TOP

DIE MIXOLOGY-VERKOSTUNGSRUNDE Januar 2016

Keckeis Gin und 1818 Gin aus Österreich und Deutschland. Dazu eine neue Abfüllung von Whistle Pig Rye und ein kleines Saft-Wunder aus Berlin. Doch damit nicht genug. Die erste Verkostungsrunde des neuen Jahres!

Letzter Dienstag im Monat, das heißt: ran an die Gläser! Die Verkostungsrunde tritt in der Redaktion zusammen. Neben den zwei obligatorischen, aber diesmal extrem unterschiedlichen Gins aus GSA-Land beeindruckt vor allem eine kleine Berliner Saft-Firma. Und auch am Whistle Pig Old World führt Nichts vorbei.

Keckeis Dry Gin

Eine elegante, schwere und – man kann es nicht anders sagen – klassisch-grüne Flasche umhüllt den Gin der österreichischen Destillerie Keckeis, dessen markantes Tropfen-Logo ihm ein nobles Finish verleiht. Zwar macht der Preis den Gin nicht unbedingt zu einem für das Speedrack geeigneten Produkt, dennoch dürfte die Flasche im Gegensatz zu vielen anderen jungen Gins ein angenehmes Handling auch in wilderen Stunden hinter der Bar garantieren.

Auch aus aromatischer Sicht spricht der Keckeis Gin eine klare, fast konservative Sprache: deutliche Fichten- und Zitrusaromen treten prägnant hervor, verstärkt durch eine leichte Fruchtigkeit von Kernobst. Im Mund ist der Gin zunächst recht scharf, für seine 45% Vol. sehr kraftvoll und vielleicht eine Spur zu direkt. Dennoch bleibt er seiner klaren Aromatik treu und offenbart sein junges Alter nur durch einen leichten Touch von Kirschkernen und einer filigranen Trester-Note. Vielleicht kein Gin für einen eleganten Martini, aber einer, der mit dem richtigen Tonic, Soda oder im Gin & Juice sicherlich überzeugen kann.
0,5 l
45 % Vol.
ca. € 38

1818 Gin

Die eckige Halbliterflasche mit quadratischem Grundriss und Stopfenverschluss darf mittlerweile als Neo-Klassiker im deutschsprachigen Gin-Business gelten. Das transparente Etikett führt jedoch zu einem feinen, edlen Eindruck. Gebrannt wird der 1818 Gin von der Düsseldorfer Traditionsbrennerei Schmittmann, die ihn nach ihrem Gründungsjahr benannt hat.

Ganz im Gegensatz zu seinem Verkostungsvorgänger aus Österreich mag sich der Düsseldorfer aber so gut wie gar nicht zum Gin-Erbe bekennen und führt eher in Zuckerbäckergefilde: Eine Gin-typische Tönung sucht man vergebens, es dominiert zunächst eine dichte, süßliche und fast buttrige Note von Brioche oder Rührteig sowie ein wenig Mandelöl, außerdem etwas Orange. Am Gaumen macht die Runde zunächst einen klaren Ton von Traubenkernen und Grappa aus, daneben eine recht starke Süße von Rosinen und getrockneten Datteln. Einzig Wacholder oder Zitrus scheinen fast vollkommen abwesend. Nach hinten raus verklingen die Aromen und es bleibt ein fraglos sauberer, milder, geradezu süffiger Brand, der jedoch mehr an einen typisch französischen Vodka erinnern will als an einen Gin.
0,7 l
40 % Vol.
ca. € 32

Apfelschnaps

Einen hochwertigen Eindruck möchte der als „hart Stöffle“ gestempelte „Apfelschnaps“ aus dem Hause “Born in the Wetterau” nicht verströmen. Die kantige Flasche ist simpel gehalten und mit einem schwarzen Etikett versehen, das wohl Urtümlichkeit symbolisieren soll. Getreu der Äbbelwoi-Tradition der Frankfurter Gegend soll hier also der Geist des ur-hessischen Partygetränks drin sein.

Allein: Der Inhalt der Flasche duftet zwar klar und stark nach frischem Saft grüner Äpfel, am Gaumen merken wir jedoch, dass es sich mitnichten um einen Schnaps, sondern um einen überaus süßen Likör mit Apfelduft handelt. Abgesehen von einer Honignote, die sich in die Süße mischt, bleibt leider nichts zurück. Das ist schade, besonders, wenn man bedenkt, dass Obstbrände derzeit an der Bar so gefragt sind wie nie und auch die US-Tradition des gereiften Apple Jack allmählich wieder Fahrt aufnimmt. Leider ein sehr enttäuschendes Produkt.
0,7 l
30 % Vol.
ca. € 16

Smoky Goat & Boxing Hares

Mit zwei neuen Abfüllungen versucht der britische Diageo-Konzern, am derzeitigen Imagewandel von Scotch teilzunehmen. Was Monkey Shoulder oder Smokehead erfolgreich gelungen ist – nämlich ohne konservativen Muff auch bei jungen Genießern und im Cocktailsegment zu punkten – steht beim weltgrößten Spirituosenhersteller noch aus. Nun also rauchige Ziege und boxende Hasen.

