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Kabumm! – Farthofer und Sido machen Vodka

Musiker und Spirituose, eine immer wieder anzutreffende Kombination. Kunst, Nacht und Geld gehen gerne miteinander ins Bett. Oftmals sind es reine Marketing-Strategien. Mit Kabumm hat sich aber ein österreichisch-deutsches Vodka-Projekt auf den Weg gemacht, das in Gestalt der Herren Farthofer und Sido eine andere Geschichte erzählt.

Ich sitze zwei Menschen in einer dunklen Bar, am hellichten-mittäglichen-Spätsommertag gegenüber. Der eine ist gefährlich gut in dem, was er tut, der andere hat den Ruf des Unberechenbaren und manchmal ebenfalls Gefährlichen, aber auch – sehr ratsam für die Nacht – akribisch-genialischen.

Josef Farthofer begrüßt mich, Paul Würdig aka Sido lungert loungig mit seinen Kumpels im Plüsch. Vodka also, hmm. Musik simmert durch die geladene Szenerie. Zusammenrücken. Was soll das, was macht ihr da, wie passt diese Heterogenität der Personen in ein Konzept? Marketing, was? Mal wieder eine knorke Abzocke.

Sido googelt Farthofer

Der „Mostbaron“ Farthofer und Straßen-Rhapsode Sido bringen im Oktober einen Vodka namens Kabumm auf den Markt. Will sich Farthofer seine unbestrittene Vodka-Kompetenz, die er sich mit (organischem) O-Vodka erworben hat, ruinieren? Will Sido – wie andere Musikanten auch – sich seine Bekanntheit versilbern lassen? Skepsis ist angezeigt.

Aber dann geht es los. Sido erzählt, wie es zu der Zusammenarbeit kam. „Ich trinke gerne Vodka und wollte einen guten Vodka herstellen. Also habe ich nach dem weltbesten ‚Wässerchen’ gegoogelt und bin auf Josef Farthofer gestoßen.“ Der wurde 2012 in London genau dafür von der IWSC ausgezeichnet. Farthofer betreibt mit seiner Frau Doris in Öhling bei Amstetten (Österreich) eine Brennerei für hochwertige Spirituosen mit starker Konzentration auf Bio-Produkte. Sido sucht also Hilfe bei einem Österreicher, wo er doch mit Österreich nicht immer die beste Erfahrung gemacht hat. Auf die Frage, was er denn gedacht habe, als Sido ihn vor zwei Jahren angerufen und ihm sein Ansinnen vorgetragen hat, lächelt er geheimnisvoll. Jedenfalls war noch nie ein Rapper unter den zahlreichen Kooperationsanfragen. Doch schnell wird klar, dass Sido es ernst meint. Man ist sich einig, dass nur hochwertige Zutaten Verwendung finden, die Flasche ein Unikat sein und das Brennen auf höchstem Niveau stattfinden soll.

 Sido im Risiko und ein Molotow-Cocktail

Da kommt Farthofer ins Spiel. „Zunächst einmal war ich beeindruckt, wie sehr sich Sido in die ganze Materie eingearbeitet hat. Er hat sich vor Ort auch alles ganz genau erklären lassen und dann haben wir eine Firma für das Produkt und dessen Vermarktung gegründet“, so Farthofer. Sido ist also mit im unternehmerischen Risiko. „Ich habe wirklich überlegt, ob ich zu den Presseterminen gehe, weil ich mich hinter dem Kabumm zurücknehmen will. Mein Name taucht nirgends auf der Flasche oder der Verpackung auf“, betont Sido.

Und wie kommt es zu dem Namen? „Der Vodka ist eine Bombe“, sagt Sido. Da er Comics liebt und in der Sprechblase bei Explosionen oft das Wort „Kabumm“ verwendet wird, war der Name gefunden. Dies sollte sich natürlich auch in der Flasche reflektieren. In der Tat, sie sieht aus wie ein Molotow-Cocktail. Unwillkürlich denkt man an die Flaschen von Zwack Unicum, die ja während des Ungarnaufstandes 1956 tatsächlich als Brandsatz dienten. Allerdings gibt es einen Unterschied: Die Kabumm-Flasche ist komplett rund und durch einen am Flaschenhals fixierten abnehmbaren Ring kann man sie in verschiedenen Neigungswinkeln aufstellen. Dass sie nicht umfällt, liegt am verstärkten Glasboden. „Es hat lange gedauert, bis wir eine Glasbläserei gefunden haben, die bereit war, diese Flasche in der doch überschaubaren Auflage herzustellen“, erklärt Sido. Abgerundet wird das Packaging mit einem (eckigen) Karton, der in der Wertigkeit sofort an Apple Verpackungen erinnert. Sido war das wichtig: „Schon das Auspacken muss Spaß machen“, sagt er grinsend.

