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GSA-Jurorin Marie Rausch: “Es gibt nicht viele Competitions, die so frei sind wie die Made in GSA.“

Marie Rausch stieß im letzten Jahr erstmals zur dreiköpfigen Jury der Made in GSA Competition. Auch in diesem Jahr auf Schloss Elmau wird die Betreiberin des „Rotkehlchen“ in Münster wieder die zehn Finalistinnen und Finalisten beurteilen. Wie aber bewertet sie, und was ist ihr dabei wichtig? Wir haben Marie Rausch zum Interview gebeten.

MIXOLOGY: Liebe Marie, zuerst ein kurzer Rückblick auf das Finale Ende August 2020 in Köln. Wie war dein Eindruck?

Marie Rausch: Der Tag hatte eine gewisse Leichtigkeit in einer so schweren Zeit. Ich denke, alle, die dabei waren, hatten eine gute Zeit, unabhängig davon, wie der Wettbewerb für sie ausgegangen ist. Alles war gut organisiert, und vor allem fand ich es schön, so viele Barmenschen an einem Ort versammelt zu sehen.

MIXOLOGY: Ihr drei Juroren (die anderen beiden sind in diesem Jahr Gerhard Tsai und Thomas Huhn, Anm.) bekommt die Rezepturen im Vorfeld anonymisiert vorgelegt, aus diesem Pool einigt ihr euch auf zehn Favoriten. Worauf achtest du als Erstes?

Marie Rausch: Für mich ist das Gesamtkonzept sehr wichtig. Der Name und die Story des Drinks müssen auch das Rezept widerspiegeln. Es muss sich jemand schon Gedanken gemacht haben. Ich war wahrscheinlich auch die einzige von uns Judges, die im letzten Jahr die Wörter der Geschichte zum Cocktail nachgezählt hat (lacht). Ich finde eben, das steht so im Regelwerk, und wenn jemand einen ellenlangen Text schreibt, ist das nicht fair. Dabei fand ich es hilfreich, dass wir Juroren uns im Vorfeld besprochen hatten. Niemand wollte einfach seine Favoriten durchboxen, und so war man mit allen Finalisten schon mal konform.

»Im letzten Jahr fand ich es positiv, wie wenige Bartender mit Zitrussäften gearbeitet haben. Viele haben das weitergedacht und sich gefragt: Was ist bei uns heimisch?«

— Marie Rausch

MIXOLOGY: Kann es passieren, dass du eine Rezeptur finalwürdig findest, aber nicht so hoch bewertest, wenn Name und Geschichte nicht zusammenpassen?

Marie Rausch: Er kommt dann mit Sicherheit erstmal auf den Vielleicht-Stapel. Ich lese mir alle Rezepte durch. Dazu mache ich mehrere Stapel, um zu überblicken, welche Rezepturen mich wirklich getriggert haben. Für mich muss der GSA-Gedanke jedenfalls klar erkennbar sein. Im letzten Jahr fand ich es beispielsweise positiv, wie wenige Bartender mit Zitrussäften gearbeitet haben. Viele haben das weitergedacht und sich gefragt: Was ist bei uns heimisch? Und haben dann entweder einen Shortdrink gemacht oder mit Alternativen gearbeitet. Das fand ich sehr gut umgesetzt.

MIXOLOGY: Wir freuen uns also auf viele Verjus-Rezepturen?

Marie Rausch: Das kann natürlich passieren, aber auch hier ist die Bandbreite von Trauben- zu Birnenverjus groß. Man kann Stachelbeeren oder Johannisbeeren entsaften, Rhabarber ist eine heimische Säurequelle, oder Japanknöterich. Da war ich positiv überrascht.

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»Wir Juroren wollen uns in dem Moment als Gäste fühlen. Klar, wir müssen die Drinks bewerten, aber ein Gast tut das ja innerlich auch.«

— Marie Rausch

MIXOLOGY: Kommen wir zur Final-Präsentation an sich: Was ist dir dabei wichtig?

