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Dem Irish Negus sollte man das Wasser reichen

Der „Negus“ ist vor allem bekannt als historische Getränkegattung, in der Wein mit Wasser gemischt wird. Der „Irish Negus“ lehnt sich an seinen historischen Vorgänger an – im Glas geht die Paarung von Irish Whiskey, Port, Ingwer, Cynar und Kardamom aber neue, elegante Wege.

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Der Winter steht in den Startlöchern. Damit kommt auch der Glühwein und mit ihm all die Probleme, die er für den Barbetrieb schafft – auch wenn er im letzten Winter der Coronapandemie für viele ein dankbares Rettungsnetz im To-Go-Verkauf war.

Glühwein muss auch keine lieblose Plörre sein, wie hier beschrieben, und hat tatsächlich Wurzeln, die so tief reichen wie nur bei wenigen Mischgetränken. Der Last Word feiert eben mal seinen 80. Geburtstag, und der „Cocktail“ rühmt sich seiner gut 200-jährigen Geschichte. Die Idee, Wein zu würzen, ist vermutlich aber genau so alt wie der Brauch, Traubensaft zur Gärung im Freien stehen zu lassen. Ganz so vorzeitlich soll es heute aber natürlich nicht zugehen.

Irish Negus

Zutaten

4 cl Irischer Whiskey
2 cl Tawny Port
1,5 cl Cynar
0,5 cl Zuckersirup (2:1)
2 Dashes Angostura Bitters
4 cl kaltes Wasser
1 dünne Scheibe frischer Ingwer (ca. wie eine 2-Euro-Münze)
1 Kardamomkapsel

Kindergeburtstag mal anders

Stattdessen geht es heute zunächst um „fortschrittlichere“ Zeiten, in denen einem die Mischung von einer Flasche Portwein mit Wasser, Zucker und Zitrone als angebracht für eine Gruppe von rund zehn Kindern angepriesen wird. Der „Negus“, wie dieses Getränk heißt, ist eine wässrige, relativ lieblose Mischung, die von einem Colonel gleichen Namens im 18. Jahrhundert erdacht wurde. Vermutlich ist die achtlose Zugabe von Wasser auch nicht aus einem gastronomischen Kalkül erfolgt, sondern mehr dem Ruhebedürfnis gestresster Eltern geschuldet.

Wiederum gut 100 Jahre später beschreibt ein gewisser Jerry Thomas einen „Soda Negus“, in dem der Portwein gewürzt, mit Sodawasser gemischt und als „a most refreshing and elegant beverage“ gepriesen wird. In der Tat öffnet die Beigabe von Wasser Aromen und schafft jene angenehme Leichtigkeit, die auf heutigen Barkarten manchmal schwer zu finden ist.

Der Negus heute: es tut sich was!

Luis Estrada hatte sich vor einigen Jahren in der Baltho Küche & Bar in Zürich des Getränks angenommen und den ehemals zweifelhaften Negus in ein modernes Gewand gekleidet. Geblieben sind der Port, die Gewürze und die Leichtigkeit. Als Basisspirituose kommt Irish Whiskey zum Einsatz (es empfiehlt sich beispielsweise Bushmills 10 Years), damit der Port trotz der Beigabe von reichlich Wasser nicht verloren geht.

Irischer Whisky vermag es gut, sich im Hintergrund zu halten und dem Portwein nicht die Show zu stehlen. Es gesellen sich Ingwer und Kardamom dazu, die die Süße des Getränks abfedern und dem Getränk eine frische, pikante Note verleihen. Was letztendlich entsteht, ist ein durchweg neuartiges Getränk, reich an Aromen und dennoch, ganz im Sinne des „Professors“ Jerry Thomas: „refreshing and elegant“. Das kann man durchaus mal ausprobieren.

Dieser Artikel von Nico Colic erschien erstmals 2017 auf MIXOLOGY Online. Er wurde für die Wiederveröffentlichung angepasst und mit einem aktuellen Foto versehen. 

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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