Canchánchara. Hoffnung auf einen neuen Sommerdrink.

Klassik 23.4.2013 4 comments

Caipirinha und Mojito bestimmen seit Jahren das Sommergeschäft und auch wenn beides tolle Drinks sein können, wenn richtig zubereitet, qualmen manchem Barkollegen am Wochenende die Ohren, wenn die Bestellungen einfach nicht nachlassen wollen. Der Canchánchara fristet seit langen Zeiten ein Schattendasein. Hier soll der Versuch unternommen werden ihn aus dem Dunkel zu zerren und dem Sommer ein neues Gesicht zu geben.

Ein Name wie ein Lied. Vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig für den deutschen Zungenschlag, aber spätestens nach dem ersten Canchánchara sollte die Aussprache sitzen.

Eine exakte Entstehungsgeschichte oder gar einen Namen, den man diesem Drink zuschreiben möchte, ist unmöglich. Der Canchánchara hat sich über Jahre entwickelt und dürfte in seiner frühesten Version ein Getränk gewesen sein, mit dem die Feldarbeiter auf karibischen Zuckerrohrplantagen ihr mühsames Tagwerk erträglicher machten. Ein einfacher Mix aus den Zutaten, die ohnehin vorhanden waren. Wobei die alkoholhaltige Zutat in den Anfangstagen mit unserem heutigen Rum nicht mehr sehr viel gemeinsam haben dürfte.

Ergänzt wurde der Rum oder das Aguardiente durch die typischen Sour-Komponenten Säure aus einer Zitrusfrucht, vornehmlich der Limette und verfügbarerer Zuckerquelle. Ob dies nun wirklich Honig, oder die überall vorhandene Melasse war, ist ein streitbarer Punkt. Am Ende des Tages wird es dem Plantagenarbeiter egal gewesen sein, ob sein Canchánchara mit Honig oder Melasse zubereitet war.

Vom Arbeiterdrink zum Anzugträger

Auch der erfrischende Faktor war ein anderer. Eis ist eine recht neue Erscheinung auf karibischen Inseln. Selbstverständlich wurden die Zutaten früher einfach nur vermixt und eventuell mit einem Schuss Wasser versetzt, um die Mischung etwas sanfter und leichter trinkbar zu machen. Gern wurde dieser Mix auch in Flaschen vorbereitet und diente als kurze Erfrischung zwischendrin.

Gott sei Dank dürfen wir diese Abart eines Sour heut gekühlt und auf Eis trinken und können uns glücklich schätzen aus einer Unmenge an passenden Rums auswählen zu können. Ursprünglich wird dieser Cocktail Kuba zugeordnet und mit kubanischem Rum empfohlen, ist einer Variation gegenüber aber sehr aufgeschlossen. Fast jeder aromatische Rum oder auch ein Rhum Agricole bilden eine hervorragende Basis für diesen Drink.

Die würzige Süße des Honigs unterstreicht nämlich die feinen Noten verschiedener Rumsorten ganz hervorragend. Es ist ein wenig, als würde man einem Rum einen Anzug anziehen. Der Anzug lässt jeden gut aussehen und bei manchen macht er aus dem Stadtstreicher einen Gentleman.

Ein hervorragender Sommerdrink, der sich auf jeder Barkarte gut sehen lassen kann. Noch dazu umkompliziert in Zubereitung und Service und durch die Variation des Rum ein immer wieder neues Erlebnis.

 

Canchánchara (adaptiert aus Cocktailian 2 – Rum & Cachaça)

6 cl Rum (oder Aguardiente)

3 BL Honig (oder zur Vereinfachung 2cl Runny Honey)

2,5cl Limettensaft

Glas: Tumbler

Garnitur: keine

Zubereitung: Alle Zutaten im Tumbler verrühren, bis sich der Honig aufgelöst hat. Eiswürfel hinzugeben und unterrühren.

 
Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

// Cocktailian 1 und 2 sind im Buchhandel erhältlich oder online unter cocktailian.de bzw. amazon.de //

Bildquelle: aboutpixel.de / ZuckerROHR © N-Loader

4 comments

  1. Volker Di Giorgio

    Hallo Marco,

    schade, daß ich diese Seite nicht schon früher entdeckt habe.
    Ein ganz toller Artikel, Kompliment. Ich habe den Canchánchara auch
    schon ausprobiert und bin begeistert. Sogar mit Melasse.
    Übrigends ist Melasse – das schwarze Gold- der Feldarbeiter auf den Zuckerrohrplantagen und somit noch sehr gesund. Honig natürlich auch.
    Ich werde den Drink auf jeden Fall weiterempfehlen.

    Vielen Dank und viele Grüße

    Volker Di Giorgio

  2. Till

    Klingt wie der „Poncha“, Madeiras Nationalgetränk: Man nehme zur Hälfte 50-prozentigen Aguardente de cana und je ein Viertel Zitronen- oder Limettensaft sowie Honig. Gut durchmischen, bis sich eine richtige kleine Schaumkrone bildet.

  3. Sabrina

    Super Artikel. Habe das Getränk das erste mal vor einer Woche in Trinidad in Cuba getrunken.

  4. Imke

    Ist sich hier jemand sicher mit der Aussprache des Getränks? ich bin mir einfach unsicher, da es ja ein ausgedachtes Wort ist und vielleicht sogar mit einer Art Dialekt gesprochen wird.

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