Marie Rausch: Zuerst einmal die Ausstrahlung, die jemand mitbringt. Macht er oder sie den Eindruck, das Ding jetzt nur schnell runterzuruckeln, damit es fertig ist? Oder merkt man die Leidenschaft, arbeitet er oder sie sauber und regelkonform? Man darf auch mal ein Wort vergessen. Es kann auch was beim Glas daneben gehen, wenn die Hand zittert – wenn man nachbessert, kein Problem. Ich habe früher selbst bei Competitions mitgemacht und weiß, wie man sich in dem Moment fühlt. Nichtsdestotrotz sieht man anhand der Präsentation und wie eine Person den Text rüberbringt, wie viel Arbeit sie investiert hat. Hat sie die Rezeptur damals vielleicht schnell abgeschickt und weiß jetzt gar nicht, warum sie überhaupt hier ist? Oder hat sie sich wirklich Mühe gegeben? Denn es gibt Naturtalente, die Drinks und Texte innerhalb von Minuten runterschreiben. Aber dann hapert es oft an der Umsetzung.

MIXOLOGY: Wenn du selbst bei Wettbewerben mitgemacht hast, hattest du einen Trick, dich vor der Performance zu beruhigen?

Marie Rausch: Nicht wirklich. Ich habe den Juroren in die Augen gesehen und zugelächelt, denn ich dachte: Wie würde ich es denn bei meinen Gästen machen? Im Grunde habe ich mir vorgestellt, die Judges seien Gäste, so wie in der Bar auch. Und diese Gäste möchte ich jetzt überzeugen, den neuen Drink auf der Karte zu bestellen. Die Situation im Wettbewerb ist ja ähnlich: Du hast da dein Baby, diesen neuen Drink – und willst ihn an den Mann bzw. die Frau bringen. Dieses Feeling musst du in die Competition reinnehmen. Wir Juroren wollen uns in dem Moment als Gäste fühlen. Klar, wir müssen die Drinks bewerten, aber ein Gast tut das ja innerlich auch.

MIXOLOGY: Wie ist denn die Stimmung nach dem Finale?

Marie Rausch: Es gab viel Austausch. Viele der Finalisten haben nachgefragt. Aber nicht im Sinne von: Warum habe ich nicht gewonnen? Sondern eher: Was kann ich besser machen? Auch das fand ich positiv. Natürlich kann man als Jurorin nicht alles beantworten, man macht das ja – Gott sei Dank – nicht alleine. Aber manchmal kannst du kleine Tipps geben. Vielleicht war der Drink nicht lange genug gerührt und dadurch zu stark. Das sind dann aber häufig auch einfach Ursachen des Augenblickes. Der Drink war eigentlich perfekt, aber in der Umsetzung waren an dem Tag einfach zwei, drei Leute stärker.

»Es ist ein großes Plus der Made in GSA Competiton, dass man mitmachen kann, ohne auf eine Spirituose festgelegt zu sein. Für Bartender ist das ein Highlight, man kann sich sein Lieblingsprodukt auswählen.«

— Marie Rausch

MIXOLOGY: Gibt es für dich auch ein No-Go?

Marie Rausch: Auf dem Papier: Wenn zu viele nicht-heimische Zutaten in der Rezeptur sind. Beim Auftritt: Wenn Finalisten bei der Präsentation ohne Augenkontakt ins Leere sprechen. Ich mag es auch nicht, wenn sich jemand zu oft durch die Haare streicht. Es fällt mir auf, dass es leider immer noch häufig passiert. Das sind so kleine Dinge, auf die man achten sollte. Beispielsweise passiert es oft, dass jemand eine Hand an den Glasrand hält, während er mit der anderen die Eiswürfel von der Eisschaufel ins Glas gleiten lässt. Dabei berühren zwei, drei Eiswürfel aber die Handfläche. Dann hätte man im Grunde auch gar keine Schaufel nehmen müssen.

MIXOLOGY: Wir freuen uns jedenfalls auf viele Rezepturen und ein schönes Finale am 15. September auf Schloss Elmau

Marie Rausch: Definitiv. Es ist ein großes Plus der Made in GSA Competiton, dass man mitmachen kann, ohne auf eine Spirituose festgelegt zu sein. Für Bartender ist das ein Highlight, man kann sich sein Lieblingsprodukt auswählen. Du bist sehr frei und hast eine große Auswahl, deinen Geschmack rüber zu bringen. Es gibt nicht viele Competitions, die dir die Umsetzung auf diese Weise erlauben. Ich finde, das ist eine Stärke der Made in GSA, die man betonen muss.

MIXOLOGY: Finden wir natürlich auch. Liebe Marie, danke für das Interview.

Credits

Foto: Marie Rausch – Bearbeitung: Editienne

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