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Genug Kindergeburtstag: Der Irish Negus

Mit der Paarung von Irish Whiskey, Port, Ingwer, Cynar und Kardamom geht der Irish Negus Cocktail von Luis Estrada spannende Wege. Nico Colic zeigt und, wie aus einem dubiosen „Kindergetränk“ doch noch ein ernsthafter Cocktail wurde.

Der Winter scheint bereits auf dem Rückzug zu sein. Damit geht auch der Glühwein und mit ihm all die Probleme, die er für unsereins schafft. Die Plörre, wie sie hier auf MIXOLOGY kürzlich beschrieben wurde, hat aber tatsächlich Wurzeln, die so tief reichen wie nur bei wenigen Mischgetränken. Der Last Word feiert gerade mal seinen 80. Geburtstag, und der „Cocktail“ rühmt sich seiner gut 200-jährigen Geschichte. Die Idee, Wein zu würzen, ist vermutlich aber genau so alt wie der Brauch, Traubensaft zur Gärung im Freien stehen zu lassen. Ganz so vorzeitlich soll es heute aber natürlich nicht zugehen.

Kindergeburtstag mal anders

Stattdessen geht es heute zunächst um „fortschrittlichere“ Zeiten, in denen einem die Mischung von einer Flasche Portwein mit Wasser, Zucker und Zitrone als angebracht für eine Gruppe von rund 10 Kindern angepriesen wird. Der „Negus“, wie dieses Getränk heißt, ist eine wässrige, lieblose Mischung, die von einem Colonel gleichen Namens im 18. Jahrhundert erdacht wurde. Vermutlich ist die achtlose Zugabe von Wasser auch nicht aus einem gastronomischen Kalkül erfolgt, sondern mehr dem Ruhebedürfnis gestresster Eltern geschuldet.

Wiederum gut 100 Jahre später beschreibt ein gewisser Jerry Thomas einen „Soda Negus“, in dem der Portwein gewürzt, mit Sodawasser gemischt und als „a most refreshing and elegant beverage“ gepriesen wird. In der Tat öffnet die Beigabe von Wasser Aromen und schafft jene angenehme Leichtigkeit, die auf heutigen Barkarten oft schwer zu finden ist.

Der Negus heute: es tut sich was!

Luis Estrada aus der Baltho Küche & Bar in Zürich hat sich des Getränks angenommen und den ehemals zweifelhaften Negus in ein modernes Gewand gekleidet. Besonders im Rahmen der letztjährigen Competition der Rum-Marke Diplomatico hat der Zürcher Bartender durch seine ausführliche, aber zielgerichtete Zutatenauswahl auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Irish Negus hingegen führt er hier einen neuen Streich aus irischer Richtung vor.

Geblieben sind der Port, die Gewürze und die Leichtigkeit. Es kommt Irish Whiskey als Basisspirituose zum Einsatz(es empfiehlt sich beispielsweise Bushmills 10 Years), damit der Port trotz der Beigabe von reichlich Wasser nicht verloren geht. Irischer Whisky vermag es gut, sich im Hintergrund zu halten und dem Portwein nicht die Show zu stehlen. Es gesellen sich Ingwer und Kardamom dazu, die die Süße des Getränks abfedern und dem Getränk eine frische, pikante Note verleihen. Was letztendlich entsteht, ist ein durchweg neuartiges Getränk, reich an Aromen und dennoch, ganz im Sinne des „Professors“ Jerry Thomas: „refreshing and elegant“.

Irish Negus

Zutaten

4 cl Irischer Whiskey
2 cl Tawny Port
1,5 cl Cynar
0,5 cl Zuckersirup (2:1)
2 Dashes Angostura Bitters
4 cl kaltes Wasser
1 dünne Scheibe frischer Ingwer (ca. wie eine 2-Euro-Münze)
1 Kardamomkapsel

Zubereitung

Ingwer und Kardamom im Shaker leicht anstoßen, übrige Zutaten hinzugeben und mit Eiswürfeln auffüllen. 10-12 mal „werfen“ und anschließend doppelt auf einige Eiswürfel ins vorgekühlte Glas abseihen (statt des Werfens kann der Drink auch im Rührglas gründlich kaltgerührt werden).

Glas

Nosing-Glas bzw. Port-Copita

Garnitur

Getrocknete Orange und geriebene Muskatnuss

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