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Inventur

Inventur für den 8. November 2020 – Cocktails-to-go im Fadenkreuz & japanisches Craft-Beer wird zu Gin

Nun ist sie also durch, die Wahl der World’s 50 Best Bars 2020. Nachdem in der Vorwoche die Plätze 51 – 100 verkündet worden waren, folgten am Donnerstag Abend die Plätze 50 – 1.

Eine Überraschung gab es in dem per aufgezeichnetem Video verliehenen Ranking nicht: Es sind vor allem Bars aus dem angloamerikanischen Raum, die den Ton angeben. Zusätzlich rückte auch der asiatische Raum samt Australien stärker in den Fokus. Platz Eins ging schließlich an das The Connaught in London, das sich unter der Leitung von Ago Perrone bereits seit einer Dekade in den Top Ten hält, nun aber erstmals die Spitzenposition einnehmen durfte. Um die doch nicht von der Hand zu weisende Ironie zu unterstreichen, die der Tatsache innewohnt, in diesem Corona-Jahr ein Ranking dieser Art vorzunehmen, fand der Stream am gleichen Tag statt, an dem die britische Gastronomie in den zweiten Lockdown geschickt wurde.

Wenig überraschend auch die Tatsache, dass die Barszene aus dem deutschsprachigen kaum Beachtung fand. Mit dem Münchener Schumanns (Platz 65) und dem Buck & Breck in Berlin (Platz 37) schaffen es die üblichen Verdächtigen in das Ranking. Das soll die Leistung dieser beiden bahnbrechenden Bars auch in keiner Weise schmälern, aber verdeutlicht doch auch, dass die Macher der Liste die Entwicklung der deutschsprachigen Barszene nicht wirklich verfolgen dürften.

Außer-Haus-Verkauf in UK doch erlaubt

Wir bleiben noch kurz beim zweiten Lockdown in Großbritannien: Dieser trat per Donnerstag, dem 5. November in Kraft und gilt vorerst bis zum 2. Dezember. Er unterschied sich vom ersten insbesondere auch dadurch, dass es Bars, Restaurants und Pubs nicht mehr erlaubt sein sollte, ein Außer-Haus-Geschäft zu betreiben – und somit das praktisch einzig praktikable Geschäftsmodell, dass ihnen geblieben wäre. Diese Regelung aber wurde nun zurück genommen, wie The Spirits Business schreibt. Dazu müssten die Kunden jedoch die Waren zuvor online ordern, per Telefon oder Post (was wohl kaum jemand machen wird), vor allem dürfen sie das Lokal während des Vorgangs der Abholung nicht betreten.

Das Thema Cocktails-to-go ist auch hierzulande ein heißes Eisen. Denn einerseits verkündet die Regierung, dass Einnahmen durch den Außer-Haus-Verkauf die Corona-Hilfen nicht beeinträchtigen wird. Andererseits soll das To-Go-Geschäft mit Cocktails in einigen deutschen Städten unterbunden werden. Wir arbeiten aktuell an einem Artikel zu dem Thema, das einer weiteren Gängelung von Bars gleichkommt, denn einen praktischen Sinn können wir in diesem Verbot nicht erkennen.

Japanisches Craft-Beer wird zu Gin

Auch Japan hat die Corona-Krise schwer getroffen, immerhin hätte die dortige Wirtschaft in diesem Jahr auch auf die Olympischen Spiele bauen können. Durch die Absage bzw. Verlegung entgingen der Inselnation kalkulierte 40 Millionen Touristen. Geringere Umsätze und geschlossene Bars treffen auch insbesondere die nationale Craft-Beer-Szene. Isamu Yoneda von der Brauerei Kiuchi kam nun auf eine andere Lösung: Unverkauftes Bier wird zu Gin gemacht.

