eher weniger angebracht. Es ist das zweite Osterfest während der Pandemie, das zweite Osterwochenende – wenn Bars normalerweise herausragenden Umsatz machen – mit geschlossener Gastronomie.

Dachten viele von uns vor einem Jahr noch, dass der Corona-Spuk heute wohl vorüber sein würde, belehren uns die letzten Wochen mit düsteren Aussichten, die eher das Gegenteil verheißen: Aus dem Komplex zwischen Impfdebakel, Mutationen und einer allgemeinem Lockdown-Müdigkeit sowie dem föderalistischen Chaos in der Politik leitet sich derzeit eine recht einhellige wissenschaftliche Einschätzung ab, die daraufhin deutet, dass Frühling und Sommer 2021 sogar wesentlich mehr von Lockdown-Maßnahmen geprägt sein könnten als im Vorjahr. Horror-Prophezeihungen täglicher Infektionszahlen jenseits der Hunderttausend machen die Runde, wie etwa Der Spiegel Mitte der Woche in einem Kommentar erwähnte.

Was es am Ende letztlich wird – wo also auch die Gastronomie landen wird zwischen den beiden Extrempolen „bundesweit verordneter Mega-Lockdown“ und „das Saarland beendet den Lockdown am 6. April“ – das liegt also, wie so oft in den letzten Monaten, im Ungewissen. Und so sieht kein schönes Osterfest aus. Lenken wir uns also auch an diesem Sonntag wie gewohnt mit den gastronomischen und flüssigen News und Themen der Woche ab.

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Die Obsession der Stars für die Agave

Der Begriff „Obsession“ scheint wirklich angemessen: Eigene Agavenbrände, primär Tequila, sind – vor allem unter nordamerikanischen – A-Promis seit zwei, drei Jahren das große Ding. Dass es dabei nicht unbedingt immer um die persönliche Liebe für feine mexikanische Destillate geht, ist spätestens klar, seitdem George Clooney und seine Partner ihre Tequila-Marke „Casamigos“ 2017 für insgesamt rund eine Milliarde Dollar an Diageo verkauft haben. Tequila, in den USA mittlerweile die viergrößte Spirituosenkategorie, ist hochgradig premiumisiert, prestigeträchtig – und eignet sich hervorragend als Ergänzung des eigenen Merchandise-Portfolios sowie als Investition. Denn wer jetzt ein paar Millionen in eine Marke steckt, holt sich vielleicht in wenigen Jahren das Zehn- oder Zwanzigfache zurück.

In einem großen Dossier beleuchtet Autor Jack Robertiello dieses Phänomen für SevenFiftyDaily ausführlich und aus mehreren Perspektiven. Er bringt nicht nur zahlreiche Beispiele an Akteuren in einem Feld, in dem Mega-Celebritys wie Kendall Jenner, LeBron James, Rita Ora und Dwayne Johnson nur die bekanntesten Namen sind, sondern geht auch auf Produktionsumstände und Verkaufskanäle ein. An dieser Stelle schwer zusammenzufassen, empfehlen wir einfach die Lektüre des gesamten Artikels!

Algen: Von der Küche an die Bar?

Es ist im Lauf der letzten 20 Jahre nicht unüblich gewesen, dass klassische Küchenzutaten ihren Weg an die Bar und in Cocktails gefunden haben. Einst nannte man das manchmal Cuisine Style, von Hamburg aus trat beispielsweise ein grüner Drink mit Basilikum einen bis heute einzigartigen Siegeszug in Sachen Popularität und Verbreitung an. Einen sehr aktuellen Trend der nachhaltigen, modernen Küche, der langsam in Richtung Bar schwappen könnte, beschreibt Hannah Selinger für Punch: Braunalgen.

Diese Pflanzengattung (engl. „Kelp“ oder oft schlicht „Seaweed“) hat durch Restaurants wie das Kopenhagener „Noma“ bereits einen festen Platz in der heutigen (gehobenen) Küche erhalten und spielt außerdem eine immer größere Rolle bei Menschen, die Wert auf eine ganzheitliche Ernährung legen. Tatsächlich setzen sich aber auch einige Barleute inzwischen mit der komplexen Aromatik und den texturellen Eigenschaften der Braunalge auseinander. Schauen Sie doch mal rein!

