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Geschichte des Cocktails: Manhattan Cocktail

Die Geschichte des Cocktails Teil 6: der Manhattan Cocktail (1882)

Mit dem Manhattan Cocktail beginnt eine neue Ära: Er ist der erste Cocktail, in dem eine alkoholreiche Spirituose zusammen mit einem fortifizierten Wein als Basis verwendet wird, in diesem Fall Rye Whiskey und Wermut. Innerhalb kurzer Zeit ließ dies zahllose neue Cocktails entstehen. Und jede Menge Mythen.

Irgendwann in der in dieser Serie behandelten Gründerzeit der Cocktails kam jemand auf die Idee, eine alkoholreiche Spirituose mit einem fortifizierten Wein im Cocktail als Basis zu kombinieren: Der Manhattan Cocktail ist der erste Cocktail dieser Art und stellt somit einen Meilenstein in der Geschichte des Cocktails dar.

6 cl Rye Whiskey
3 cl roter Wermut
1 Dash Aromatic Bitters

Zubereitung: Auf Eis gerührt. Optional mit einer Zitronenzeste abspritzen oder mit einer eingelegten Kirsche garnieren.

Das Verständnis darüber, was ein Cocktail ist, änderte sich mit ihm grundlegend. Gleichzeitig wurde ein unglaubliches Maß an Kreativität freigesetzt. Die Gattung der Cocktails entwickelte sich weiter, es entstanden unzählige neue Mischgetränke. Dieser Erfolg wird insbesondere ersichtlich, wenn man bedenkt, dass Jerry Thomas im Jahr 1862 nur zehn echte „Cocktails“ kannte. Bei ihm nehmen andere Getränkekategorien, darunter auch Punches, den größten Teil ein. Doch der Cocktail stellt, beginnend mit dem Manhattan Cocktail, nach und nach die Mehrzahl der in Büchern veröffentlichten Rezepte.
Erstmals erwähnt wird der Manhattan Cocktail 1882 in einem Zeitungsartikel, die ersten Rezepte erscheinen 1884 gleich in drei Büchern.

Die Entstehung des Manhattan Cocktails

Es gibt zahlreiche Legenden, die alle auf unterschiedlichste Art davon berichten, wie der Manhattan Cocktail entstanden sein soll. Eine besagt, er sei eine Erfindung des Bartenders John Welby und am 17. April 1846 morgens um 8:15 im Palo Alto Hotel in Bladensburg, Maryland, erdacht worden. Angeblich wurde er nach einem Pistolenduell zwischen John A. Hopkins und Baron Henri de Vrie et Challono für ersteren zubereitet.

Der Manhattan Cocktail soll aber auch eine Erfindung von Colonel Joe Walker aus New Orleans sein, der ihn auf einer Yacht-Tour in New York auf dem Boot kurzerhand gemischt habe. Walker war eine führende Persönlichkeit der Society von New Orleans, Präsident einer Eisenbahngesellschaft und Eigentümer der berühmten „Crescent Billard Hall“, die als einer der schönsten und größten Billard-Saloons des Kontinents galt.

Geschichte des Cocktails: Manhattan Cocktail
Rye Whiskey, roter Wermut, Aromatic Bitters: der Manhattan Cocktail | ©Sarah Swantje Fischer
Geschichte des Cocktails: Manhattan Cocktail

Der Manhattan und der Churchill-Mythos

Der populärsten Entstehungsgeschichte zufolge soll der Manhattan Cocktail jedoch um 1874 im New Yorker Manhattan Club entstanden sein, entweder auf einem Empfang von Lady Randolph Churchill (geb. Jeanette Jerome und Mutter von Sir Winston Churchill) oder initiiert durch das Clubmitglied Charles Truax.

Truax’ Tochter berichtet, dass ihr Vater, „der sehr fett war, jeden Tag auf dem Weg vom Gericht nach Hause im Club einen Halt einlegte, um ein paar Martinis zu trinken (immer zwei gleichzeitig, da es zwei für einen Quarter gab!). Als der Arzt ihm mitteilte, dass er unbedingt mit den Martinis aufhören müsse, falls er jemals Gewicht verlieren wolle, ging er eilig in den Club, und erzählte dem Bartender, er müsse nun mit einem neuen Cocktail aufwarten, und so war der Manhattan geboren – benannt nach dem Club. Natürlich erzählte er später, fetter denn je, seinem Arzt von diesem köstlichen Ersatz für einen Martini, und der Doktor brauste auf und meinte, ‚Aber das ist sogar noch schlimmer!‘“

Doch: All diese Geschichten sind wohl falsch. Die Pistolenduellanten haben nie existiert, der Martini Cocktail entstand nach dem Manhattan Cocktail, und Lady Churchill kann nicht im Club gewesen sein, denn sie weilte zum fraglichen Zeitpunkt in England und gebar den späteren britischen Premierminister. Darüber hinaus gibt es andere Indizien und Argumente, die gegen diese Legenden sprechen.

