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Der Jasmine Cocktail oder die Erfindung des pinken Grapefruitsaftes

Wenn man von einem pinken Cocktail spricht, der in Neunziger Jahren Popularität erreichte, denkt man vermutlich an den Cosmopolitan. Es gibt aber auch einen anderen Drink aus dieser Kategorie: den Jasmine Cocktail.

Das Imbibe Magazin hat den Jasmine Cocktail bereits vor einiger Zeit zu den zehn neuen Klassikern gezählt. In Europa mag der Drink nicht so stark verbreitet sein, seine Geschichte ist allerdings deutlich näher an der eines Klassikers.

Jasmine Cocktail wurde in San Francisco erfunden

Es war in den frühen 1990er Jahren, genauer im Jahre 1992, als Bartender Paul Harrington, der zu jener Zeit im Townhouse Bar & Grill in San Francisco tätig, von einem Freund auf einen Feierabenddrink besucht wurde. Dieser forderte ihn auf, für ihn einen neuen Drink zu kreieren.

Zu genau der Zeit war Harrington über den Pegu Club Cocktail gestolpert und entschied sich, eine Variation von diesem zu mixen. Aus Limette wurde Zitrone, Angostura Bitters wurde durch Campari ersetzt und in andere Verhältnisse gesetzt. „Der rosige Farbton und ein prägnanter Geschmack – ich wusste sofort, dass der Drink ein Erfolg wird“, erinnerte sich Paul Harrington später. „Einer der Ersten, dem ich den Drink servierte, gratulierte mir zur Erfindung von Grapefruitsaft.“

Jasmine Cocktail vereint Glück und Fügung

Was genau der Effekt ist, den wohl die meisten haben, die den Jasmine Cocktail zum erstenmal trinken. In Summe vereinen sich Gin, Campari, Cointreau und Zitrone zu jenem markant-herben Aroma, das man mit Grapefruit assoziiert.

Wenig verwunderlich, funktionierte also die Zusammensetzung vieler Klassiker – Basisspirituose, Säure, Bitter und leicht fruchtige Süße –  auch bei diesem modernen Klassiker. Wie aber erlangte der Jasmine Cocktail seine Popularität? Ein Punkt, den Paul Harrington auch nicht so genau nachvollziehen kann. Er war allerdings in den Anfängen des Internets einer der Pioniere, die über Cocktails schrieben, was einen kleinen Startvorteil erklärt.

Als Autor bekam er zudem die Möglichkeit, ein eigenes Buch zu schreiben: Cocktails – The Drinks Bible for the 21st Century. Dieses Buch wurde für die Belegschaft der Bars im damals neuen Bellagio Hotel in Las Vegas als Schulungsbuch genutzt, und ohne die genauen Hintergründe zu kennen, musste Harrington bei seinem ersten Besuch erkennen, dass es dort ein Restaurant mit dem Namen Jasmine gab, wo der Jasmine Cocktail als Signature Drink serviert wurde. Bei den Qualifizierungen zur World Class Competition 2012 in den USA wurde der Drink bereits als einer der Standards zubereitet.

Deutsche Beteiligung an der Verbreitung des Jasmine Cocktail

Dass sein Cocktail vom Imbibe Magazine zu einem der modernen Klassiker gewählt wurde, erfuhr Paul Harrington interessanterweise von einem Deutschen. Es war das Youtube-Video von Joerg Meyer, in dem dieser zum Bildungstrinken einlädt, das in Harringtons Facebook-Chronik auftauchte.

Mittlerweile hat es Paul Harrington aus dem warmen Kalifornien ins eher kühle Washington verschlagen, wo er in Spokane am Restaurant Clover beteiligt ist. Selbstredend serviert man auch dort den Jasmine Cocktail, gern garniert mit der Anekdote, wie es dazu kam, dass er die Leidenschaft für die Bar entdeckte. Es waren u.a. Rezepte von Charles Schumann, die er im Buch „Memories of a Cuban Kitchen“ fand, die seine Neugier für die Bar weckten. Die Arbeit hinter dem Tresen überlässt Harrington, der mittlerweile als Architekt arbeitet, heute jedoch anderen.

Mit e oder ohne, Hauptsache Jasmine Cocktail

Und noch ein Detail am Rande: Nachdem der Drink vor einigen Jahren etwas Aufmerksamkeit bekam, fragte sich Paul Harrington, was aus dem Kollegen von damals, dem Namensgeber Matt Jasmin, geworden war. Er fand heraus, dass dieser mittlerweile Landschaftsarchitekt für Parkanlagen in San Francisco war, sowie, dass sich dessen Name eigentlich Jasmin schreibt. Neben dem Drink ist also auch dieser Schreibfehler mittlerweile kanpp 30 Jahre alt.

Darauf einen Jasmin(e).

Jasmine Cocktail

Zutaten

4,5 cl Gin
2,25 cl frischer Zitronensaft
0,75 cl Campari
0,75 cl Cointreau

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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