Der B&B Cocktail. Verstaubter After Dinner Drink oder vergessener Klassiker?

Klassik 15.10.2013

Brandy und Bénédictine. Als der Vorschlag auf den Tisch kam, diesen Drink auf MIXOLOGY ONLINE vorzustellen, erwartete Autor Marco Beier einen kurzen Text. Zwei Zutaten, Eis, Rühren, fertig. Bei der Recherche verlor er sich aber beinahe in der spannenden Welt von Bénédictine und Co.

Ich kann mich noch an die einzige Barkarte erinnern, mit der ich je gearbeitet habe, die den B&B als Cocktail auflistete. Bei dieser Karte hatte sich der damalige Barchef die Mühe gemacht, sämtliche Drinks aus dem Buch „Schumann‘s American Bar“ in Kategorien aufzuteilen und so als Cocktailkarte zu nutzen. Und dort war auch der B&B als Cocktail vertreten. An eine Bestellung des Drinks kann ich mich aber nicht erinnern.

Und so haftet dem Zweiteiler durchaus ein wenig das Image des verstaubten Klassikers an. Brandy und Bénédictine. Böse Zungen könnten behaupten dies sei der Rusty Nail für Menschen, die keinen Whisky mögen. Ist aber Unsinn. Bénédictine reiht sich derzeit in die Kräuterliköre ein, die immer mehr an Beliebtheit gewinnen. Es dürfte nur wenige Bars geben, in denen keine Flasche im Rückbuffet steht. Wie oft diese bewegt wird, ist dabei eine andere Frage.

Insgesamt 27 Kräuter, Honig und ein aufwendiges Herstellungsverfahren sind die Merkmale des französischen Likörs, der seine Entstehung Benediktinermönchen verdankt. Vertrieben wird der Likör mittlerweile von Bacardi und gehört im Portfolio zu den sogenannten French Brands. Aber zurück zum Cocktail. Die Entstehung datiert in das Jahr 1937 zurück. Ein Bartender des berühmten New Yorker „Club 21“ erfand den Drink. Der Club, der aus einem Speakeasy der Prohibition entstand, existiert noch heute und gehört zu einer der exquisitesten Adressen des Big Apple, wenn es um gutes Essen geht.

Historischer Crowdpleaser

Aber zurück zum Cocktail. Nachdem der Drink 1937 erfunden worden war, erlangte er eine solch immense Beliebtheit, dass die Firma Bénédictine damit begann, den Drink bereits fertig gemixt abzufüllen. Der B&B Cocktail aus der Flasche ist in den USA noch immer erhältlich und sehr beliebt. Die Verkaufszahlen des Cocktail-Premixes überstiegen die des eigentlichen Likörs in jedem Jahr seit 1957.

Den Cocktail gibt es hierzulande zwar nicht fertig abgefüllt, Anhänger finden sich dennoch. Der Hamburger Barbesitzer Uwe Christiansen bezeichnet ihn als einen seiner Lieblingsdrinks. Er verbindet ihn im Geiste mit Kreuzfahrten auf der Queen Mary II. Für seinen Geschmack sollte es ein kräftiger Cognac sein und im Verhältnis zwei Teile Cognac zu einem Teil Bénédictine gemixt werden. Auf Eiswürfeln in einem schweren Tumbler.

Ulf Neuhaus, Präsident der Deutschen Barkeeper Union und Barbetreiber in Dresden sieht, den B&B als einen Klassiker der durchaus an die junge Generation weitergegeben werden sollte: „Als (echter) Klassiker ist der Drink immer modern und sollte in einer klassischen Bar auch erhältlich sein.“

Für Neuhaus ist es selbstverständlich, dass der Drink ohne Eis serviert wird. Kaltgerührt, aber im V-Shape oder Nosing-Glas serviert. Je nach Wunsch des Gastes. Diesen sollte man auch anch seinem präferierten Brandy fragen. Ohnehin ein Mysterium, nicht nur für Ulf Neuhaus, „wieso man den Drink nicht mit Cognac mischt, wenn die andere Basis ein französischer Kräuterlikör ist“. An dieser Stelle sei kurz mit einem Gerücht aufgeräumt. In manchen Quellen liest man immer wieder, das Bénédictine auf Basis von Cognac hergestellt wird. Dem ist nicht so. Alkoholische Basis der Mazeration ist ein Neutralalkohol, der aus Zuckerrüben gewonnen wird.

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