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Die Mixology-Verkostungsrunde Oktober 2015

Oscar Sterling Gin, Z 44 Gin, Mezcal Amores, Slivovica Zufanek, Screech Newfoundland Rum und Toms Tonic. Die Verkostungsrunde macht sich wieder ans Werk.  Die Fülle an neuen Produkten lässt die Redaktion nicht zur Ruhe kommen. Wer überzeugt, wer enttäuscht? Gleich wissen Sie mehr.

Es geht weiter mit unserer monatlichen Verkostungsrunde. Wie immer dabei: der Dauerbrenner Gin mit zwei neuen Erscheinungen. Das Segment hat noch lange nicht genug und beschert uns mit der Zuverlässigkeit einer Atomuhr weitere Qualitäten. Passend dazu außerdem das rote Tom’s Tonic aus der Schweiz. Die Reise in neue Aromenwelten wird diesmal komplettiert durch karibischen Rum aus Neufundland, Slivo aus dem Hause Zufanek sowie den neuerdings in Deutschland erhältlichen Mezcal Amores. Die Gläser sind gefüllt, das Wasser steht bereit. Auf geht’s!

Z 44 Gin

Der Name ist auch gleich Programm in Bezug auf den Alkoholgehalt bei diesem italienischen Dry Gin, der in einer überaus schönen, mit Transparentdruck versehenen 0,7-l-Flasche auf den Markt kommt. Die zylindrische Form verjüngt sich nach oben, ein massiver Glasstopfen rundet das edle Erscheinungsbild ab, das noch jedes Rückbüffet verschönern könnte.

Im Glas ist der Z 44 überraschend leichtflüssig mit nur sehr leichter Bindung. Aus aromatischer Sicht ist der Italiener ein klarer Hybrid, denn einerseits offenbart er klare, ins Pinien- und Fichtentöne, deren frischer Eindruck neben Nadelhölzern auf einen selbstbewussten Einsatz von Wacholder schließen lässt. Gleichzeitig finden wir aber auch einen deutlichen floralen Einschlag von Lavendel, Rosmarin und etwas Enzian. Den Mund füllt der Z 44 mit einer milden, runden Trockenheit aus, dabei ist er etwas herber, als es die Nase vermuten ließe — ein wenig grüner Pfeffer und leichte Umami-Noten führen zu einem komplexen, harmonischen Eindruck. Ein Gin, der sich an der Bar vielseitig einsetzen lassen sollte.
0,7 l
44 % Vol.
ca. € 60

Oscar Sterling Gin

Das komplette Gegenteil im Erscheinungsbild hingegen ist der Oscar Sterling Gin aus Düsseldorf. Ein wenig Bling-Bling wäre wohl noch untertrieben: die Flasche sticht als massiv-silberner Quader mit leuchtend rotem Label noch einmal klar heraus aus den derzeitigen Packaging-Trends beim Gin. Einen solchen Look liebt man entweder, oder man hasst ihn ob seiner Aggressivität.

Alles andere als aggressiv wiederum ist der mit 40% Vol. moderate Alkoholgehalt des Oscar Sterling, der im Glas zunächst mit deutlichen Noten von exotischen Früchten, vor allem kandierter Mango, etwas Honigmelone und reifer Ananas — womöglich mit verursacht durch die Infusion mit Champagner-Trauben. Vollkommen abwesend ist hingegen jedwede Wacholdernote, weder eine zitrushafte, noch eine, die ins Holzig-Ölige tendiert.

Dabei fällt beim ersten Schluck eine deutliche alkoholische Schärfe auf, untermalt von leicht laktilen Spuren. Dazu fächern sich die oben beschriebenen Fruchtnoten auf, allerdings laufen diese Gefahr, ins Synthetische abzugleiten. Die Aromatik bleibt dabei vergleichsweise ebenso eindimensional wie das Mundgefühl, das leider sehr statisch daherkommt. Insgesamt ein Gin, der aufgrund seiner monotonen Eigenschaften leider auch hinter den Maßstäben der neueren Spielart zurückbleibt.
0,7 l
40 % Vol.
ca. € 40

Slivovica Zufanek

Tschechien ist zwar in erster Linie bekannt für andere Traditionsspirituosen, während die Gattung der Slivos eher weiter südlich im Balkan beheimatet ist. Dennoch mag man einen Zwetschgenbrand aus unserem östlichen Nachbarstaat als landestypisch beschreiben. Der Zufanek gibt sich denn auch mit selbstbewussten, markigen 50% Vol. die Ehre auf dem Tresen. Die Flasche ist schlicht, aber elegant, verzichtet auf unnötige Schnörkel und lässt dem Produkt an sich den Vorrang.

