TOP
150520_jasmine_cocktail

Jasmine, der Cocktail, der den falschen Namen trägt

Basisspirituose, Säure, Bitter und leicht fruchtige Süße. Die Zusammensetzung vieler Klassiker der Cocktailgeschichte funktioniert auch bei einem modernen Klassiker.
Bereits in der vergangenen Woche haben wir den Kentucky Buck als einen Cocktail vorgestellt, der im Imbibe Magazin zu den zehn neuen Klassikern gezählt wurde. Genau wie der Buck ist auch der Jasmine in Europa nicht sehr verbreitet, allerdings ist seine Geschichte deutlich näher an der eines Klassikers.
Immerhin mit kurzer Geschichte
In den frühen 1990er Jahren war es Bartender Paul Harrington, der zu der Zeit im Townhouse Bar & Grill in San Francisco arbeitete und von einem Freund, der auf einen Feierabenddrink zu Besuch war, dazu aufgefordert wurde, für ihn einen neuen Drink zu kreieren. Zu genau der Zeit stolperte Harrington über den Pegu Club Cocktail und entschied sich, eine Variation zu mixen. Aus Limette wurde Zitrone und Angostura Bitters wurde durch Campari ersetzt und in andere Verhältnisse gesetzt.
„Ich wusste sofort, dass der Drink ein Erfolg wird. Der rosige Farbton und ein prägnanter Geschmack. Einer der Ersten, dem ich den Drink servierte, gratulierte mir zur Erfindung von Grapefruitsaft.“
Glück und Fügung
Wie aber wird ein moderner Drink zu einem modernen Klassiker? Ein Punkt den Harrington auch nicht so genau nachvollziehen kann. Er war allerdings in den Anfängen des Internets einer der Pioniere des Schreibens über Cocktails und hatte somit schlussendlich einen kleinen Vorteil wenn es darum ging, etwas bekannt zu machen oder zu verbreiten. Als Autor bekam er zudem die Möglichkeit ein eigenes Buch zu schreiben: Cocktails – The Drinks Bibel for the 21st Century.
Dieses Buch wurde für die Belegschaft der Bars im damals neuen Bellagio Hotel in Las Vegas als Schulungsbuch genutzt und ohne die genauen Hintergründe zu kennen, musste Harrington bei seinem ersten Besuch im Hotel erkennen, dass es dort ein Restaurant mit dem Namen Jasmine gab, und dass dort der Jasmine Cocktail als Signature Drink serviert wurde.
Und nicht zuletzt musste der Drink bei den Qualifizierungen zur World Class Competition 2012 in den USA als einer der Standards zubereitet werden.
Deutsche Beteiligung
Dass sein Cocktail vom Imbibe Magazine zu einem der modernen Klassiker gewählt wurde, hat Harrington interessanterweise von einem Deutschen erfahren. Es war das Youtube Video von Jörg Meyer, in dem er zum Bildungstrinken einlädt, das in Harringtons Facebook Chronik auftauchte. Erst danach fand er den Artikel im aktuellen Magazin.
Mittlerweile hat es Harrington aus dem warmen Kalifornien ins eher kühle Washington verschlagen, wo er in Spokane am Restaurant Clover beteiligt ist. Selbstredend serviert man auch dort den Jasmine Cocktail, gern garniert mit der Anekdote, wie es dazu kam, dass er die Leidenschaft für die Bar entdeckte. Rezepte von Charles Schumann, die er im Buch „Memories of a Cuban Kitchen“ fand, waren es, die seine Neugier für die Bar weckten.
Eine Note am Rande. Nachdem der Drink in den letzten Monaten etwas Aufmerksamkeit bekommen hat, fragte Harrington sich, was aus dem Kollegen von damals, dem Namensgeber Matt Jasmin geworden ist. Er fand nicht nur heraus, dass dieser mittlerweile Landschaftsarchitekt für Parkanlagen in San Francisco ist, sondern auch, dass sein Name sich Jasmin schreibt. Neben dem Drink ist also auch dieser Schreibfehler mittlerweile über 20 Jahre alt.
Darauf einen Jasmin(e).

Jasmine

Zutaten

4,5 cl Gin
2,25 cl frischer Zitronensaft
0,75 cl Campari
0,75 cl Cointreau

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Shaker geben und mit Eiswürfeln 10-15 Sekunden (10-15mal) kräftig schütteln. Den Cocktail in das vorgekühlte Gästeglas doppelt abseihen.

Glas

Coupette

Garnitur

Zitronenzeste

Credits

Foto: San Francisco via Shutterstock

Comments (1)

  • OJ

    In der „imbibe“ sind die Mengenangaben ein wenig anders:
    http://imbibemagazine.com/Recipe-Jasmine
    In der Rezeptur schmeckte mir der Drink hervorragend. Werde die hier angegebene Rezeptur auch mal testen müssen…

    reply

Kommentieren