Boxing Hares ist kein reiner Scotch Whisky, sondern ein „Spirit Drink“, also weiterverarbeitet und mit Aromastoffen versehen, zudem liegt der Alkoholgehalt unter der Mindestmenge. Bei den Zusätzen handelt es sich genauer gesagt um Hopfen- und Malzauszüge, sodass die Trinkempfehlung mit Limonade als „Shandy“ nicht weiter verwundert: Nach Bier mit Limonade soll das Ergebnis schmecken. Pur hingegen mögen die kämpfenden Hasen beim besten Willen nicht zu überzeugen. Neben der immensen Süße schmeckt der Boxing Hares zwar durchaus nach einem leichten, süffigen Scotch, allein die etikettierten Aromen wollen sich nicht offenbaren. Hinzu kommt eine recht synthetische Tönung, die von den Testern unterschiedlich klassifiziert wird. Die Vorstellung, dem Produkt mittels Limonade noch weiteren Zucker angedeihen zu lassen, ist nicht wirklich verlockend.

Angenehmer kommt indes der Smoky Goat daher. Die „Ziege“ ist im Gegensatz zu den „Hasen“ ein vollwertiger Whisky und gebärt sich glücklicherweise auch so. Mit schöner Bindung liegt der Blend aus der klassisch-bauchigen Flasche im Glas und verströmt ein grasiges, malziges Aroma mit leichtem Rauch. Insgesamt erinnert die Smoky Goat an die kraftvolleren Speyside Whiskys, vor allem die charakteristische Hefenote eines jungen Blends ist sehr präsent. Das Finish ist mild, bekömmlich und der Smoky Goat für Einsteiger durchaus gut geeignet.

Boxing Hares:
0,7 l
35 % Vol.
ca. € 23

Smoky Goat:
0,7 l
40 % Vol.
ca. € 25

Whistle Pig Old World Series

Whistle Pig gehört trotz der Streitigkeiten um die Herkunftsbezeichnung des eigentlichen Destillats zu einer festen Größe in der neuen Rye-Szenerie und zu den Lieblingen vieler Bartender. Mit der Old World-Abfüllung bringt der Hersteller aus dem schönen Vermont eine spannende Qualität auf den Markt, die ein Finish in europäischen Weinfässern erhalten hat: Fässer von Port, Madeira und französischem Sauternes stehen für die Alte Welt, die hier mit der großen Tradition des amerikanischem Roggenbrandes zusammengebracht wird. Die Flasche ist, abgesehen vom rot eingefärbten Etikett, komplett im vertrauten Look des Whistle Pig gehalten und darf daher auf viel vorab vergebenes Vertrauen an den Bars zählen.

Trotz des Finishings macht die Nase zuerst die für Rye so typische, herbe Note grüner Äpfel aus. Dahinter verbergen sich jedoch angenehm konzentrierte Tönungen von Walnuss, Karamell, Rosinen und Zimt, die eindeutig auf die verwendeten Fässer verweisen. Im Mund ist der Old World füllig und voluminös, cremig und mit einer feinen Nuance von Honig. Das verleiht dem Whisky im Verbund mit vanilligen Fassnoten ein elegantes Auftreten, nimmt ihm jedoch die für viele Ryes charakteristischen Spitzen, die ihm beim Einsatz in klassischen Cocktails eventuell ein wenig fehlen könnten. Dennoch eine spannende neue Qualität, die besonders pur oder in einem whiskeybetonten Manhattan eine tolle Figur machen könnte.
0,7 l
43 % Vol.
ca. kA

OstMost

Unter dem Namen OstMost macht sich ein Berliner Start-Up an die Aufgabe, alte Streuobstwiesen und fast ausgestorbene Apfelsorten zu rekultivieren und die Geschmacksvielfalt alter Sorten in Szene zu setzen. Sämtliche Produkte sind bio-zertifiziert und kommen vollkommen ohne Zusätze, auch ohne Süßung aus.

Neben einer Palette an Säften und Schorlen stellt OstMost auch einen Cider her. Und zwar einen, der jenen Industrie-Ciders um Längen voraus ist: Knochentrocken und leichtperlig kommt der Cider daher, mit feinen, holzigen Apfelnoten und ohne jeden Hauch von Synthetik oder Zucker. Dabei erinnert er vor allem an einen Schaumwein mit „zero dosage“, also einen, bei dem jeglicher Zucker vergoren ist. Preislich freilich deutlich höher als die Supermarkt-Kollegen (und sicherlich auch für viele eingefleischte „Cider“-Fans nicht süß genug), aber als spritzige Alternative an der Bar gut denkbar.

Besonders beeindruckte zudem die natürlich aus 100% Saft bereitete Apfel-Rote-Beete-Schorle. Ein herbwürziger, erfrischender Geheimtipp für den Frühling!
0,33 l
0 % Vol. (Säfte & Schorlen)
3,5 % Vol. (Cider)
ca. € 1,70 (Säfte & Schorlen) – € 2,20 (Cider)

Credits

Foto: Foto via Sarah Liewehr

Comments (1)

  • Paul Döcker

    Vielen Dank an die Redaktion von Mixology,

    Kleine Anmerkung von Ostmost zum Artikel:

    Wir haben zwei verschiedene Cider!
    Einmal den Steinkauz “Outcider mild” mit 3,5% Vol. (viel Restsüße, da kürzer vergoren) und unseren
    Rotfuchs, den “Outcider wild” mit 5,5 % Vol. (Wie im Artikel beschrieben wenig Restsüße, da länger vergoren)

    Da ist für alle Geschmäcker was dabei. Eben auch für die Süßen unter Euch 😉

    Unsere Apfel-Rote-Beete-Schorle besteht zu 25% aus Bio-Rote-Beete-Direktsaft und zu 25% aus Direktsaft von Äpfeln von bio-zertifizierten Streuobstwiesen. Das Ganze wird mit 50% klarem Quellwasser (aus hauseigener Quelle) aufgefüllt und mit Kohlensäure versetzt.

    Prost!

    reply

Kommentieren

Ich akzeptiere