Nackthafer und transparentes Gold

Doch all das ist überflüssig, wenn das Produkt nicht stimmt. Vodka ist nicht zuletzt bei Bartendern zu einem Paria der Spirituosen verkommen, weil oft mehr Marketing und Design als Qualität verkauft wurde und immer noch wird. Aber schließlich wirkt hier ein Josef Farthofer, der seine Vodka-Affinität eigentlich nicht mehr unter Beweis stellen muss. Für den Kabumm hat er sich etwas Besonderes ausgedacht. Zur Verwendung kommen Nackthafer und Winterweizen.

Winterweizen kennt man bereits von anderen, vor allem schwedischen Herstellern. Nackthafer ist eine nur noch selten kultivierte Getreidesorte. „Wir haben viel experimentiert und vor allem probiert. Intuitiv war uns klar, dass wir in Richtung des ‚östlichen‘ Vodkastils gehen wollen, das heißt, hocharomatisch, kräftiger im Geschmack als ‚westliche’ Vodkas, die geschmacksneutraler sind“, berichtet Farthofer. Nackthafer ist sehr empfindlich im Anbau und beinahe ausgestorben. Er hat kaum Spelzen und zeichnet sich durch eine hohe Vitalstoffdichte aus. Angeblich steigert er die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Nun gut, Pferde müssen es ja wissen. Zudem hat er einen um das Mehrfache gesteigerten Fettsäuregehalt, was seinen Geschmack beeinflusst. Die Kunst ist nun, ihn in eine ausgewogene Kombination mit dem Winterweizen zu bringen.

Von entscheidender Wichtigkeit ist dabei das Wasser. Und da hat Farthofer einfach einen Standortvorteil, er nennt es „transparentes Gold“. Er besitzt eine Granitquelle, eine Seltenheit in Mitteleuropa. Das extrem weiche Wasser unterstützt den Brenner auf der Suche nach einem harmonischen Destillat. Und der Clou: Kabumm muss nicht mit einer x-fachen Diamantfiltrierung werben – es wird aufgrund des reinen Wassers gar nicht gefiltert!

Würdiger Vodka

Die artesanale Herstellung in Kupferbrennblasen sowie Wasser und Zutaten schlagen sich deutlich in Geruch und Geschmack nieder. In der Nase eine alkoholische Würzigkeit mit Zitrusaromen und gedroschenes Getreide. Im Mund Fülle und Süße, gefolgt von dezenter Schärfe und einem ruhigen, langen Abgang.

Sido, der zu Anfang des Gesprächs durchaus eingeräumt hat, dass er früher Vodka vor allem als „Wirkungsspirituose“ genossen hat, empfiehlt ganz nach Genießerart das Trinken vom Kabumm bei Zimmertemperatur in kleinen Schlucken. Das führt noch einmal zurück zum Namen. Explosiv ist dieses Produkt nämlich auf keinen Fall. Fahrthofer und Sido ist ein eleganter handgemachter Vodka gelungen, der bei Connaisseurs und Vodka-Aficionados sicherlich Anklang finden wird, allerdings angesichts des Preises um seinen Platz in den Bars kämpfen muss. Auch wenn dieser angesichts des Aufwandes, der hier getrieben wird, nicht unangemessen sein muss. Aber halt, eine Bar gibt es bereits, die den Kabumm seinem Publikum offeriert. „Ich eröffne mit Partnern demnächst eine Bar in München, da gibt es natürlich auch den Kabumm“, verrät er noch. In München ist man ja bekanntlich andere Preise gewohnt. Und so diktieren wir in die Sprechblase: Ein Vodka, der sowohl Herrn Farthofer als auch Herrn Würdig alle Würde erweist.

Credits

Foto: Fotos via Murat Aslan

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