Mit der Aktion „Save Beer Spirits“ können lokale Bars und Restaurants ihr unverkauftes Bier einsenden – und bekommen es als Gin zurück. Somit wird aus einem Produkt mit Ablaufdatum ein Produkt ohne Ablaufdatum, und eines, das sich vielleicht leichter verkaufen und weiter verarbeiten lässt. Bars müssen dabei ein Minimum von 20 Litern Bier mitbringen und lediglich die Lieferkosten tragen, aus 100 Litern Bier würden etwa acht Liter Bier gewonnen. Ein gleiches Prinzip verfolgt auch das im Februar 2020 gegründete Unternehmen The Ethical Spirits & Co., das eigentlich übrig gebliebenen Sake zu Gin destilliert. Dieses bekam im Mai beispielsweise 20.000 Liter vom Biergiganten ABInBev gespendet, aus denen 4.500 Liter Gin gewonnen wurden. Vielleicht auch ein Ansatz für hierzulande?

Gegen ein staatlich gefördertes Denunziantum

Es ist ein Thema, das in den nächsten Wochen und vermutlich Monaten leider stärker in den Fokus rücken wird. Denn mag die Corona-Pandemie auf physischer bzw. medizinischer Ebene eine Gefahr darstellen, zielt ihre mittel- bis langfristige Bedrohung auf den Zusammenhalt der Gemeinschaft an sich – einer, wie man hinzufügen möchte, durch politischer Polarisierung aktuell ohnehin porösen Gesellschaft. Dann nämlich, wenn sich Menschen gegenseitig diffamieren und man sich in den eigenen vier Wänden seiner Rechte nicht mehr sicher sein kann.

Auf diesen Umstand zielt ein Plädoyer gegen staatlich gefördertes Denunziantentum in Spiegel. Lieber ein persönliches Gespräch suchen, anstatt gleich die Polizei oder das Ordnungsamt zu rufen, wäre die gesellschaftlich gesündere Methode, mit unerlaubten Parties oder Treffen in Zeiten von Corona umzugehen, schreibt Jan Kalbitzer. Der Schutz vor Seuchen bzw. die Gesundheit anderer könne das Grundrecht des Einzelnen, etwa auf Unverletzlichkeit der Wohnung, überwiegen, so der Autor. Aber „wer verunsichert und misstrauisch gegenüber anderen ist, bringt sich weniger in die Gemeinschaft ein. Und wer Angst hat, in seinem Verhalten – sei es richtig oder falsch – überwacht zu werden, traut sich seltener, unbefangen zu der eigenen Meinung zu stehen, besonders dann, wenn sie nicht der Mehrheitsmeinung entspricht. Muss man betonen, dass das eine gravierende Gefahr für jede Demokratie ist?“

Elon Musk und Tesla launchen Tequila

Erst in dieser Woche war Tesla-Gründer Elon Musk zu Besuch in Grünheide bei Berlin, wo das neue Tesla-Werk entsteht. Somit war Musk auch einer der ersten, der in einem Privatjet auf dem nun doch endlich eröffneten Berliner Großflughafen BER gelandet ist. Auf Twitter ließ er verkünden, dass er persönlich Bewerbungsgespräche mit Ingenieuren für die Fabrik führen wollte. Und das nur kurz, nachdem er ebenfalls zugegeben hatte, dass Tesla während der Produktion des Model 3 nur einen Monat davon entfernt war, bankrott anzumelden.

Davon ist freilich nicht mehr die Rede, heute gilt Tesla als die wertvollste Automarke der Welt. Wahrscheinlich wurde in der kurzen Zeit seines Aufenthalts in Brandenburg wenig über Agaven gesprochen. Dabei gäbe es auch dafür einen guten Grund: Es gibt nun nämlich auch einen Tequila von Tesla. Dieser soll ein Small-Batch Premium-Tequila sein, der 15 Monate in französischen Eichenfässern gereift ist. Bereits 2018 hatte Musk dieses Vorhaben angekündigt, damals noch unter dem Namen „Teslaquila“. Diese Bezeichnung wurde ihm jedoch rechtlich untersagt, da sie zu nahe am geschützten Begriff Tequila war. Nun also erfolgte der Launch unter dem schlichten Namen Tesla, die Flasche ist einem Blitz nachempfunden – und bereits vergriffen. Es sieht also so aus, als würde auch beim Schnaps die Faustregel gelten: Was Musk angreift, wird zu (Tequila) Gold.

Credits

Foto: shutterstock.com / Everett Collection

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