Dubonnet Rouge. Dubo, Dubon, Dubonnet.

Liköre 22.12.2011 2 comments

MIXOLOGY ONLINE stellt immer wieder neue Produkte in den Fokus und testet sie auf Herz und Nieren. Dabei dürfen aber natürlich auch Erzeugnisse aus vergangenen Tagen, die ein wenig Staub angesetzt haben, nicht zu kurz kommen. Leider gehören hierzu oft exzellente Aperitifs aus dem französischen Raum. Nachdem wir vor Kurzem dem Picon eine Bühne gegeben haben, wollen wir heute den Dubonnet ins Scheinwerferlicht rücken.

Der Aperitif Dubonnet hat seinen Ursprung in der Stadt der Liebe und ist nach seinem Erfinder benannt. Joseph Dubonnet, der seit dem Jahr 1846 einen Spirituosenfachhandel im Pariser Opernviertel betrieb, ist der Vater des Weinaperitifs. Zu dieser Zeit hatte er auch den Chartreuse, der derzeit in der deutschen Barszene als einer der Lieblinge der Bartender bezeichnet werden kann, in seinem Angebot. Da ihn der Vertrieb alleine anscheinend nicht ausfüllte, machte er sich an die Entwicklung seiner eigenen Produkte, darunter auch den Dubonnet, der mit Chinarinde versetzt wird. Chinarinde galt im 19. Jahrhundert als wahres Wundermittel, als Allheilmittel, vor allem gegen Malaria. Deshalb war sie zu dieser Zeit sehr populär und wurde sogar der französischen Fremdenlegion, die sich auf den Weg nach Afrika machte, zur Prophylaxe verabreicht. Dies stieß aber nicht nur auf Wohlwollen, da dieses Tonikum, das bereits 1830 vom Lyoner Arzt Doktor Juppet entwickelt wurde, extrem bitter im Geschmack ist.

Diese Lücke wollte nun Herr Dubonnet schließen und entwickelte einen Aperitif auf Weinbasis, der mit Chinarinde und anderen Kräutern, darunter auch Mistelle versetzt wird. Die Ingredienzen werden mit dem Wein vergoren und die Gärung wird durch Zugabe von Alkohol gestoppt. Die genaue Zusammensetzung der Kräuter ist natürlich geheim. Heraus kommt dieser leicht bittere Aperitif der nun Teil des Proviants der Fremdenlegion wurde. Da Herr Dubonnet nicht nur auf den inneren Wert seines Appetitanreger setzte, sondern auch auf effektive Werbung, wurde dieser auch schnell bei nicht Soldaten sehr beliebt. Als Markenzeichen wählte er eine Katze, die auch noch heute die Flasche des Franzosen ziert. Modell soll hierfür das Haustier seiner Frau gewesen sein. Wie der Zufall es so wollte, erwies sich die Wahl seines Markenauftritts als wahrer Erfolg. Denn in Schwarzafrika, speziell im damaligen Dahomey, dem heutigen Benin, gilt die Katze als Symbol für Reichtum und Glück. So kann man Berichten entnehmen, dass der Dubonnet zu fast jeder Hochzeit mitgebracht wurde.

Dubo-Dubon-Dubonnet

Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, nutzte Herr Dubonnet auch plakative Maßnahmen. So engagierte er den Illustrator Jules Cheret, der ein Bild von Lise Fleuron, einer sehr berühmten Schauspielerin der Belle Epoque zeichnete. Dieses hübsche Bild zeigt die Berühmtheit mit der Katze und war lange Zeit fester Bestandteil an vielen Plätzen der französischen Hauptstadt. Bald dominierte der Werbeslogan „ Dubo-Dubon-Dubonnet“ die Plakatwände der französischen Metrostationen. Schaut man sich an, was der französische Unternehmer im 19. Jahrhundert schon werbemäßig alles auf die Beine stellte, könnte man zu dem Schluss kommen, dass sich so manch eine Marketingagentur von heute eine Scheibe von Herrn Dubonnet abscheiden sollte.

Die Nachfolger von Gründer und Entwickler fusionierten 1957 mit dem italischen Wermuthersteller Cinzano und die Marke wurde schließlich 1976 von Pernod Ricard übernommen. Leider wird Dubonnet aber seit ca. 2 Jahren nach Angaben von Herrn Heyn, Mitarbeiter beim Spirituosenriesen in Deutschland nicht mehr vertrieben. Gastronomen können aber weiterhin via Parallelimport bei Haromex und beim Bremer Spirituosen Kontor den Franzosen beziehen. Für den Konsumenten bieten auch etlichen Internetshops den Aperitif an.

Was kann der Dubonnet im Glas?

