TOP
Die Geschichte des Cocktails: Japanese Cocktail

Die Geschichte des Cocktails Teil 4: Der Japanese Cocktail (1862)

Der Japanese Cocktail gehört zu den ältesten Cocktails überhaupt. Im Grunde genommen folgt er wie auch der Whiskey Cocktail der Basisrezeptur eines Cocktails. Was ihn jedoch zu etwas Besonderem macht, ist die Veränderung der Zuckerquelle: Anstelle eines Zuckersirups kommt im Japanese Cocktail ein aromatisierter Sirup zum Einsatz.

Der Japanese Cocktail erschien erstmals im Jahr 1862 in Jerry Thomas‘ Buch How to Mix Drinks. Thomas soll diesen Cocktail selbst erfunden haben, aber dafür gibt es keinerlei Belege. Oftmals wird erzählt, er sei entstanden, als Mitglieder der ersten japanischen Delegation in den Vereinigten Staaten 1860 in New York weilten. Diese seien in Thomas‘ Bar gegangen, er habe zu diesem Anlass den Cocktail erfunden und den Gesandten serviert.

7 cl Cognac
5 ml Orgeat
1 Dash Boker‘s Bitters
Zubereitung: Gerührt. Mit Zitronenzeste abspritzen.

Dafür hätte es allerdings eine Zeitmaschine gebraucht, denn Jerry Thomas eröffnete seine Bar vier Monate nach Abreise der Delegation, und vermutlich war er während ihrer Anwesenheit gar nicht in New York – 1859 hatte er die Stadt für einen längeren Europa-Aufenthalt gen London verlassen.

Die erste japanische Delegation in den USA

Trotzdem nimmt die Benennung des Cocktails mit ziemlicher Sicherheit Bezug auf die japanischen Delegierten, die 1860 für zwei Wochen im Big Apple zu Gast waren. Es gab zahlreiche Veranstaltungen, und die Anwesenheit der fremdartig gekleideten Gesandten war ein Medienereignis. Bei ihrer Ankunft sollen ihnen 500.000 Menschen bei der Parade am Broadway zugejubelt haben. Das jüngste Mitglied, der siebzehnjährige Samurai Tateishi Onojirô, war am beliebtesten. Er wurde von allen nur Tommy genannt, flirtete anscheinend mit der Damenwelt und warf der Bevölkerung im Gegensatz zu den übrigen Gesandten Küsschen zu. Bereits im Juli 1860 konnte man ihn als Wachsfigur in Barnum‘s American Museum bewundern. Nach ihm wurde sogar eine Polka benannt, die 1860 äußerst populär war.

Die Bewirtung der Delegation war, gelinde gesagt, kostspielig. Es kam in der Presse zu Auseinandersetzungen mit dem Stadtrat, denn dieser wollte die einzelnen Posten nicht offenlegen, schließlich wurden die Details aber doch öffentlich. So erfahren wir etwa, dass bei einer Dampferfahrt mit 225 Gästen insgesamt 156 Flaschen Green Seal Champagner, 24 Flaschen Brandy und 15 Flaschen Claret getrunken wurden. Bei einer Dinner-Party war es noch mehr: Man öffnete 1.700 Flaschen Green Seal Champagner (zu je 2,50 $), 2.200 Flaschen anderen Champagner (zu je 2 $), 200 Flaschen Brandy (zu je 3 $) und 280 Flaschen Sherry, Madeira und Weißwein (zu je 2 $). Berücksichtigt man die Veränderungen in der Kaufkraft im Bereich der Lebensmittel, entsprach 1 US-Dollar im Jahr 1860 einem heutigen Gegenwert von rund 132 US-Dollar. Diese Kosten stießen beim Steuerzahler auf wenig Verständnis.

japanese-cocktail-ssf-text

Brandy als Basisspirituose im Japanese Cocktail

Man darf jedoch die japanischen Gäste nicht dafür verantwortlich machen. Schon die Zeitungen der damaligen Zeit schrieben, dies sei eine Verleumdung, denn die japanischen Delegierten seien alle bescheidene, gemäßigte Männer. Man behauptete gar, daß Tommy sicherlich Harakiri begehen würde, wenn er erführe, wieviel Geld für seine Bewirtung auf den Kopf gehauen wurde. Es scheinen also vielmehr die Gastgeber gewesen zu sein, die es sich auf Kosten des Steuerzahlers besonders gut gehen ließen.

Vor diesem Hintergrund ist die Wahl eines Cognacs als Basisspirituose im Japanese Cocktail jedenfalls passend, denn Brandy war die einzige während der Feierlichkeiten genossene Spirituose. Auch mag das Orgeat als eine exotische Zutat wahrgenommen worden sein, so wie auch die Japaner exotisch waren.
Wer den Cocktail erfunden hat, wissen wir nicht. Es ist jedoch naheliegend, dass der Drink nach dem Juni 1860 und vor dem Erscheinen von Jerry Thomas‘ Buch geschehen ist. Und natürlich kann die Rezeptur vom „Professor“ persönlich stammen, belegen lässt sich dies aber nicht.

Die andere Zuckerquelle macht den Unterschied

Was den Japanese Cocktail in der Entwicklungsgeschichte des Cocktails interessant macht, ist die Tatsache, dass in ihm gekonnt die Süßungsquelle variiert wird. Anstatt wie beim regulären Cocktail ganz traditionell Zuckersirup zu verwenden, wird das blumig-nussige Orgeat eingesetzt. Diese zusätzlichen Aromen machen aus einem ansonsten klassischen Cocktail etwas ganz Besonderes.
Was uns im nächsten Teil dieser Serie auch zum East India Cocktail führt …

Credits

Foto: ©Sarah Swantje Fischer

Kommentieren

Ich akzeptiere