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Onkel Bob’s Affe: Monkey 47 bei Robert Parker

In Robert Parkers Erwähnung des deutschen Monkey 47 als „bestem Gin“, den er je getrunken habe, lesen viele einen Ritterschlag durch den polarisierenden Weinpapst in Richtung Schwarzwald. Doch „kann“ Parker überhaupt Spirituose? Ist das Statement letztlich nur privat zu verstehen? Was steckt hinter der Geschichte?

Robert Parker ist ein amerikanischer Anwalt. Aus Maryland. Sein Fachgebiet ist der Konsumentenschutz, was in den Staaten vor allem bedeutet, dass irgendwelche Fast-Food-Ketten auf fünf Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt werden, wenn sich ein Kunde in einer Filiale einen Becher heißen Kaffee auf seine Hose kippt. Ein einträgliches Geschäft also. Parker wollte das aber nicht machen. Er wollte Wein trinken und darüber schreiben.

Der Anwalt des großen Weintrinker

Doch auch beim Weintrinken und Weinschreiben konnte Parker das Konsumentenschützen nicht sein lassen und fand, dass die gemeinen Weinkritiken in den US-Zeitungen entweder falsch oder/und das Werk einer korrupten Autorenmafia waren, allesamt Briten, die sich gerne auf französische Chateaus einladen ließen.
Daher beschloss er, diese Leute von ihrem Thron zu stürzen. Das war 1975. Neun Jahre später konnte Parker sein Anwaltsdasein an den Nagel hängen und vom Weintesten leben; vierzig Jahre später hinterlässt Robert Parker eine umgekrempelte, neu aufgestellte, amerikanisierte Weinwelt, die ihn zum mächtigsten Weinkritiker der Welt gekürt hat. Bob Hope einer Milliardenindustrie. Es ist so, als würde es weltweit nur einen Autokritiker geben. Oder nur einen Spirituosenkritiker. Und nun kommen wir zur Sache.

Denn Robert Parker hat sich das erste Mal in seinem Leben öffentlich über eine Spirituose geäußert, über einen Gin namens Monkey 47, gebrannt im Schwarzwald, wo der den Gin bestimmende Wacholder die berühmten Schinken der Region würzt. Die Zahl 47 bedeutet, dass 47 Kräuter und Gewürze beim Destillierprozess verwendet werden.
Kann man glauben, oder nicht. Wie auch die wundersame Geschichte der Entstehung des Monkey, eine vergnüglich zu lesende Historie um einen britischen Royal-Air-Force-Commander namens Montgomery Collins, den es nach dem Krieg von Berlin in den Schwarzwald verschlug, wo sich dem Bau von Kuckucksuhren verschrieb. Weil das nichts wurde, wurde er Wirt.

Der Affe und die Kräuter

Und weil er im Berliner Zoo Patenonkel eines Javaaffen war, nannte er sein Wirtshaus „Zum wilden Affen“. Seinen Gin brannte er selber – Wacholder gab es ja genug – und seine unorthodoxe, von vielen Kräutern beeinflusste, neuartige Rezeptur hinterließ er in einer Kiste, die die nunmehrigen Macher der Monkey 47 bei Renovierungsarbeiten entdeckten. Man muss nicht Geschichte studiert haben um zu wissen, dass Montgomery und Collins die Nachnamen zweier berühmter Generäle im zweiten Weltkrieg waren. Und beide kämpften im Schwarzwald.

Manche Gin-Puristen halten den Monkey 47 nicht mal für Gin, sondern für ein dem Gin nur noch ähnliches Destillat. Doch das ist der gleiche Streit um Deutungshoheit, wie jener, der um die neuartigen, naturbelassenen Orange-Weine tobt. Der grandios professionelle Webauftritt des Affen vermittelt jedenfalls den Eindruck, dass es sich bei Monkey 47 auch um ein provokatives Luxusprodukt aus der Salzburger Red-Bull-Schmiede handeln könnte.

Wird aus dem Affen ein Elefant gemacht?

Egal, dem Monkey-Business ist es jedenfalls gelungen, ein neues Produkt mit dem Hauch der Exklusivität in einem zunehmend boomenden Spirituosenmarkt zu erden. Doch es kam völlig unerwartet, dass sich Robert Parker zu dem Gin äußerte.

Und ebenso unerwartet war die Reaktion auf diese Äußerung. Da wurde auch schnell geschrieben, dass Parker dem Produkt seine Höchstwertung von 100 Punkten gegeben hätte, eine Note, die nur ganz wenige ausgesuchte Weine bekommen.
Das ist freilich Unsinn, wie man bei der von Robert Parker gegründeten Firma „Wine-Advocate“ festhält und in der Angelegenheit auf Parkers privaten Tweet verweist, der seine persönliche Meinung widerspiegelt. Aber nicht jene des Verlages. Parker ist vor einem Jahr offiziell aus dem operativen Geschäft ausgeschieden.

“A friend brought me back a bottle of Monkey 47 GIN, made from 47 botanicals in Germany’s Black Forest – the greatest gin I have ever tasted.

So lautet Parkers Gezwitscher über den Monkey-47. Und es fiel bereits am 1. Mai 2013, also vor bald zwei Jahren. Dazu noch mittags, was die Frage zulässt ob sich Parker schon zu High-Noon ein paar Gin-Tonic hinter die Binde kippt.

Der Gin als Wegweiser des Advokaten?

Beim Wein-Advocate herrscht folglich auch Verwunderung über diesen Spätzünder und das Interesse an dieser eigentlich nebensächlichen Äußerung. Und nein: Man denke nicht daran, jetzt auch noch Spirituosen bewerten zu wollen.
Mal abwarten, ob die neuen Eigentümer des Wine-Advocate, schwerreiche Investoren aus Hongkong, die Marke nicht über Wein hinaus ausdehnen wollen. Robert Parker jedenfalls hat sich seitdem ausschließlich über Wein geäußert und kein weiteres Wort über Gin und Ähnliches verloren.
So scheint es, dass Monkey-47 die einzige Spirituose bleibt, der er die Ehre einer positive Rezension zukommen ließ. Bleibt nur eine Frage: Wie kam der Gin zu Parker? Die Antwort wird man wohl im Schwarzwald finden.

Credits

Foto: Schimpanse und Krone via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

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