Mittlerweile fristet der aufgespritzte Wein in vielen Bars einen tristen Alltag, ist oft überhaupt nicht vorhanden oder von einer Staubschicht bedeckt, unserer Meinung nach zu Unrecht. Schaut man zum Beispiel in alte Barbücher, insbesondere in das Savoy Cocktailbuch, trifft man ständig auf das chininhaltige Getränk und zudem soll es, laut einer BBC-Dokumentation, der Hauptbestandteil des Lieblingsdrinks der britischen Königin Elisabeth II sein. Die Queen lässt ihn mit einem Drittel Gin mischen und mit einer halben Zitronenspalte und 2 Eiswürfeln servieren. Grund genug den Aperitif pur und im Mix näher zu beleuchten.

In die Nase strömen als Erstes süße Orangentöne, die von Trockenfruchtnoten begleitet werden, welche an Rosinen und Aprikosen erinnern. Führt man den Franzosen an den Mund, setzt sich am Gaumen die Süße ab und im Abgang sind Bittertöne deutlich wahrnehmbar. Der Geschmack von Trockenfrüchten, vor allem von Rosinen, die zuvor auch schon durch die Nase gezogen sind, ist nun im gesamten Mundraum wahrnehmbar. Der ein oder andere aus der Redaktion nimmt auch noch Töne von Schwarzer Johannisbeere wahr. Durchaus ein Appetitanreger, den man pur empfehlen und geschmacklich gut mit italienischen Wermuts vergleichen kann.

Was kann der Aperitif im Mix?

Dafür schwingen wir den Rührlöffel und schicken den Dubonnet ins Rührglas. Als Erstes versuchen wir den Drink der Monarchin. Er ist eine leichte Abwandlung des Dubonnet Cocktail, den man im Savoy Cocktailbuch findet. Dieser besteht einfach zu gleichen Teilen aus Gin und dem süß-bitteren Franzosen. In der Variante des Oberhaupts des British Empire ist der Dubonnet unserer Meinung nach zu dominant und der Drink etwas zu süß und eindimensional. Im Cocktail aus dem berühmten Buch, das in keiner Bibliothek eines Bartenders fehlen sollte, gewinnt der Gin etwas an Oberhand und wird wunderbar vom Dubonnet begleitet. Wer es etwas fruchtiger mag, kann den Drink gerne mit einer Orangenzeste abspritzen. Um dem Drink noch etwas Komplexität zu geben, empfehlen wir noch ein bis zwei Dashes Orangenbitter.

Um die Nähe zum Wermut aufzugreifen, bauen wir noch schnell einen Negroni. Dieser italienische Klassiker besteht zu gleichen Teilen aus Gin, Wermut und Campari. Hierfür ersetzen wir den Wermut durch den Dubonnet. Heraus kommt eine exzellente Variante, wo der Campari die Oberhand gewinnt und der Drink eine leicht stärkere Bitterkeit als gewöhnlich aufweist, aber ein Drink der Lust auf mehr macht.

MIXOLOGY ONLINE würde es freuen, wenn die Staubschicht von der Dubonnet-Flasche entfernt wird und der Aperitif mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Das Potenzial ist auf jeden Fall da und mit seinem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, macht es Spaß, verschiede Drinks mit dem Franzosen zu testen. Unserer Meinung nach wird der Trend zur Aperitifkultur in Deutschland nächstes Jahr auch weiter aufblühen, siehe nur den Erfolg von Aperol Spritz und seines Verfolgers Hugo in diesem Jahr. Und mit dem süß-bitteren Dubonnet haben wir ein Produkt mit Tradition auf dem Markt. Die Strömung kann vorangetrieben werden, wenn ihn nur genug Bartender, so wie früher, wieder an die Hand nehmen und ein Großkonzern das Potenzial dieses Produkts auch wieder entdeckt.

 

Dubonnet Cocktail // adaptiert nach einer Rezeptur aus ›Savoy Cocktail Book‹,Harry Craddock, 1930

3 cl Gin

3 cl Dubonnet

Glas — Cocktailschale

Garnitur — Orangenzeste // optional

Zubereitung — Alle Zutaten mit Würfeleis in ein Rührglas geben und solange verrühren, bis das Glas außen beschlägt. In vorgekühltes Gästeglasabseihen.

 

Produktdaten Dubonnet Rouge

Preis: ca. 9 €

Herkunft: Frankreich

Füllmenge: 0,7 l

Hersteller: Pernot Ricard

Vertrieb: Bremer Spirituosen Kontor und Haromex

Internet: doyoudubonnet.com // für den US-Markt

Alkoholgehalt: 14,8 % Vol.

 

// Dubonnet Rouge kaufen: Angeboten wird Dubonnet Rouge 0,7 Liter unter anderem bei Barfish für 8,25 Euro (inkl. MwSt.): barfish.de //

2 comments

  1. Hannes

    Auch gut: Der Bentley mit Calvados und Dubonnet zu gleichen Teilen.

  2. Markus

    Was heist „Hersteller: 14,8“ ? Oder ist es Ricard gemaint ?

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