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Monkey 47: Der Affe wird erwachsen

Ein kleiner Paukenschlag: Pernod Ricard ist ab sofort Mehrheitseigner beim Schwarzwälder Kult-Gin. Damit geht keine Ära zu Ende. Aber es beginnt eine neue. MIXOLOGY-Chefredakteur Nils Wrage mit einem Kommentar.

Es war damals, 2010, ein ziemlicher Knall: Alexander Stein und Christoph Keller brachten ihren Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin auf den Markt. Dabei war nicht einfach das Produkt der „Knall“, sondern seine Begleitumstände. Ein Gin, der deutsch, aber gleichzeitig britisch-dandyhaft sein wollte. Einer, der ganz offen zeigte, dass er neben exzellenter Brennkunst bewusst auf ziseliertes Produktdesign und eine Hintergrundstory setzte, von der bis heute niemand weiß, wieviel Wahrheit in ihr steckt. Vor allem aber war der Preis ein Urknall: rund 35 Euro für einen halben Liter Gin, das war eine Ansage. Weiß Gott keine Kampfansage an den gelb-rot Etikettierten Weltmarktführer, von dem man für den Preis eines Liters Monkey schon eine ganze Sechser-Kiste bekommt. Aber es war ein Statement darüber, wo es mit Gin hingehen könnte. Damals waren viele Stimmen zu hören (auch der Autor dieser Zeilen gehörte dazu), die sich sicher waren, dass mit einem solchen Pricing die Schraube im schon vitalen und durch Marken wie Hendrick’s aufgebrochenen Gin-Segment bereits überdreht sein könnte. Premiumisierung hin oder her. Die Realität der Folgejahre sollte zeigen, dass damit eher eine neue „Benchmark“ geschaffen wurde.

Der Affe wechselt den Käfig. Oder bricht er aus?

Gestern, am 29. Januar 2016 – der „Affe“ ist mittlerweile rund sechs Jahre alt, in unzähligen Ländern und vor allem Bars der Welt zuhause und hat einen offiziellen Vertrieb in den USA – wurde bekannt, dass die weltweite Nummer Zwei im Spirituosengeschäft, der französische Pernod Ricard-Konzern, sich mit Stein auf eine Mehrheitsbeteiligung geeinigt hat. In Berlin seien die entsprechenden Kaufverträge unterzeichnet worden hieß es. Sowohl die Monkey-Gründer als auch Alexandre Ricard, globaler CEO von Pernod Ricard sowie sein deutscher Geschäftsführer David Haworth zeigten sich erfreut und betonten gemeinsame unternehmerische Grundsätze. Einen Preis oder auch den Anteil, den der Konzern nun hält, nannte man im Zuge der Bekanntmachung nicht.

Aus Sicht von Pernod Ricard liegt der Einstieg bei Monkey 47 bzw. der Herstellerfirma Black Forest Distillers nur nahe: Der Konzern, der sich derzeit mit seiner Prestige Selection, also mit den hochwertigen Abfüllungen von Marken wie Havana Club, Chivas Brothers, Absolut Vodka, Beefeater, The Glenlivet oder Perrier-Jouët, besonders auf den High-End-Bereich konzentriert, sichert sich mit Monkey 47 den vielleicht prominentesten Vertreter aller neuen europäischen Gins. Die Franzosen dürften – das kann man getrost so postulieren – nicht die ersten gewesen sein, die Stein und Keller ein Angebot auf den Tisch gelegt haben.

Monkey 47: Geht die Wacholderwelt nun unter? Nein!

Wie zu erwarten, zog die Nachricht sofort große Kreise in der Spirituosenszene. Barbetreiber, die Monkey 47 seit der ersten Charge listen, äußern sich in Videobotschaften. Alle wichtigen internationalen Magazine haben die Meldung bereits übernommen, wenn auch alle exakt dieselben, wenigen Informationen haben. Und in den Sozialen Medien wittern, wie bei jedem Verkauf eines „Craftie“ an die „Industrie“, viele Kenner unter Zeter und Mordio den Untergang des geistigen Abendlandes, einen Qualitätsverfall und natürlich Preiserhöhungen.

Heute, sechs Jahre nach 2010, sorgt Monkey 47 für den nächsten Knall: Der Verkauf bedeutet nicht, dass das Produkt besser wird. Aber auch nicht, dass es schlechter wird. Wenn die Gründer sich richtig abgesichert haben, werden sie ihr Produkt im Prinzip genauso weiter produzieren wie bisher. Es zeichnet den Pernod Ricard-Konzern aus, dass viele der Brennmeister, die in seinen Destillen arbeiten, äußern, dass sich ihre Arbeit seit der jeweiligen Übernahme nicht geändert hat. Der „Knall“ ist heute, im Jahre 2016, vielmehr der folgende: Auch die Neuen Wilden werden erwachsen. Attraktive Marken generieren Aufmerksamkeit und Begehren. Das ist überall so, auch bei Spirituosen. All diejenigen, die heute meinen, mit dem Verkauf der Mehrheit von Monkey 47 gehe eine Ära zu Ende, liegen falsch, denn dafür sind die Veränderungen und Impulse, die unter anderem durch die Gin-Marke gegeben wurden, viel zu nachhaltig und noch für Jahre andauernd. Aber mit dem Verkauf beginnt parallel eine neue Ära: jene, die uns zeigt, dass Start-Ups groß werden und Investitionen durch „Riesen“ manchmal unumgänglich sein können, um das Wachstum überhaupt zu meistern. Und der Affe wird nicht das letzte Tier bleiben, das den Zoo in Richtung freier Wildbahn verlässt.

Credits

Foto: Schimpanse via Shutterstock

Comments (3)

  • chin

    … ein weiterer grund ihn nicht mehr zu kaufen, super!
    die melasse basis der spirituose ist hier allerdings der hauptgrund.
    der preis ein weiterer.

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  • Jan

    Eine gute Einordnung des Phänomens Monkey Gin.

    Auch meiner Einschätzung nach, hat er (neben Duke) den Weg für moderne, aber eben auch für deutlich bessere Gins kleiner und mittelständischer deutscher Brennereien geebnet und damit einen erfrischenden Gegenpol zum internationalen Massenprodukt befördert. Wenn auch schon lange nicht mehr in meiner Bar zu finden – so wird er mir doch wenigstens für diese Leistung in Erinnerung bleiben.

    Ob es dem zweitgrößte Spirituosenkonzern der Welt gelingen wird, ein solches geschmacklich- und auch preisliches Nischenprodukt in einem aktuell durch eine sehr hohe Qualität geprägten Umfeld, zu neuen Erfolgen zu verhelfen, da bleibe ich skeptisch.

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