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Markus Raidl, Panzerfahrer mit Tiki-Leidenschaft

Sein Werkzeug ist der Jigger, dennoch darf er sich wohl als einziger Bartender auch „offizielles Messorgan“ der Stadt Wien nennen: Markus Raidl, von der „Henri Lou“ im Hotel Hansen Kempinski, kam von der Kaminsanierung zum Cocktail. Was den ehemaligen Panzerfahrer dazu bewogen hat, erzählte er MIXOLOGY ONLINE.
„Die Bar ist eine Lebenseinstellung“, bereute Raidl den Wechsel hinter die Bar keineswegs, „ich finde es auch drei Mal so spannend wie in einer Küche“. Dabei sah der Lebensweg des gebürtigen Wieners eigentlich eine völlig andere Karriere vor. „Ich komme ja aus einer Handwerksfamilie“, erinnert sich Raidl daran, dass nicht alle in der Familie sein Engagement in der Shiraz-Bar so toll fanden. Immerhin war er zum damaligen Zeitpunkt bereits drei Jahre in seinem Lehrberuf als Schornsteinfeger tätig. Und das nicht einmal ohne Erfolg, wie die erwähnte Anerkennung als Messorgan während seiner Zeit bei der Kaminsanierungsfirma Renner zeigt.
Der Quereinsteiger
Lediglich die Jahre bei der österreichischen Armee, die er als Panzerfahrer mit allen möglichen Dekorationen mit und ohne Leopard-Panzer abdiente, unterbrachen die bis 2005 geradlinige Karriere mit Kehrbesen und Rauchmessgerät. „Das frühe Aufstehen hat mir aber damals schon nicht so gut gefallen“. Der Aushilfsjob in Houshmand Rabies Wein- und Cocktailbar in den Stadtbahn-Bögen, ließ ihn aber schnell Blut lecken. Mit den entsprechenden Kursen der Österreichischen Barkeeperschule von Christian Ebert versehen, startete das zweite Leben des Markus Raidl.
Tour durch die Bars
Nach seinem „Hängenbleiben“ in der Bar hat Raidl in einer beachtlichen Karriere die Wiener Häuser – mit einem Schlenker nach Lech/Arlberg, wo er eine Saison im Hotel Kristberg absolvierte – mit seinen Kreationen bespielt. Im verblichenen Buddha Club stand er ebenso am Tresen, wie in der Hammond Bar und Ebert’s Cocktailbar. Vom dreijährigen Engagement im Scotch Club am Parkkring, wechselte der 33-jährige dann in die Henri Lou-Bar des Hansen Kempinski. Heute nutzt er den Tag zum intensiven Radtraining, ehe sich um 17 Uhr die Pforten seiner aktuellen Wirkungsstätte öffnen.
Soda-Spielzeug
In der Hotelbar hat er mit Benjamin Kraft auch einen F&B-Chef mit Verständnis für die Bar gefunden, der gemeinsam mit Raidl die Barkarte des seit einem Jahr geöffneten 5-Sterne-Hauses modernisiert hat. Die Freiheit wird im Moment für relativ außergewöhnliche Servings abseits der ewig gleichen Hotel-Longdrinks genutzt: So experimentiert der 33-jährige aktuell nicht nur leidenschaftlich mit der Karbonisierung von Cocktails, sondern sammelt auch jede Menge Geschirr und Glasware. Eine chinesische Teekanne mit figurativer Malerei verwendet er etwa für den mit Sencha infusionierten Gin. „Das geht alles Richtung „perfect serve“ und kommt bei den Gästen super an“, dabei platziert Raidl noch einen Miniaturbaumstamm mit Schokoblättern am Tablett. Der Panzerfahrer scheint sich nunmehr auch im Filigranen wohlzufühlen. Zumal er auch einige seiner Tiki-Cocktails auf der Karte unterbringen konnte. Der „Doktor Funk“, mit dem er zuletzt beim Chivas-Contest für Aufsehen sorgte, wird zwar weiterhin zu aufwendig für die Hotelbar sein, aber ein Anfang scheint gemacht.
 
 

Comments (1)

  • Willi McFly

    Super Artikel – besten Dank!
    Gibts eine Möglichkeit, das Rezept des „Doktor Funk“ – Cocktails zu erhalten ?
    Danke.

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