„Please don’t tell, shout it out!“ – Die deutsche Edition des geheimen Cocktailbuchs ist da.

Literatur 9.9.2012 4 comments

Seit 5. September ist sie auf dem Markt: Die erste deutsche Auflage des PDT Cocktailbook. Wen es nach deutschsprachigen Cocktailrezepturen von Barinhaber Jim Meehan gedürstet hat, wird jetzt für das Warten belohnt. „Das geheime Cocktail Buch“ ist nicht einfach eine deutsche Kopie des Originals, sondern besticht durch seinen Charakter und seine erstklassige Übersetzung. Als würde Jim Meehan den Leser persönlich anlernen.

Klassiker sind schon immer gut. Das geheime Cocktailbuch von Jim Meehan erinnert mit seinen farbintensiven Illustrationen zu Recht an das legendäre Savoy Cocktail Book aus den Dreißiger Jahren. Das findet auch David Wondrich, selbst Autor diverser Mixologiebücher, im Vorwort dieser Ausgabe. Viel wichtiger als das grandiose Design aber ist die Intention des Autors: Jim Meehan möchte sowohl professionelle Bartender als auch Anfänger beim und zum Cocktailmixen inspirieren. Meehans Buch begegnet einem auf Augenhöhe. Auch das macht diese relativ neue Lektüre zu einem Klassiker der Zukunft.

Literatur, Bar und wieder zurück

Sieben Jahre im Hörsaal und hinter dem Studentenbartresen sollte es dauern bis Jim Meehan sein Hobby zum erfolgreichen Vollzeitjob machte. Den Shaker schwang er hinter einer Bar im beschaulichen Wisconsin, um das Geld für sein Literaturstudium zu verdienen. Irgendwann beschloss er, sich in New York seinen Traum zu erfüllen. Heute ist er einer der Bartender mit dem ungewöhnlichsten Arbeitsplatz. Am St. Mark’s Place im New Yorker Osten findet man zunächst hauptsächlich Jazzclubs und Kochschulen und auch eine Hot Dog Bude. Das trashig-hippe „Crifs Dogs“ führt Brian Shebairo, ein Freund von Jim schon länger. Bis er auf eine grandiose Idee kommt. Er verbindet das Nebenzimmer durch eine Telefonzelle mit dem Hot Dog Laden. Durch diese gelangen die Gäste (natürlich nur mit Voranmeldung!) in die kleine „Please don’t tell“-Bar. Typisch für Meehans Bodenhaftung ist auch das Angebot. Neben exzellent gemixten Cocktails bietet die Bar auch exzellentes Fast Food – die Hot Dogs von nebenan. Zwischen Literaturstudium und dem geheimen Cocktailbuch liegen einige Jahre. Doch da Meehan beide Metiers beherrscht – die Mixologie und das Schreiben – unterhält und lehrt dieses Buch zugleich.

Alles, was man braucht – und noch viel mehr

Neben Cocktail Klassikern aus der PDT Bar findet man auch Rezepte anderer Bartender, die Meehan gebührend erwähnt. Sowohl Schöpfer als auch Entstehungsort und –zeit, stehen unter jedem Rezept, falls bekannt. Der New Yorker Bartender greift Anregungen aus Klassikern der Barliteratur auf, weil es nun mal richtig ist. Anstatt alte, gute Rezepte in Vergessenheit geraten zu lassen und seinen eigenen Stil auf zu oktroyieren, lässt Meehan Rezepturen aus dem Bar Tender’s Guide von 1862 neben eigenen von 2007 erscheinen. Auch sonst fehlt es an nichts: Bevor man die Rezepturen ausprobiert, bringt der New Yorker dem Leser noch die wichtigsten Grundkenntnisse bei. Nach der Lektüre kennt der Laie die Ausstattung einer Bar – von Möbelstück über Boston Shaker bis Collinsglas – sowie Zutaten und Bartechniken. Ein großes Literaturverzeichnis an Cocktailbooks aus den letzten Jahrhunderten bis heute lässt kaum eine Frage offen. Sogar für Barfood ist gesorgt: Das geheime Cocktailbuch bietet Hot Dog Rezepte für den ausgefallenen Snack neben einem guten Drink.

Bourbon mit Speck, Cocktails mit Kunst

Ob Laie oder Profi, in dieser Cocktailbibel findet man die unterschiedlichsten Rezepte, jedes von ihnen da um die Geschmacksknospen zu inspirieren. Sowohl die Rezepturen von Jim Meehan als auch die aus fast vergessenen Barschmökern sind eine Offenbarung. Selbst erprobte Bartender haben hier noch Spielraum um Neues zu entdecken. Der „Brewer’s Breakfast“ macht den müden Braumeister wach, mit jungem Whiskey, Sake und süßem Galliano. Garniert wird der Drink mit Frühstücks Honey Loops. Für den „Benton’s Old Fashioned“ vereint sich Bourbon mit Schinkenspeck und rote Paprika ergänzt Grapefruit und Gin im „Shiso Delicious“.

Mit den Comic Noir Zeichnungen von Chris Gall vereinen sich zwei Künste zu einem Buch, das man sich auch gerne ansieht. Mixologie und Illustrationen sind gut aufeinander abgestimmt. Gall hat einen sehr feinen Sinn die Rezepturen mit seinem Stift zu interpretieren. Die aussagekräftigen Farben und Motive spiegeln die Geschichte oder den Namen der Cocktails wieder und ergänzen die Rezepte perfekt.

Jim, please don’t tell too much!

Jim Meehan ist kein Geheimniskrämer. Er teilt seine Passion mit allen die Cocktails lieben. Das und seine Bodenständigkeit machen die Lektüre angenehm und authentisch. Dennoch hat es Meehan mit seiner Erzählfreudigkeit etwas übertrieben, er verrät nämlich in seinem geheimen Cocktailbuch den genauen Ort und das Aufnahmeritual seiner „Please don’t tell“-Bar mit ausufernder Präzision. Sogar einen Lageplan und der genaue Ablauf eines Abends hinter der Telefonzelle hat der Bartender abdrucken lassen. Durch diese Offenheit hat die „Please don’t tell“-Bar sehr viel ihres mysteriösen Charmes eingebüßt. Das macht Meehan aber ganz sicher hinter dem Tresen wieder wett.

 

Jim Meehan

Das geheime Cocktailbuch

Gestalten Verlag

Preis: 29.90 € auf shop.gestalten.com

 

4 comments

  1. Michaela

    Das Buch hört sich sehr vielversprechend an. Obwohl ich meistens immer bei http://www.cocktailscout.de meine Rezepte kostenlos hole, interessiert mich dieses Buch doch sehr. Mal gucken, wo sich die Bar befindet 😉

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.