Geschichte des Cocktails: Manhattan Cocktail
Mit dem Manhattan Cocktail beginnt eine neue Ära: Er ist der erste Cocktail, in dem eine alkoholreiche Spirituose zusammen mit einem fortifizierten Wein als Basis verwendet wird | ©Sarah Swantje Fischer

Die wahrscheinlichste Variante: Meet George Black

Am wahrscheinlichsten ist es, daß der Manhattan Cocktail eine Entwicklung von George Black ist. Er war der Inhaber des „Manhattan Inn“ auf dem Broadway. Er verstarb 1881, und man weiß eigentlich nichts über ihn. Die Bezeichnung des Cocktails mag von ihm selbst stammen oder wurde von anderen Bartendern beigesteuert. Man tauschte sich mit Sicherheit über diese Neuheit aus, diesen Cocktail, in dem Whiskey und Wermut miteinander kombiniert wurden, und sprach in diesem Zusammenhang dann möglicherweise von „diesem Cocktail aus dem Manhattan Inn“, und so wurde er schnell zum Manhattan Cocktail.

Zur Rezeptur des Manhatten Cocktails

Die Rezepturen des Manhattan Cocktails sind im Vergleich zu den Rezepturen anderer Cocktails recht interessant, es gibt nämlich keine wirklich festgelegte Rezeptur. Vielmehr gibt es den Cocktail in Anlehnung an den Whiskey Cocktail in verschiedenen Varianten.
Er ist entweder „plain“, also ohne Aromageber. Er taucht ebenfalls „fancy“ auf, also mit Zugabe eines Aromagebers wie Curaçao, Maraschino oder Absinth. Zusätzlich kann er „sweet“ sein, d. h. mit einer Zugabe von Zuckersirup, „dry“ wenn er ohne Zuckersirup und mit italienischem Wermut zubereitet wird, oder „extra dry“, wenn der italienische Wermut durch einen französischen ersetzt wird. Mischformen aus diesen Basisausrichtungen sind möglich, so wie z.B. der heute gängige „Perfect“ Manhattan mit süßem und trockenem Wermut zu gleichen Teilen.

Eine Vielzahl von Abwandlungen

Der Manhattan Cocktail kann sowohl mit einem Rye Whiskey wie auch mit Bourbon zubereitet werden. Tendenziell hat sich der Wermutanteil im Laufe der Zeit reduziert. Wenn ein Likör verwendet wurde, so war dies am häufigsten Curaçao, gefolgt von Maraschino und seltener Absinth.

In Prohibitionszeiten wurde man sehr kreativ und verwendete auch Crème de Cacao, Grenadine oder gar Orangensaft. Bei solchen Abwandlungen sei aber die Frage erlaubt, ob man nicht doch zu weit entfernt ist von der Manhattan-Architektur. Anfangs verwendet man als Garnierung überwiegend eine Zitronenzeste. Die heute oft anzutreffende Kirsche wurde erst recht spät eingesetzt.

Man ersieht daraus, dass ein Manhattan Cocktail unzählige Varianten kennt, ohne dass er aufhört, noch ein Manhattan Cocktail zu sein. Für jeden Geschmack dürfte die richtige Mischung dabei sein. Diese Vielfalt und Wandlungsfähigkeit ist es – neben der Kombination eines fortifizierten Weines mit einer alkoholreichen Basisspirituose – die den Manhattan Cocktail zu einem Meilenstein werden lässt. Es gibt zahlreiche Abwandlungen seines Grundprinzips unter zahlreichen Bezeichnungen, die aufzuzählen hier jedoch zu umfangreich werden würde.

Und dann ist da ja noch sein „weicherer“ Verwandter, der Bamboo Cocktail. Dazu mehr beim nächsten Teil unserer Serie.

Credits

Foto: ©Sarah Swantje Fischer

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