Dabei punktet der Slivo tatsächlich zuvorderst mit dem, was man von ihm erwarten sollte: dem Glas entsteigt ein satter Duft reifer Steinfrüchte, Plaumen, etwas getrocknete Aprikose und auch eine Spur von Marzipan, also den Steinen der destillierten Früchte. Hinzu kommt eine feine, fast weihnachtlich-würzige Note von Bratapfel, Zimt und hellem Karamell. Die 50% sind unheimlich homogen in Produkt integriert, das seine volle Tönung von Zwetschgenkuchen im Mund fortträgt, bereichert um eine marmeladige Spur von Amarena mit etwas Nelke und Piment. Trotz der aromatischen Dichte bleibt er bekömmlich, leicht, schlank und trocken. Nicht der erste neu interpretierte, moderne Slivo. Und auch ganz sicher nicht der letzte. Ein schönes Produkt.
0,5 l
50 % Vol.
ca. € 12

Screech Newfoundland Rum

Ein wenig führt uns der Name des Screech in die Irre. Denn freilich wird er nicht im Osten Kanadas gebrannt, sondern entstammt nicht näher benannter karibischer Herkunft. Blending und Abfüllung hingegen erfolgen dann aber tatsächlich im kalten Norden des amerikanischen Kontinents. Die Färbung des Screech, ein sattes Karamellbraun mit rostroten Reflexen, lässt unweigerlich an einen der kraftvollen Jamaikanischen Blends denken.

Diesen Eindruck bestätigt der Rum dann zunächst auch klar: die typischen Aromen von Holz, etwas Kohle, Rübensirup, dunklem Karamell und prägnante Ester bestimmen das Profil des Screech. Dazu ein leichter Anklang von Dörrobst wie Datteln und Feigen. Insgesamt ein Rum der alten Schule, der stolz zu seiner Melasse-Herkunft steht. Im Mund hingegen überrascht der Screech dann zuallererst durch seine Leichtigkeit. Die erwartete Schärfe bleibt aus, stattdessen schmiegt sich der Rum mit einer tollen Milde an den Gaumen und transportiert eine klare Gebäcknote von frischer Brioche und etwas Shortbread mit Orangenzeste, die Trockenfrüchte sind noch erkennbar, treten jedoch in den Hintergrund. Ein auch preislich spannender dunkler Rum, dessen einziges Manko es sein dürfte, dass ihm in klassischen karibischen Drinks vielleicht ein klein wenig die spitze Wucht fehlt.
0,75 l
40 % Vol.
ca. € 22

Mezcal Amores Espadín

Eine klassische Espadín-Abfüllung ist der Mezcal Amores, der nun von Capulet & Montague in Deutschland vertrieben wird. Also der nächste Mezcal, der sich anschickt, der Gattung zum Sprung zu verhelfen: raus aus der Nische als Bartender’s Darling, rein in den Mainstream — denn noch immer wartet der Agavenbrand darauf, wirklich beim Verbraucher anzukommen.

Und der Amores hat gute Karten, der Kategorie auf die Sprünge zu helfen: ein unheimlich reichhaltiges, vielschichtiges Bouquet aus frisch geschnittenem Stroh, Erde, Lavasteinen und feinem Rauchspeck entwickelt sich im Glas. Besonders die deftigen Töne von Bacon und Rauch treten bei längerem Nosing in den Vordergrund, allerdings ohne dabei zu dominant zu werden. Die leichte, sortentypische Schärfe wird aufgefangen durch satten Rauch, eine Prise Salz und den weiter präsenten fleischigen Ton. Dabei geht glücklicherweise auch die grasig-herbale Nuance nicht verloren, obwohl sie nur noch sehr dezent spürbar ist. Die große Stärke des Amores gegenüber einigen seiner Artgenossen ist es dabei vor allem, dass er nicht einfach mit der einseitigen Rauch-Keule, sondern mit Balance, Kraft und Tiefe überzeugen kann. Ein toller Mezcal, der sich auch für eine Fülle klassischer Drinks anbieten dürfte.
0,75 l
37% Vol.
ca. € 40

Toms Tonic Water

Kenner wissen: Chinin bringt unbehandelt eine rötliche Färbung mit sich. Während die meisten Tonic Waters farblos in die Flasche kommen, steht das Tom’s Tonic hingegen mit seiner leuchtend roten, klaren Farbe offen zu seiner wichtigsten Zutat. In kleiner Auflage handwerklich produziert (und im vorliegenden Fall gar einzeln in Pappröhren verpackt), schickt sich das bittere Soda an, ein kleines Kuchenstück vom wachsenden Liebhaber-Markt hochpreisiger Tonics abzuschneiden.

Das Tom’s kann bei beiden Tests überzeugen: sowohl pur als alkoholfreier Durstlöscher, als auch im Gin & Tonic mit einem klassischen London Dry Gin macht es eine überaus gute Figur. Die natürlich, feine Bittere wird nur mit verhaltener Süße flankiert, die allerdings ausreicht, um die blumigen und fruchtigen Noten von Rosen, Blutorange und Grapefruit zu transportieren. Dabei sind jene Seitenaromen dezent genug gehalten, um dem zugegebenen Gin nicht die Show zu stehlen. Gleiches gilt für die Kohlensäure, die zwar zurückhaltend, aber fein und anhaltend ist. Ein sehr simples, dabei aber auf den Punkt ausgewogenes Tonic, das definitiv eine kleine Bereicherung für dieses vitale Segment darstellt.
0,2 l
0 % Vol.
ca. € 3,20

Credits

Foto: via Sarah Liewehr

Comments (1)

  • Seibert. Volker

    z44 für 50 Euro inc.Versand

    Beste Grüße

    reply

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