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Mikkeller. Michelberger. Mikkelerberger! Ein Trend-Wolf in der Flasche?

Auftragsbrauen ist keine Neuheit im zeitgenössischen Getränkebusiness. Ein Brauer braut, jemand anders klebt sein Etikett auf die Flasche, und eigentlich braucht keiner so genau zu wissen, ob der Vertreiber auch für den Inhalt zuständig ist. Ein anderer Weg ist die Kooperation. Hier tun sich zwei Firmen zusammen, um ein Produkt zu kreieren, das für beide steht. Ein Musterbeispiel haben wir heute vor uns: das Mikkellerberger.
Die Kopenhagener Gypsy-Brewer von Mikkeller stehen wie nur wenige als Repräsentanten der jungen Craft-Beer-Bewegung, die dem grünflaschigen Einheitslager den Kampf angesagt hat.  Eine eigene Brauerei sucht man jedoch vergeblich: jedes Bier entwickeln die Jungs von Mikkeller in Kooperation mit einer anderen Brauerei. Ähnlich wie die schottischen Krawalljungs von BrewDog hat auch Mikkeller es geschafft, sich nicht nur durch hervorragende Produkte, sondern ebenso durch ein konsequentes, liebevoll geekiges Auftreten rasch als prägnante Marke auf dem internationalen Craft-Parkett zu etablieren.
Ähnlich verhält es sich mit dem Michelberger Hotel, das seit einiger Zeit Berlin-Reisende mit einem hochwertigen Hotelkonzept abseits des klassischen Mainstreams verwöhnt. Gelegen in Friedrichshain, steht das Michelberger für innovative, menschlich anmutende und manchmal schroff-eigensinnige Hospitality-Konzepte.
Eine eigene Import/Export-Sparte kümmert sich zudem darum, den Berlinern immer wieder neue Spezialitäten aus aller Welt näher zu bringen. So importiert und vertreibt man seit einiger Zeit karibisches Kokoswasser unter der Marke „Fountain of Youth“. Hinzu kommt außerdem eine Kooperation mit der angesehenen Preussischen Spirituosenmanufaktur, innerhalb derer zwei traditionelle Berliner Spirituosen unter eigenem Label angeboten werden.
Zwei „Verwandte“ arbeiten zusammen
Vor diesem Hintergrund verwundert die jetzige Zusammenarbeit zwischen Mikkeller und dem Michelberger nicht besonders – scheint es doch auch jenseits der namentlichen Verwandtschaft große konzeptionelle Schnittmengen zu geben. „Die Mikkeller-Jungs und wir sind bereits lange Freunde.Wir haben eine ähnliche Auffassung davon, wie man Produkte entwickelt: unkompliziert und ehrlich“, so Michelberger-Mitarbeiterin Leah Lee.
Bereits im Herbst vergangenen Jahres zelebrierte das dänische Bierhaus ein Wochenende lang ein Craft Beer-Event im Michelberger. An der eigens errichteten Mikkeller-Pop-Up-Bar wurde eine Auswahl von sieben Craft-Beers frisch vom Fass angeboten.
Ergebnis der neuerlichen Kooperation ist nun das Pale Ale „Mikkellerberger“. Macher mag skeptisch sein: ein Trend-Produkt zweier Trend-Firmen?

Liebe zum Trinken
„Made with Loveee for our friends at Michelberger“ steht auf der simplen braunen 330-ml-Flasche, die ein American Pale Ale mit 5,2% Alkohol enthält. „Wir wollten ein Bier brauen, das die Atmosphäre des Hotels wiederspiegelt und sich gut im großartigen Innenhof genießen lässt“, so Jacob Alsing von Mikkeller.
Gebraut wird der Sud exklusiv in der belgischen DeProef Brouwerij. Für das Design der Flasche zeichnen ebenfalls beide Häuser verantwortlich. So verwundert es nicht, dass die von den Michelberger-Spirituosen bekannte Wolfsmaske sich nun auch auf dem Mikkellerberger wiederfindet. Ein Wolf also. Ob er auch bissig ist?
Kann der Inhalt mithalten?
Mit kräftiger Trübung und stabilem Schaum kommt das hell-bernsteinfarbene Ale ins Glas. In der Nase zeigt sich sofort die Wucht der fünf verwendeten Hopfensorten: Simcoe, Citra, Columbus und Amarillo, ergänzt durch neuseeländischen Nelson Sauvin.
Ein regelrechtes Bündel an Frucht- und Blütentönen drängt an die Riechzellen: vor allem Aprikosen, Litschi und Veilchen machen sich bemerkbar, untermalt von einer feinen Röstnote. „Wir wollten kein typisch deutsches Bier brauen, sondern mit einem ausländischen Stil die Internationalität und Offenheit des Hotels unterstreichen“, so Alsing. Solch eine Nase macht Lust auf den ersten Schluck.
Im Antrunk macht sich sogleich eine kräftige, Ale-typische Bitterkeit mit präsenter Hopfennote stark. Im Mund hat das Bier einen voluminösen, nicht zu sperrigen Körper. Die Fruchtaromen bleiben erhalten, besonders Aprikosen- und Quitten sind allgegenwärtig.
Die kräutrigen Komponenten aus dem Nosing verschwinden etwas zu Gunsten eines deutlichen Anklanges von Orangenschale und frischem Ingwer, auch Hefe macht auf sich aufmerksam. Getragen wird der Gesamteindruck von einer selbstbewussten, doch cremigen Kohlensäure.
Im Abgang macht sich der Hopfen im Verbund mit den Malzaromen bemerkbar. Ungewöhnlich lang und mit präsentem Schmelz verweilt das Ale am Gaumen, ohne ins Seifige abzugleiten. Insgesamt ein toll ausgewogenes Ale, das zu seiner Tradition steht, ohne dabei die ganz große Alkohol- oder Hopfenkeule auszupacken. So kann es auch manch interessiertem Neuling angeboten werden.
Ein Hausbier mit Format
Die beiden Marken halten mit ihrem Mikkellerberger definitiv ein Versprechen ein, was Anspruch und Identität angeht. Eigene Biere findet man dieser Tage in immer mehr Gastronomien, doch nur wenige können es mit jener Qualität aufnehmen. Ein besonderes Produkt zweier besonderer Firmen. Erhältlich ist das Bier exklusiv im Michelberger Hotel, wo es für € 5,50 verkauft wird.
 
 
 

Credits

Foto: Bild via Michelberger

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