Krombacher nun offiziell mit Ingwerbrause Schweppes Ginger B. am Markt.

Limonaden 5.12.2011

Nach dem Urteil des Berliner Landgerichts zur Verwendung des Begriffes „Ginger Beer“ gegen Thomas Henry kommt nun weiter Bewegung in den Markt. Die Marke Schweppes lancierte zu Anfang Dezember ein Konkurrenzprodukt namens Schweppes Ginger B. Bei Thomas Henry wiederum erfolgte eine Namensänderung. MIXOLOGY ONLINE fragte nach.

Es war einer der Aufreger des Jahres in der Bar- und Getränkebranche. Das junge Berliner Start-up Thomas Henry, benannt nach einem schottischen Apotheker und angetreten, die Gastronomie mit neuen Mischlimonaden zu versorgen, war von einem Verband aus Bayern erfolgreich wegen der Nutzung des Begriffs Ginger Beer abgemahnt worden. Unverständlich für die meisten Connaisseure und Bar-Gastronomen, die seit Jahren schon mit importierten Ingwer-Mixern arbeiten, rechtlich jedoch vertretbar.

Denn die deutsche Bier-Lobby hatte im Rahmen der rechtlichen Integration der Bundesrepublik in die Europäische Union in den 1990ern ein fragwürdiges Gesetz durchgebracht. Es untersagt in Deutschland hergestellten Getränkeprodukten die Verwendung des Begriffs „Bier“ oder „Beer“, sofern sie nicht nach dem Reinheitsgebot hergestellt werden. Der Einführung von Getränken aus dem Ausland mit „Bier“ auf dem Etikett, die nichts mit deutschem Bier gemein haben, steht skurrilerweise aber nichts im Wege.

Hohes Tempo in Sachen Ingwer

Im Rahmen seiner Recherchen in der Causa Ginger Beer stieß unser Autor Steffen Hubert auf eine Markenanmeldung aus dem Hause Krombacher. Der Zeitpunkt der Eintragung der Marke „Ginger B.“ erschien vor dem Hintergrund der Abmahnung von Thomas Henry ungewöhnlich. Von der Firma Krombacher waren allerdings wenig Informationen zu erhalten. Pressesprecher Dr. Weihrauch kündigte immerhin die Einführung des Produktes für das kommende Jahr an: „Die Limonade kommt 2012 auf den Markt und soll den aktuellen Bedarf der Club- und Barszene decken.“

Weshalb lanciert man das Produkt nun doch noch im auslaufenden Jahr, während Gastronomen und Großhändler mit dem Weihnachtsgeschäft kämpfen und wenig Zeit für Termine haben? Pressesprecher Weihrauch begründete es MIXOLOGY ONLINE gegenüber heute folgendermaßen: „Was die Produkteinführung von Ginger B. angeht, so haben wir unsere Arbeiten am Produkt (Produktausstattung etc.) so gut vorantreiben können, dass wir uns entschlossen haben, es noch zur Weihnachtssaison 2011 auf den Markt zu bringen.“

Schweppes Ginger-Variante bereits länger geplant

Vor rund 3 Jahren hatte unter den mittlerweile nicht mehr im Unternehmen befindlichen Schweppes-Mitarbeitern Hartmut Wunram und Ulf Pittner bereits Test-Tastings mit Bartendern und Gastronomen in Düsseldorf stattgefunden. Die Testobjekte: Verschiedene Ingwerbiere. Nach dem Abgang der erfahrenen Marketing-Leute zu Nestlé Waters hat Nachfolger Stephan Crancik diese Pläne offenbar vorangetrieben. Wie aus Insiderkreisen zu erfahren war, arbeitet Schweppes möglicherweise sogar an einer eigenen Kola-Marke. Das Projekt für ein  „Schweppes Ginger Beer“, das nach Rechtslage nur nicht so heißen darf, existierte auf jeden Fall bereits vor der Einführung von Thomas Henry. Der Erfolg des quirligen Berliner Start-ups in der Gastronomie, das erst kürzlich wieder durch eine neues Elderflower Tonic auf sich aufmerksam machte, könnte die Einführung allerdings durchaus beschleunigt haben.

Wo sieht Schweppes nun sein neues Produkt Ginger B., die achte Geschmacksvariante im Schweppes-Portfolio? In der Pressemitteilung wird ganz klar das Bar- und Club-Segement ins Auge gefasst: „Die Nummer eins im Segment der Bittergetränke hat Zuwachs bekommen: Mit dem einzigartigen und erfrischenden Geschmack von Ginger B. bietet Schweppes jetzt der Bar- und Clubgastronomie ein besonderes Angebot.“ Und auch die wachsende Popularität des Moscow Mule ist den Krombachern offenbar bekannt: „Aber nicht nur pur, sondern auch insbesondere als Mixbegleiter für Longdrinks oder Cocktails ist Ginger B. perfekt einsetzbar für Szene-Drinks wie zum Beispiel Moscow Mule oder Virgin Mule.“

Spicy Ginger statt Ingwerbier

Was ist derweil aus dem Hause Thomas Henry zu vernehmen? Laut Geschäftsführer Sebastian Brack wartet man noch immer auf die offizielle Urteilsbegründung des Berliner Landgerichts, bevor man die nächsten Schritte ins Auge fasst. Den Gegenstand der Abmahnung und der aus dieser resultierenden Gerichtsverhandlung hat man allerdings bereits angepasst, wie man auch der Internetseite von Thomas Henry entnehmen kann. „Limonade darf man das Produkt nicht nennen, da darin ein höherer Fruchtanteil enthalten sein muss. Daher nennen wir das Produkt jetzt vorerst Spicy Ginger“, erklärte Unternehmer Brack gegenüber MIXOLOGY ONLINE. Seiner Meinung nach ist das letzte Wort in Sachen Ginger Beer aber noch nicht gesprochen: „Wir glauben daran und wir kämpfen dafür, dass wir in Zukunft das Produkt wieder als Ginger Beer verkaufen können.“

Nach jahrelanger Ödnis im deutschen Mischlimonaden-Markt, die durch Importe aus dem Ausland belebt werden musste, schießt jetzt plötzlich eine Vielzahl neuer Geschmacksvariationen empor. Die Auswahl für den Barbetreiber war noch nie so groß. Sie ist Ausdruck des Fortschritts in der deutschen Bar- und Klubgastronomie, die inzwischen zu den innovativsten Märkten der Welt gezählt wird. Wie das neue Ginger B. (beinahe hätten wir Ginger Beer geschrieben) aus dem Hause Schweppes im Pur- und Mischtest abschneidet, werden wir berichten, sobald wir unsere Hände an die ersten Samples bekommen.

 

Weitere Informationen: schweppes.de und thomas-henry.de

 

(Offenlegung: Die Marken Schweppes und Thomas Henry waren in der Vergangenheit beide Kooperations- und Werbepartner von MIXOLOGY und MIXOLOGY ONLINE.)

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