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Neues aus Brasilien, ganz ohne Fußball

Die WM ist vorüber und so langsam dürften selbst die deutschen Spieler endgültig verstanden haben, dass sie das Turnier gewonnen haben.
Ob man im Land des Gastgebers allerdings mit Caipirinha oder einer Batida angestoßen hat, oder auf zweifelhaftes Sponsorenbier zurückgreifen musste, ist nicht überliefert. Dabei hätte man aus in Brasilien gebrautem Bier und einem dort produzierten Kräuterbitter auch ein veritables Herrengedeck zaubern können.
Brasilien und Kräuterbitter?
Brasilberg heißt der laut Herstellerangaben beliebteste Kräuterbitter Brasiliens. Ein südamerikanischer Abkömmling des deutschen Klassikers Underberg. Wie aber kommen die deutschen Kräuter in den brasilianischen Regenwald? Paul Underberg, Enkel des Firmengründers Hubert Underberg, verband das Angenehme mit dem Nützlichen. Stets auf der Suche nach neuen Absatzmärkten, wurden fremde Länder bereist und die Welt erkundet. Brasilien gefiel ihm dabei besonders gut. Eine große Pflanzenvielfalt und vor allem ein hoher Anteil an deutschen Einwanderern in der Bevölkerung schienen wie geschaffen, eine große Nachfrage nach Underberg zu schaffen. Paul Underberg nutzte die Chance und eröffnete bereits 1933 eine eigene Fabrikation für „Underberg do Brasil“, der Anfangs noch nach dem Originalrezept aus Deutschland produziert wurde. Später passte man das Produkt dem brasilianischen Geschmack an.
Die Zündkerze
Vor einigen Jahren fielen dann die Markenrechte an das deutsche Stammhaus zurück und schnell wurde entschieden, Brasilberg auch im deutschen Markt zu verkaufen. Doch erst mussten bürokratische Hürden überwunden werden. Zum Beispiel ist die in Brasilien verwendete Flasche mit 920 ml Inhalt hierzulande nicht verkehrsfähig. Ob alle Inhaltsstoffe in Deutschland erlaubt sind, oder ob man das Produkt anpassen musste, wird leider nicht beantwortet. Allerdings entspricht das in Deutschland erhältliche Produkt mittlerweile zu hundert Prozent dem brasilianischen. Seit Ende 2013 ist Brasilberg mittlerweile für Deutschland erhältlich. Gerade rechtzeitig also, um die gesteigerte Aufmerksamkeit für Brasilien durch die Fußball Weltmeisterschaft zu nutzen. Aber auch nach der WM soll die Marke mit Bedacht wachsen und das Portfolio dauerhaft ergänzen. Für die Gastronomie durchaus sinnvoll, ist der normale Underberg doch nur in der 20-ml-Flasche erhältlich, bekommt man Brasilberg in der Literflasche. Das von Anhängern liebevoll „Zündkerze“ getaufte Original bleibt also unverändert. Unverändert aber auch die Geheimniskrämerei um das Produkt. Zutaten au dem Amazonas, eine andere Flaschengröße und ein milderer Geschmack, so weit die Informationen, die man zu Brasilberg bekommt. Daraus ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten. Ist Underberg der klassische Digestif, soll Brasilberg vor allem als Zutat von Cocktails und Longdrinks funktionieren.
Mild, aber sicher ein naher Verwandter des Underberg
Die bauchige, dunkle Flasche verrät ebenso wenig über den Inhalt. 42% Vol. Alkohol enthält die Kräuterspirituose und das Etikett zeigt Hubert, Emil und Dr. Paul Underberg. Der Rest ist portugiesisch. Leicht süßlich in der Nase wird Brasilberg doch dominiert von Kräutern. Ein angenehmer Geruch ohne alkoholische Schärfe, dafür lassen sich Süßholz und Galgant erahnen. Geschmacklich ist Brasilberg ein typischer Bitter. Deutlich milder und einfacher zugänglich als das deutsche Pendant, aber eben eine Bitterspirituose, ohne, oder nur mit sehr wenig Zucker. Ein großartiger Digestif. Der Einsatz in Cocktails könnte allerdings schwieriger werden. Der von Underberg empfohlene Rio Negro, Brasilberg und Tonic geschichtet mit einer Scheibe Zitrone, ist jedenfalls nicht die Neuerfindung des Rades. Was überraschend gut funktioniert, ist die Abwandlung eines Trinidad Especial. Statt des Angostura Bitters, mischt man 3 cl Brasilberg mit der gleichen Menge Mandelsirup, 1 cl Wray & Nephew Overproof Rum und 2 cl frischer Limette.
Der Drink ist anständig und weiß zu überzeugen, aber auch hier gilt, man sollte ein Freund des Bitteren sein. Brasilberg hat also seine Eigenheiten und unterscheidet sich klar vom deutschen Underberg, bleibt dabei aber eine Bitterspirituose, deren Einsatz abseits des Digestifs arg begrenzt ist.

Credits

Foto: Paul Underberg

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