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Mineralwasser im Test — Show & Shine?

Natürliches Mineralwasser ist nicht immer so rein, wie es beworben wird, sagt die Stiftung Warentest. Regionalität und kleine Produktionsmengen sind dabei nicht immer Trumpf, ein hoher Preis noch kein Garant für Qualität. Wir stellen Ihnen die Prüfergebnisse in Auszügen vor.

Wasser spielt in der Bar, mal abgesehen vom klaren Eis, und eigentlich in der ganzen Gastronomie, meist die zweite Geige. Das flüssige, kühle Lebensquell, ob aus dem Hahn oder der Flasche, wird als so selbstverständlich angesehen, dass wir uns kaum Gedanken darum machen. Glücklicherweise jedoch hat sich die Stiftung Warentest vor kurzem ausgiebiger damit beschäftigt. Nicht mit unserem Leitungswasser, das ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekanntlich von hervorragender Qualität. Sondern mit natürlichen Mineralwässern.

Pilze und Pestizide

Die Noten dabei reichen von gut bis mangelhaft und zeichnen ein sehr durchwachsenes Bild der Mineralwasserlandschaft in Deutschland. Die üblichen Werbeprädikate „rein“, „mineralstoffreich“ oder „natürlich“ sind demnach wohlklingelnd, in einigen Fällen allerdings schlichtweg falsch: „Wir haben 20 Mineralwässer der Sorten Medium und Classic von Traditionsbrunnen aus ganz Deutschland geprüft. Sechs Wässer schneiden in allen Prüfpunkten einwandfrei ab“, heißt es in der Zusammenfassung der Stiftung Warentest. „Doch auch bekannte Namen sind keine Garantie für absolut reines Mineralwasser. In drei Produkten fanden wir oberirdische Verunreinigungen. Zwei Medium-Wässer sind für Immungeschwächte nicht geeignet. Und einige Produkte haben einen leicht fremdartigen Geschmack.“

Watschen für Marken

Ein Indiz für die Verfremdung der eigentlich streng reglementierten, mineralischen Ursprünglichkeit und Belastungen mit Keimen ist der fehlerhafte Ausbau des Brunnens. Die in der Regel schützende Tonschicht der Quelle ist undicht, wodurch „Abwasser aus Haushalten, Industrie und Krankenhäusern erst ins Grundwasser gelangen und dann in tiefere Schichten sickern.“ Die größten Verunreinigungen fanden die Prüfer in den Abfüllungen von Harzer Grauhof Medium, dem Ostseewasser Glashäger Classic und dem Brunnen der Radeberger-Gruppe Selters. Zwar sein die teilweise nachgewiesenen kritischen Staphylokokken sowie Abbauprodukte von Pestiziden, Unkrautvernichtungsmitteln, Süßstoffen und Korrosionsschutzmitteln nicht in gesundheitsgefährdenden Maßen vorhanden, jedoch zumindest äußerst unappetitlich und Grund dafür, dass die Wässer mit den Deklarationen „ausreichend“, und im Fall von Selters Classic „mangelhaft“, krachend durch den Test fielen.

Schwarz, Weiß, viel Grau

Doch auch in der oberen Tabellenhälfte der gibt es keinen eindeutigen Sieger. Lediglich Gaensefurther Schloss Quelle, Roßbacher, Thüringer Waldquell, Abenstaler Quelle, Extaler Mineralquell und Römerwall bekämen eine Empfehlung und das Prädikat gut von den unabhängigen Testern. Das Gros der feinsprudeligen Wässer liegt im befriedigenden Mittelfeld und schnitt mehr oder weniger durchschnittlich im sensorischen Urteil und den labortechnischen Untersuchungen in Bezug auf insgesamt 71 Stoffe ab. Auch eine grundlegende Tendenz, ob hochpreisige Wässer besser als Discounterprodukte sind, ergäbe sich nicht. Im Schnitt allerdings liegt der Mineralstoffgehalt von Markenwässern nahezu doppelt so hoch.

Der Gehalt an gelösten Mineralien, das Profil des Wassers, spiegelt dabei immer auch die Geologie des Quellortes wider und ist je nach Lage in der Bundesrepublik verschieden. Wässer aus der einst vulkanischen Eifel besitzen einen naturgegeben höheren Mineralgehalt als jene vom norddeutschen Tiefland oder dem Osten Deutschlands. Ohnehin stammen gar 90 Prozent der mehr als 820 registrierten Mineralwässer aus den alten Bundesländern, insbesondere aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfahlen. Dass es bei dieser Anzahl sowohl Licht als auch Schatten gibt, verwundert uns daher nicht.

Wer nun jedoch gern wissen möchte, wie auch sein „Hausmineralwasser“ abgeschnitten hat, kann dies auf der Homepage der Stiftung Warentest im vollen Umfang nachlesen. Wir zumindest halten es so lange auch mit unserem exzellenten Kreuzberger Leitungswasser.

Credits

Foto: Wasser & Bakterien & Lupe via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

Comments (1)

  • Willi

    Hallo,
    interessanter Artikel, danke dafür!
    Schade ist dass die Einsicht in die Testergebnisse kostenpflichtig ist!

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