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Katharina Zott - Destillerie Zott im Interview | Mixology — Magazin für Barkultur

Katharina Zott im Interview: „Wachsen wollen wir nur in begrenztem Ausmaß. Mein Ziel ist es vor allem, immer besser zu werden.“

Ihre Pomeranze ist ein Everybody’s Darling auf Schnapsmessen, aber die Königsdisziplin ist für Katharina Zott eine andere. Im Interview verrät die Brennerin, welche das ist – und warum sie sich nach ihrer Doktorarbeit für die heimatliche Brennerei entschieden hat.

MIXOLOGY: Liebe Katharina, bei der Destille Berlin Anfang März ging es an Eurem Stand heiß her und ich habe nicht selten auch an anderen Ständen von Eurer „Pomeranze“ schwärmen hören. Bildet das Deine Erfahrung am Stand ab? War das auch in Euren Augen der Gewinnerbrand aus Eurer Riege? Wie siehst Du das Verhältnis der externen Wahrnehmung Eurer verschiedenen Brände und der eigenen?

Katharina Zott: Dass die Pomeranze so viele Menschen begeistert, freut uns natürlich sehr. Er war auch in Österreich der Sortensieger auf der Destillat als „bester Strong“ und damit ein Gewinnerbrand. Er ist als „Strong“ natürlich auch etwas ungewöhnlicher und wird dadurch besonders wahrgenommen. Meistes begeisterte der ein oder andere Brand in der weiteren Verkostung.

MIXOLOGY: Du hattest es mir schon ein wenig am Stand erzählt, gern aber nochmal schwarz auf weiß – wie groß ist Euer Unternehmen, wer arbeitet dort und wer hat welche Aufgaben?

Katharina Zott: Unsere Betrieb besteht aus zwei Teilen. Der Obsthof gehört meinem Bruder. Er baut auf ca. 20 Hektar eine Vielzahl von Obstarten an. Von Himbeeren über Kirschen süß und sauer zu Zwetschgen, Äpfeln, Johannisbeeren rot und schwarz, Heidelbeeren, Aprikosen, Pfirsiche, Stachelbeeren und Christbäumen. Er ist auf Direktvermarktung ausgerichtet. Das meiste Obst können die Kunden bei uns selber pflücken. Äpfel oder Zwetschgen können gepflückt im Hofladen gekauft werden. Mein Bruder hat ein kleines Team von Mitarbeitern und natürlich helfen ihm, wie auch mir, unsere Eltern.

Die Brennerei gehört mir. Ich beziehe das meiste Obst von meinem Bruder. In der Brennerei habe ich zwei Aushilfskräfte, die beim Abfüllen und Etikettieren, Verkauf und Veranstaltungen helfen.

» Himbeeren haben ein wunderschönes Aroma, welches auch bereit ist, sich verarbeitet zu teilen. Das tun nicht alle Früchte. «

Katharina Zott - Destillerie Zott im Interview | Mixology — Magazin für Barkultur

MIXOLOGY: Deine Mutter ist für die Haselnüsse zuständig. Könntest Du das ein bisschen detaillierter veranschaulichen, wie man sich das vorstellen kann?

Katharina Zott: Meine Eltern haben den Obstbaubetrieb über 40 Jahre aufgebaut. Hofübergabe und Teilung ist letztes Jahr erfolgt. Meine Mutter ist 60 und voll im Betrieb im Einsatz. Sie unterstützt meinen Bruder und mich. Sie stammt aus einem Obstbaubetrieb vom Bodensee. Mit ihr kam auch die Idee, in Ustersbach Obst anzubauen. Sonst ist in unserer Gegend eher Ackerbau und Viehwirtschaft üblich. Eine Leidenschaft meiner Mutter ist ihr Brotbackofen. Und da wir etwas mehr Nüsse geröstet haben, war die Entscheidung sofort da, dass wir damit in den großen Brotbackofen gehen. Sie hat den Ofen gut im Griff und hat das Rösten übernommen. Das Schälen der Nüsse (Nusshaut) und hacken war dann im Anschluss ein gemeinsames Werk.