Die Zuckerstory geht weiter: Lemonaid protestiert erneut

Es ist eine Art Never ending story, in die die Macher des Hamburger Fair-Trade-Unternehmens Lemonaid verflochten sind, der Kampf mit den deutschen Vorschriften für Limonade, wie sie im sogenannten „Lebensmittelbuch“ festgeschrieben sind. Schon seit Jahren ist das Unternehmen mit Abmahnungen und Rechtsstreitigkeiten befasst, die stets den gleichen Anlass haben: Ihre Limonaden enthalten schlicht zu wenig Zucker, weswegen der Begriff „Limonade“ nicht auf den Flaschen stehen darf – ein echtes Kuriosum, gegen das sich Lemonaid permanent wehrt.

Nun kommt neue Fahrt in die Angelegenheit. Denn tatsächlich sollen zwar die Vorschriften insofern gelockert werden, dass auch Produkte mit geringerem Zuckergehalt als Limonade verkauft werden, allerdings offenbar nur dann, wenn darauf auch auf dem Etikett hingewiesen wird. Für Lemonaid ist das ein Unding, denn die gläsernen Mehrwegflaschen sind fix beschriftet und lassen eine solche Änderung der Beschriftung nicht zu. Die Firma protestiert nun gegen diese Ankündigung, indem sie eine Charge ihrer Flaschen mit überdimensionalen Aufklebern in den Handel brachte, die eindeutig an die Warnhinweise von Zigarettenschachteln angelehnt sind. Der Stern verschafft einen Überblick über die Situation.

Naturwein wächst weiter

Das Thema Wein wächst weiterhin, gerade auch in der Coronakrise war und ist festzustellen, dass auch der Endkonsument gerne mal eine Flasche mehr zu Hause öffnet. Eine Sache, auf der viele Winzer reagiert haben, indem sie Online-Shops eingerichtet haben, um die Nachfrage bedienen zu können. Aber auch in Bars scheint die Nachfrage von Wein konstant am Steigen, zumindest wenn man sich die Tendenzen vor der Corona-Pandemie noch einmal in Erinnerung ruft. Auf MIXOLOXY Online werden wir uns auch in Kürze in einem eigenen Beitrag dem Thema Wein in Bars widmen.

Dabei rückt natürlich auch das Thema Naturwein und biodynamischer Wein in den Fokus. Bars, die etwas auf sich halten, scheinen beim Thema Wein nämlich zunehmend auf die naturbelassenen Qualitäten zu setzen. Ein Thema, das auch das Analyseinstitut The IWSR aufgreift. In einer kurzen Prognose erklärt es, dass gerade auch durch die Coronapandemie Themen wie Gesundheit, Wellness und Verantwortung für die Umwelt weiter in das Zentrum bei den Konsumenten gerückt sind. Gerade für Millenials und die Generation Z ist Naturwein ein wachsendes Thema, wobei die fünf größten Märkte für organischen Wein – Deutschland, Frankreich, die USA, Großbritannien und Schweden – auch über 60% des weltweiten Konsums auf sich aufteilen. Das Institut rechnet mit einem weiteren Wachstum, allerdings sollte man auch nicht die Relation vergessen: Im Moment beträgt der Anteil von Naturwein am weltweiten Weinkonsum rund 2,75%, bis 2024 erwartet man eine Steigerung auf 4%. Ein Trendthema, von führenden Gastronomien gepushed und schier allgegenwärtig, dabei prozentual jedoch immer noch verschwindend gering: Ein wenig macht das Naturwein zum Rye unter den Weinen.

Credits

Foto: Everett Collection – shutterstock.com

Comments (2)

  • M.K

    Es ist eine Tatsache, dass ja schon länger der Agavenanbau nicht mit den wachsenden Nachfrage hinterherkommt. Das kann auf längerer Sicht große Probleme für insbesondere Endverbraucher haben da der Tequilapreis, der ja jetzt schon sehr weit gefächert ist noch weiter werden könnte und die günstigen Produkte, die für Gastronomie ja so wichtig sind unwirtschaftlich machen könnten.
    Jetzt durch die vielen “Celebrity Tequilas” wird dieses Problem noch verstärkt weil mehr Leute durch das Marketing der Prominenten animiert werden mehr und mehr Tequila zu trinken. Zudem sind diese Marken meistens nicht außerhalb von USA erhältlich was eine zusätzliche Verhindernis für den europäischen Markt darstellt.

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