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Plantation Xaymaca gewinnt das Mixology Taste Forum zum Thema Pot Still Rum

Die Pot Still steht am Anfang aller Rum-Historie. Die schweren Destillate aus der Kupferbrennblase stehen für Authentizität und Charakter. Und obwohl leichte Rums den Markt beherrschen, steigt auch das Interesse an wuchtigen Rums nach klassischem britischem Stil. Das Mixology Taste Forum kürt den Plantation Xaymaca zum besten Pot Still Rum.

Mixology Podcast

Christopher Kolumbus, der Schwiegersohn eines madeirischen Zuckerrohrplantagen-Besitzers, brachte Zuckerrohr 1493 in die Karibik. Von dort aus verbreitete sich die eigentlich asiatische Pflanze über Mexiko, Kuba, Jamaika und Puerto Rico bis nach Brasilien, wo vermutlich bereits Mitte des 16. Jahrhunderts Cachaça gebrannt wird.

Pot Still Rum als Mutter aller Rums

Zuckerherstellung aus Zuckerrohr ist nicht besonders effizient. Auf 2 Kilogramm auskristallisierten Zucker kommt mehr als 1 Kilogramm Melasse, ein zäher, dunkler Sirup, der sich nicht kristallisieren lässt. Lässt man sie zu lang stehen, beginnt Melasse mit Hilfe von Hefekulturen aus der Luft zu fermentieren und produziert Alkohol.

Als diese Eigenschaft bemerkt wird, dauert es nicht mehr lange, bis fermentierte Melasse und weitere Zuckerrohr-Abfallprodukte im Brennkessel einer Pot Still landen: Rum erscheint auf der Bildfläche. Im Laufe der Jahrhunderte werden dutzende von Destillenvarianten für Rum, inklusive verschiedener Column Stills, entwickelt. Zunächst einmal ist aber jeder ursprüngliche Rum ein hundertprozentiger Pot Still Rum, sprich in kleinen, traditionellen Brennblasen in einzelnen Chargen produziert. Mit Ausnahme von Jamaika, dass sich seinen esterreichen Rum als Ausdruck nationaler Identität bewahrte, produzieren viele ehemals britische Kolonien später vor allem medium bodied Rums, meist verschnitten aus Pot Still Rum und Kolonnendestillaten.

Plantation wird seinen Markennamen ändern, da dieser auf die Historie der Sklavenhaltung verweist. Der Xaymaca belegt Platz 1 beim Mixology Taste Forum
Bellamy’s Reserve Rum Jamaica Pot Still: Tabak und Trockenfrüchte in der der Nase, auf der Zunge erdige Noten, schwarzer Tee und ein langer Nachhall.
Der Hampden 8 besticht durch eine opulente Nase aus reifer Mango und Banane, Vanille und Honig, Kaffee und weißer Schokolade

Traditionell körperreicher und aromatischer Rum

Aber die Pot Still ist nur ein Puzzleteil dessen, was Einfluss auf den Geschmack eines Rums ausübt. Die Auswahl der Rohstoffe, Länge und Temperatur der Fermentation, Eigenschaften der Hefe, Art der Destillation, Auswahl von Fässern sowie Ort und Klima der Lagerung sind weitere Faktoren. In der Green Door Bar in Berlin hat unsere Expertenjury, bestehend aus Dirk Becker (Rum Depot), Helen Mol (Sommelière), Yukon Isik, Ruben Neideck (Velvet), Manos Sintixakis (Green Door) und Kai Wolschke (Goldfisch Bar) Pot Still Rums blind verkostet und bewertet. Geleitet wurde das Tasting von Green-Door-Barchefin Maria Gorbatschova.

Plantation Xaymaca mit erstem Platz

Die Endabrechnung des Mixology Taste Forums zeigt einen Sieg für die Blends, jedoch keinesfalls eine Niederlage für Einzelabfüllungen.

Den ersten Platz belegt mit 92 der Plantation Xaymaca (der noch umbenannt wird, Anm. d. Red.) mit einem komplexen und intensiven Bouquet aus säuerlich-reifen Tropenfrüchten, Vanille und Karamell, gefolgt von fleischigem Rauch und Gewürznoten am Gaumen. Ausgewogen, ohne langweilig zu sein und mit elegant eingebundenem Alkohol, stellt die bei Bartendern auch sehr beliebte Marke Plantation sowohl den Testsieger als auch gleichzeitig den Preis-Leistungs-Favorit. Eine seltene Kombination und klare Kaufempfehlung für die (Haus-) Bar.

Bellamy’s und Hampden ex aequo auf Platz Zwei

Den zweiten Platz teilen sich mit 89 Punkten der Bellamy’s Reserve Rum Jamaica Pot Still sowie der Hampden 8. Genau wie bei Plantation Xaymaca, handelt es bei dem Bellamy’s um einen Blend aus den Destillerien Long Pond und Clarendon. Tabak und Trockenfrüchte, grüne Banane und Ananas steigen hier in die Nase. Auf der Zunge entwickeln sich erdige Noten, schwarzer Tee und ein Hauch Minze mit langem Nachhall. Auch hier bekommt man viel Qualität für wenig Geld.

Der Hampden 8 wiederum besticht durch eine opulente Nase aus reifer Mango und Banane, Vanille und Honig, etwas Kaffee und weißer Schokolade. Am Gaumen zeigen sich Dörrfrüchte und Pinie, würzig und nussig. Wer die bisherige 46%-Abfüllung von Hampden kennt, muss sich hier auf aromatische Veränderungen einlassen. Neu ist auch die achtjährige Jahresangabe auf der Flasche.

Weitere Pot Still Rums, die verkostet wurden, waren Worphy Park Single Estate Reserve, Transcontinental Rum Line Fiji 2014, Berry, Bros & Rudd 14Y Guyana, Bristol Classic 2008 Port Morant, Compagnie des Indes Australia 11Y, Bristol Port Morant Guyana 2008/2019, English Harbour 5 Years sowie Botucal Distillery Collection No. 3.

Die vollständigen Ergebnisse des MIXOLOGY TASTE FORUM Pot Still Rum finden sich in der Ausgabe 4/2020 von MIXOLOGY, dem Magazin für Barkultur. Das Regelwerk des MIXOLOGY TASTE FORUMs ist hier einzulesen.

Credits

Foto: Editienne

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