MIXOLOGY: Wenn ich mich recht erinnere, ist der Himbeerlikör einer Deiner persönlichen Favoriten. Was stellst Du mit euren Himbeeren noch so alles an?

Katharina Zott: Aus Himbeeren mache ich Marmelade, Likör, Geist, Brand-Mazeration und Destillation sowie Beerenbrand. Essig gibt es keinen. Himbeeren waren die erste Früchte, die in Ustersbach von meinen Eltern angebaut wurden. Ich war gerade auf die Welt gekommen. Himbeeren sind also die Früchte, die mich schon mein ganzes Leben begleiten. Himbeeren haben ein wunderschönes Aroma, welches auch bereit ist, sich verarbeitet zu teilen. Das tun nicht alle Früchte. [Lacht.]

MIXOLOGY: Auch sprichst Du von der Williams Christbirne als Königsdisziplin im Brand. Was ist hierfür der Grund und wie bist Du im Blick auf Deinen Brand mit diesem Anspruch umgegangen?

Katharina Zott: Williams Christ ist bei uns in der Brennerei der am meisten nachgefragte Edelobstbrand. Eine wunderbare Frucht mit einem sehr spezifischen, feinen und eleganten Aroma. Er ist auch eine Brandsorte, welche weit verbreitet ist. Hier kann man sich mit vielen anderen Brennern vergleichen. Das Aroma in Perfektion einzufangen und einen „großen“ Williams zu destillieren, ist für mich das absolute Ziel. In der Brennerei legen wir recht viel Arbeit in diese Frucht. Das ist die Fruchtqualität, Erntezeitpunkt, Sortieren der Früchte, und so weiter.

Katharina Zott - Destillerie Zott im Interview | Mixology — Magazin für Barkultur
Katharina Zott - Destillerie Zott im Interview | Mixology — Magazin für Barkultur

» Ich bin neben meinem Studium in den Ferien nach Hause gekommen und habe Liköre gemacht. Mit meinem Vater zusammen haben wir die erste Brennerei gekauft. Ich habe also nie den Kontakt zum Betrieb verloren «

MIXOLOGY: Was hast du in den kommenden Monaten und Jahren vor? Stehen Veränderungen an, wollt Ihr wachsen oder bleibt erst einmal alles beim Alten?

Katharina Zott: Die Brennerei ist ständig im Wandel. Zum einen probieren wir in der Brennerei viel aus, zum anderen baut mein Bruder immer mal wieder experimentellere Früchte oder Sorten an. Wachsen wollen wir in einem begrenzten Ausmaß. Mein Ziel ist es vor allem, immer besser zu werden.

MIXOLOGY: War es für Dich immer klar, in das Familienunternehmen einzusteigen, oder hattest Du auch einmal andere Pläne?

Katharina Zott: Ich bin in dem Betrieb aufgewachsen, und selbst als ich „weg“ war, war ich im Betrieb involviert. Ich bin neben meinem Studium in den Ferien nach Hause gekommen und habe Liköre gemacht. Mit meinem Vater zusammen haben wir die erste Brennerei gekauft. Ich habe also nie den Kontakt zum Betrieb verloren. Als ich dann meine Doktorarbeit fertig hatte, stand die Entscheidung an, und ich habe mich für die Brennerei entschieden.

MIXOLOGY: Siehst Du den „Obstlermarkt“ sich verändern, und wenn ja, in welche Richtung?

Katharina Zott: Ich stelle fest, dass immer mehr Kunden Wert auf regionale Produkte legen, welche handwerklich hergestellt werden. Das ist auch für unsere Obstbrände zu bemerken.

MIXOLOGY: Liebe Katharina, herzlichen Dank für das Interview.

Katharina Zott - Destillerie Zott im Interview | Mixology — Magazin für Barkultur
Credits

Foto: Zott Destillerie

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