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Holy Shit, ist der gut: der Sonderfall Monk Sour

Mit dem Kräuterlikör Bénédictine als Basiszutat nimmt der Monk Sour eine gewisse Sonderstellung im Cocktail-Bereich ein. Trotzdem funktioniert der einfache Drink auf wunderbare Weise, was auch an der geschickten Kombination mit Honig liegt. Wir haben den Monk Sour etwas genauer unter die Lupe genommen.

 

Unter Bartendern erfreuen sich Kräuterliköre stets einer nicht immer rationalen Beliebtheit, die teilweise durchaus an Fetischismus grenzt. Allen voran sind das scheinbar französische. Dabei kommt natürlich meist Chartreuse zur Sprache, das grüne oder gelbe Klosterelixier, das so wichtigen Drinks wie dem Last Word das Rückgrat verleiht oder als Chartreuse Swizzle sogar einen eigenen Cocktail gewidmet bekam.

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Die anderen Mönche

An dieser Stelle soll es aber ausnahmsweise mal nicht um den Schnaps der Karthäusermönche gehen, sondern um den Likör der Benediktinermönche: den DOM Bénédictine. Auch er ist Bestandteil einiger Klassiker, allen voran dem Singapore Sling oder dem Vieux Carré. Und mit dem „Bénédicitine and Brandy“ – kurz B&B – ist auch ihm ein eigener Drink gewidmet; zwar ein einfacher Cocktail mit nur zwei Zutaten, der jedoch auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann, die ihn zum vermutlich meist verkauften Bottled Cocktail der Welt gemacht hat.

Der französische Likör – eine Mischung aus 27 Kräutern, die nach verschiedenen Destillations- und Lagerungsstufen erst nach zwei Jahren das fertige Produkt ergeben – wurde der Legende nach zu Beginn des 16. Jahrhunderts vom Mönch und Alchemisten Dom Bernardo Vincelli erfunden. Der Weinhändler Alexandre Le Grand fand dann 1863 ein altes Buch in seinen Besitztümern, in dem dieses ursprüngliche Rezept enthalten gewesen sein soll. Ein ungewöhnlicher Zufall, dass ausgerechnet seiner Familie diese Bücher vermacht worden waren, als die Mönche nach der Französischen Revolution ihr Kloster in Fécamp verlassen hatten müssen.

Monk Sour

Zutaten

5 cl DOM Bénédictine
2,5 cl frischer Zitronensaft
2 BL Runny Honey
1 Dash Orange Bitters
1 Eiweiß

Der Monk Sour besteht den Praxistest

Aber diese außergewöhnlichen Umstände und Zufälle sollen an dieser Stelle zweitrangig sein. Fakt ist, dass Le Grand das Rezept entschlüsselte, und begann, den Likör zu produzieren. Aber nicht nur als Verfeinerung von Drinks eignet sich Bénédictine, auch als Basisspirituose lässt sich der fein nuancierte Kräuterlikör einsetzen, wie das Beispiel des Monk Sour veranschaulicht.

Mit Sicherheit ist der Monk Sour kein Megaseller, was sich aber auch aus der Tatsache ableiten könnte, dass er eben ein eher unbekannter Drink ist. Er hat jedenfalls das Zeug, als Joker für Gäste zu funktionieren, die etwas Ausgefalleneres mögen, aber auf ein unkompliziertes Verhältnis von Süße und Säure nicht verzichten wollen. Der Bénédictine als Basis bringt dabei staatliche 40% Vol. auf die Waage, aber eben auch viel Süße, die mit dem Honig leicht, aber perfekt ausbalanciert wird, denn Honig ergänzt die Kräuteraromen des Bénédictine hervorragend. Gleichzeitig nimmt er dem Kräuterlikör etwas die Dominanz. Als Bindeglied verleiht das Eiweiß dem Drink eine cremige Textur.

Auf jeden Fall sollte man Runny Honey wählen, also eine Kombination aus Honig und Wasser (im Verhältnis 1:1). Zum einen ist das Arbeiten mit purem Honig natürlich etwas umständlich, da er sich beispielsweise schlecht vom Löffel löst und die Verarbeitung zu einem Geduldsspiel wird. Zum anderen tut das Wasser der Textur des Monk Sour in diesem Fall tatsächlich extrem gut. Der an sich schon „öligere“ Bénédictine sorgt in Verbindung mit dem Eiweiß bereits für genügend Dichte, Runny Honey wirkt hier im Drink nicht nur als wichtiger Aromengeber, sondern lockert den Monk Sour auf kleine, aber feine Weise auf. Die geriebene Muskatnuss verleiht zusätzliche Aromen und Tiefe. Das macht den Monk Sour nicht nur zu einer Empfehlung für die kalte Jahreszeit – traditionell eher die Phase, in der man die Kräuter aus dem Schrank holt –, sondern zu einer Ganzjahresoption.

Vorsicht bei der Wahl des Honigs

Vorsicht ist bei der Dosierung des Honigs bzw. des Runny Honey geboten. Honig ist eine Zutat mit einer starken Durchsetzungskraft, die sich vor allem im Abgang eines Drinks bemerkbar macht. Hier sollte man daher darauf achten, einen nicht zu aromatischen Honig zu wählen, damit die Aromen des Likörs nicht untergehen. Ob einer oder zwei Barlöffel Runny Honey macht bereits einen erheblichen Unterschied, der sich natürlich auch auf den Süßegrad des Cocktails auswirkt. Hier muss jeder seinen eigenen Vorlieben folgen. Für etwas mehr Frische kann man den Anteil an Zitrone leicht nach oben korrigieren und eventuell mit Tonkabohne anstatt der geriebenen Muskatnuss experimentieren. Auf jeden Fall ist der Monk Sour einen Versuch wert.

Dieser Artikel erschien erstmals 2012 auf MIXOLOGY Online. Er wurde für die Wiederveröffentlichung überarbeitet und mit einem aktuellen Bild versehen.

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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